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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Krankheit der Woche XVII: Tuberkulose

7 Kommentare

TUBERKULOSE

Tbc, Morbus Koch, Schwindsucht

Was ist das und wie entsteht es?

Tuberkulose ist eine Erkrankung, die durch die Infektion mit Tuberkulosebakterien (vor allem Mycobacterium tuberculosis) entsteht und in der Regel die Lungen betrifft. Der Befall anderer Organe ist möglich aber selten. Für die Entdeckung und Erforschung des Mycobacterium tuberculosis erhielt Robert Koch 1905 den Nobelpreis für Medizin.

Weltweit sind schätzungsweise 1/3 der Menschen mit Tuberkulosebakterien infiziert. Hierbei sind vor allem Länder in Osteuropa und die typischen Entwicklungsländer in Afrika und Asien betroffen. Letztendlich erkranken nur etwa 10% der Infizierten an einer aktiven Tuberkulose, wobei Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem (z.B. durch HIV/AIDS, Unterernährung, Drogenmissbrauch oder durch bestimmte Medikamente) besonders gefährdet sind. So stellt die Tbc die häufigste Todesursache bei Patienten mit AIDS dar!

Die Ansteckung erfolgt über eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Das heißt vereinfacht ein Erkrankter hustet, dabei gelangen kleine Flüssigkeitstropfen in die Luft, in denen Tuberkulosebakterien enthalten sind. Diese Flüssigkeitstropfen werden von einem anderen Menschen eingeatmet und die Tuberkulosebakterien gelangen in die Lunge, wo sie es sich gemütlich machen. Nach der Infektion kann es Jahre dauern, bis eine aktive Tuberkulose ausbricht.

Was merkt man?

Die Symptome  der Tuberkulose sind sehr unspezifisch. Hierzu zählen sogenannte „Allgemeinsymptome“ wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust oder Abgeschlagenheit, sowie „Lungensymptome“ wie Husten (evt. mit Auswurf), Bluthusten, Brustschmerzen oder Atemnot. Alles in allem gibt es also kein tpyisches „Tbc-Symptom“. Dies führt dazu, dass das wichtigste bei der Tbc-Diagnostik ist, überhaupt an die Tbc als mögliche Ursache der Beschwerden zu denken. Fehldiagnosen sind daher leider sehr häufig.

Wie stelle ich es fest?

Beim Verdacht auf eine Tuberkulose gibt es zahlreiche Untersuchungen und Tests um die Diagnose zu bestätigen.

Als erste Screeninguntersuchung wird in der Regel ein Tuberkulin-Hauttest (auch als Intrakutantest nach Mendel-Mantoux bezeichnet) durchgeführt. Hierbei wird eine kleine Menge von Proteinen der Mykobakterien direkt in dir Haut gespritzt. Bei einem Patienten, der schon Kontakt mit dem Tuberkulosebakterium hatte, wandern nun Abwehrzellen in die Haut ein, was zu einer Verdickung in diesem Bereich führt. Wenn der Durchmesser dieser Schwellung eine bestimmt Größe überschreitet, gilt der Hauttest als positiv. Das bedeutet, der Patient hatte irgendwann in seinem Leben Kontakt mit dem Tuberkulosebakterium. Der Test bringt allerdings mehrere Probleme mit sich. So gibt er keine Aussage darüber, ob der Patient tatsächlich auch an einer aktiven Tbc erkrankt ist (wie gesagt, nur 10% der Infizierten leiden tatsächlich an einer aktiven Tbc, die anderen 90% tragen das Bakterium mit sich, sind aber nicht erkrankt). Darüber hinaus kann der Test auch nach einer Tuberkuloseimpfung (dazu weiter unten mehr) und nach dem Kontakt mit anderen Mykobakterien (davon gibt es mehr als nur das Tuberkulosebakterium) positiv sein. Bei ungeimpften Patienten mit einem hohen Tbc-Risiko ist der Hauttest allerdings eine gute Screeningmethode.

Bei fragwürdigem Hauttest kann ein weiterer Test durchgeführt werden, bei dem das Blut des Patienten im Labor mit den Tuberkuloseproteinen vermischt wird. Ist der Patient mit dem Tuberkulosebakterium infiziert, erkennen seine Abwehrzellen die Proteine und schütten massig Signalstoffe aus, die dann gemessen werden können (Interferon-y-Release-Assay). Eine Impfung oder andere Mykobakterien beeinflussen den Test nicht.

