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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche XXIII: Furosemid

7 Kommentare

Furosemid
Lasix, Furanthril, Furorese uvm….

Anwendungsgebiet

Furosemid wird angewandt als sog. Diuretikum bei der Therapie von arteriellem Bluthochdruck, Ansammlung von Wasser in der Bauch- oder der Brusthöhle sowie bei Ödemen (Ansammlung von Wasser im Gewebe, z.B. in Form von „geschwollenen Unterschenkeln“).  Außerdem findet Furosemid Einsatz bei der Therapie von Hyperkaliämie (zu viel Kalium im Blut), um überschüssiges Kalium auszuschwemmen.

Im Sport gilt Furosemid als Dopingmittel, da es dazu beiträgt Dopingmittel schnell aus dem Körper auszuscheiden und deren Nachweis somit zu verhindern.

Wirkung & Mechanismus

Furosemid ist ein sog. harntreibendes Mittel (Diuretika), das in der Niere wirkt. Dort wird der Harn produziert, der über die Blase ausgeschieden wird und somit der Wasserhaushalt des Körpers beeinflusst. Die Ausscheidung des Wassers und der harnpflichtigen Stoffe, die der Körper loswerden möchte, erfolgt über ein komplexes Wechselspiel in einem noch komplexeren „Röhrensystem“ mit unterschiedlichen Anteilen. Je nach Anteil des Röhrensystems werde gewisse Stoffe stärker ausgeschieden, andere wieder zurückresorbiert – und am Ende kommt der fertige Urin in den Harnleiter.

Furosemid moduliert im Abschnitt, der „Henle-Schleife“ genannt wird, einen Transporter, der normalerweise Natrium, Kalium und Chlorid vom Inneren der Zellen ins „Abflussrohr“ bzw. zurück transporiert. Dadurch steigt die Konzentration dieser Stoffe im Harn und nachfließene Flüssigkeit wird stärker aus den Zellen ins „Rohr“ gezogen. Nachfließend steigt die Menge an Flüssigkeit, die ausgeschieden wird, die das Konzentrationsgefälle zwischen Harn und Zellen ausgleichen muss. Pro Tag ist unter Gabe des Medikamentes eine Ausscheidung von 50l möglich.

Nebenwirkungen

Durch die starke Wirkung der Schleifendiuretika auf den Elektrolythaushalt ist eine regelmäßige Blutkontrolle notwendig, um Elektrolytverschiebungen rechtzeitig zu entdecken und Nebenwirkungen von zu starker Wasserausscheidung (Hypovolämie) mit daraus resultierendem Schwindel, Kopfschmerzen, Kollapsneigung und zu geringem Blutdruck (Schwarzwerden vor den Augen beim Aufstehen…) zu verhindern. In schweren Fällen kann es zur Exsikkose (Austrocknung) kommen.
Infolge einer geringen Wassermenge im Körper wird verstärkt Harnsäure reabsorbiert (zurückgeholt), was zu erhöhtem Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie) und damit zu Gichtattacken führen kann. Weiterhin führt die Langzeitanwendung häufig zu verringertem Magnesium und Calcium im Blut (Hypomagnesiämie bzw. Hypocalciämie).
Bei allen Schleifendiuretika können Hörschäden in den hohen Frequenzen bis Taubheit durch Hemmung des Transporters (der auch im Gehör vorhanden ist) auftreten (sog. Ototoxizität).

Gegenanzeigen

Furosemid darf nicht gegeben werden, wenn der Patient schon von vorne herein wenig Flüssigkeit im Körper hat (Hypovolämie), wenn bereits ein niedriger Kaliumwert im Blut vorliegt (da durch die vermehrte Ausscheidung des Kaliums der Wert sonst noch mehr sinken würde) sowie in der Stillzeit und beim hepatischen Koma. Ebenso ist die Anwendung bei Anurie, wenn also gar kein Harnfluss mehr vorhanden ist, kontraindiziert. Bei Diabetikern sollte die Kontrolle des Blutzuckers verstärkt werden, da der blutzuckersenkende Effekt von Diuretika vermindert werden kann.
Andere Arzneimittel die gehörschädigend (ototoxisch) wirken, wie zum Beispiel Aminoglykoside und Cisplatin, können die schädliche Wirkung auf das Gehör verstärken.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

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7 Kommentare zu “Arzneimittel der Woche XXIII: Furosemid

  1. Das mit dem Dopingmittel wusste ich noch nicht, wieder was dazu gelernt 😉
    Danke auch für diese Kategorie.

  2. „Pro Tag ist unter Gabe des Medikamentes eine Ausscheidung von 50l möglich“ Ist das ein Tippfehler oder stimmt das wirklich? Ich mag mir nicht vorstellen, wie ein Mensch aussieht, der 50 l ausscheiden muss!

    • nein, das ist kein Tippfehler – du musst natürlich die ausgeschiedene Flüssigkeit ersetzen (Infusionen etc)… aber rein theoretisch könntest du einen Menschen auf diese Weise töten, wenn du ihm völlig die Flüssigkeit entziehst (bzw. die Nieren nachhaltig schädigen und die Elektrolyte im Blut komplett aus dem Gleichgewicht bringen, incl. aller nach sich ziehenden Konsequenzen)

  3. Könntet ihr auch mal Tracleer vorstellen? Dann ist bald alles vertreten, was es bei uns zu Hause gibt….

    • Tracleer? Das ist ebenfalls ein Medikament zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie (Bluthochdruck im Lungenkreislauf), ich glaube, das ist nicht soo groß zu erklären und so weit verbreitet (aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und des Einsatzes dieses Medikamentes)….. mal sehen 😉

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