Neben diesen ganzen Untersuchungen der Abwehrzellen sind Röntgenaufnahmen der Lunge ein weiterer wichtiger Bestandteil der Diagnostik.

Alles in allem können diese Tests jedoch nur den Verdacht auf eine Tuberkulose erhärten. Die tatsächliche, endgültige Diagnose kann letztendlich  nur durch einen Nachweis der Erreger, also der Tuberkulosebakterien, gestellt werden. Hierfür kann beispielsweise Sputum, Atemwegsflüssigkeit oder Magensaft verwendet werden. Diese Flüssigkeiten werden auf zwei unterschiedliche Weisen untersucht. Zum einen schaut man sie sich direkt unter dem Mikroskop an und kann hier evt. die Bakterien sehen, zum anderen werden die Bakterien auf Kulturmedium angezüchtet. Zweiteres dauert mehrere Wochen, da sich die Bakterien nur sehr langsam vermehren. Hat man jedoch lange genug gewartet, kann man mit dieser Methode nicht nur die Tbc endgültig diagnostizieren, sondern kann gleichzeitig untersuchen, welche Antibiotika gegen diese Bakterien wirksam sind.

Was kann man tun?

Jede aktive Tuberkulose muss unbedingt behandelt werden. Da es sich bei dem Erreger der Tuberkulose um Bakterien handelt, wird diese mit Antibiotika therapiert. Die Therapie dauert sehr lange – in der Regel 6 Monate. In den ersten 2 Monaten muss der Patient 4 verschiedene Antibiotika (Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid) einnehmen. In den folgenden 4 Monaten kann das Ganze dann zum Glück auf 2 Antibiotika (Isoniazid und Rifampicin) reduziert werden. Bei Medizinern gibt es hierfür den Merkspruch „4×2 plus 2×4“ – also in den ersten 2 Monaten 4 Medikamente, in den folgenden 4 Monaten 2 Medikamente. Diese Eselsbrücke klingt zwar banal, hilft aber erstaunlicherweise wirklich. Bei Tuberkulosebakterien, die gegen einige dieser Antibiotika resistent sind, müssen natürlich andere „Reserveantibiotika“ verwendet werden.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Impfung. Die Tuberkuloseimpfung (auch als BCG-Impfung bezeichnet) wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (DIE Autorität in Deutschland, wenn es um Infektionskrankheiten und Impfungen geht) seit 1998 nicht mehr empfohlen. Gründe hierfür sind zum einen die sehr geringe Gefahr, sich in Deutschland mit Tuberkulose zu infizieren, zum anderen die geringe Wirksamkeit des Impfstoffes bei einem gleichzeitig häufigen Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen. Diese Empfehlung deckt sich auch mit den Empfehlungen der WHO. In anderen Ländern, beispielsweise in England, wird allerdings noch sehr enthusiastisch geimpft.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Dieser Artikel entstand auf Wunsch von „Ich“ als Reaktion auf unseren Artikel Unsichtbare Bedrohung. Habt ihr auch Fragen an uns – sei es zu Krankheiten, Medikamenten oder interessieren euch völlig andere Bereiche aus dem Mediziner-/Studentenleben, die wir bisher ignoriert haben? Dann schreibt uns oder kommentiert einen unserer Artikel. Wir freuen uns immer sehr über Anregungen und neue Ideen!

Ann Arbor

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Autor: Ann Arbor

"We're all stories in the end...just make it a good one! Because it was, you know, it was the best!" Doctor Who

7 Kommentare zu “Krankheit der Woche XVII: Tuberkulose

  1. Danke für diesen Artikel. War wieder mal sehr informativ und ich wollte immer schon wissen, was Tuberulose eigentlich ist.

  2. Ich schließe mich mal an, wieder sehr interessant, vielen Dank.

  3. danke fuer den artikel 😀

  4. Vielen Dank für den Artikel! Finde ich auch vor dem Hintergrund sehr interessant, als dass beim Vfl Wolfsburg gerade ein Fußballprofi längere Zeit mit Tuberkulose ausfällt (bin kein Fan der Wölfe, fand aber die Meldung an sich herausstechend genug, dass ich neugierig wurde, mich mal näher mit der Erkrankung zu beschäftigen).

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