Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Nur ein kleiner Pieks

26 Kommentare

Irgendwie war es ja klar, dass das wieder mal mir passieren musste. Eigentlich verwunderlich, dass es fast bis zum Ende des zweiten Tertials gedauert hat. Aber immerhin war es nur zum Teil meine Schuld, falls es das irgendwie besser macht. Was passiert ist?

Ich habe mich gestochen. Nein, falsch, eigentlich wurde ich gestochen. Jetzt weiß ich zumindest, warum die OP-Schwestern so ungerne zwei Hautnähte am Tisch haben. Während ich mit OA Hanni nach einer Gallenoperation am Zunähen bin, kommen wir uns nämlich mit den Nadeln ins Gehege und seine landet in meinem Zeigefinger.  Ich realisiere es erst gar nicht richtig, da bricht um mich herum schon das Chaos aus.

„Ziehen Sie den Handschuh aus. Auspressen und dann unters Wasser halten. Gut ausspülen und dann desinfizieren. Kann jemand von der Anästhesie mal bitte Blut bei dem Patienten abnehmen?“ Hanni übernimmt das Kommando und ich gehorche einfach blind. „Dann gehen Sie runter in die Ambulanz und lassen sich Blut abnehmen. Nehmen Sie das Blut des Patienten mit und sagen Sie, dass Sie sich gestochen haben. Die wissen was zu tun ist.“

Und tatsächlich gibt es dort unten einen Algorithmus für solche Situationen. Dazu gehören allerdings ein weiteres Blutröhrchen und eine Einwilligung des Patienten in einen HIV-Test. Ersteres bringt meine PJ-Kollegin aus der Anästhesie umgehend aus dem OP, zweiteres ist ein bisschen schwierig solange der Patient in Narkose liegt. Wir gehen also erstmal von einer mutmaßlichen Einwilligung aus.

Fehlt also noch mein Blut. Allein aus diesem Grund werde ich mich sicher nie wieder Stechen. Blut abnehmen bei mir selbst geht gar nicht. Und prompt kollabiere ich dann auch auf der Liege in der Ambulanz. Als ich wieder auf den Beinen bin, ist das Blut schon auf dem Weg ins Labor. Ich werde weitergeschickt in die Innere Ambulanz, wo mich ein Oberarzt über die Risiken und Nebenwirkungen einer Nadelstichverletzung aufklären soll. Er ist darauf in etwa so gut vorbereitet wie ich, aber zaubert dann doch ein paar Zahlen aus dem Ärmel. Hängen geblieben ist davon nix. Außer, dass das Risiko für eine Hepatitis C am höchsten ist. War ja klar, dass man dagegen nicht impfen kann. Mist!

Und die Schnitzeljagd geht weiter zum Personalbüro, wo ich eine Unfallmeldung ausfüllen muss. Wieder die Frage nach der Einwilligung des Patienten in den HIV-Test. Muss ich also in den Aufwachraum und ihn fragen. Da stellt sich leider heraus, dass er nur russisch spricht und ein Dolmetscher ist weit und breit nicht zu sehen. Also zieh ich unverrichteter Dinge wieder ab. Fast zwei Stunden bin ich beschäftigt gewesen. Wahnsinn!

Und dann bin ich nochmal fast zwei Tage damit beschäftigt diese Einwilligung aufzutreiben. Oder besser gesagt die Dolmetscherin. Die Einwilligung ist dann gar kein Problem, der Patient ist eher amüsiert über das Theater. Das bin ich inzwischen eigentlich auch, bis ich eine Woche später einen Anruf von der Betriebsärztin erhalte. Es gibt keine Laborergebnisse des Patienten. Ob wir denn keine Serologie abgenommen hätten.

Doch, haben wir. Und ja, mir ist aufgefallen, dass ich sie nicht abrufen konnte. Aber ich dache, das hinge mit dieser Einwilligungs-Sache zusammen. Zumal meine Ergebnisse noch am selben Tag da waren. Ich wusste ja gar nicht, dass ich so eine gesunde Leber habe! Sei ja kein Beinbruch, müsste man dem Patienten eben nochmal Blut abnehmen, meint die Betriebsärztin.

Problem: Der Patient ist zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Russland und wird von dort sicher keine Blutproben schicken. Und ich sitze hier mit meinen tollen Leberwerten und habe jetzt irgendwie doch ein bisschen Bammel. In 6 Wochen kann ich zur nächsten Testung, dann wird man sehen. Drückt mir die Daumen!

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

26 Kommentare zu “Nur ein kleiner Pieks

  1. Du Arme!
    Ist deiner Mitbloggerin ja vor 2 Wochen auch passiert :/
    „Gute Besserung“ 🙂

  2. Ich drück gaaaanz fest die Daumen, dass nichts passiert ist… Aber da der Patitent ja sein Einverständnis zum Test gegeben hat, denke ich, dass er nichts hatte…

    • Das hat mich irgendwie auch ein bisschen bruhigt. Der hat mich eigentlich sogar ausgelacht, so nach dem Motto: Wie ich denn auf so eine verrückte Idee kommen könnte. Fand ich ziemlich gut, dass er das so abwegig fand 🙂

  3. Ohje, ich drücke dir auch die Daumen, dass die zeit bis dahin schnell vergeht und dann alles gut wird.

    • 🙂 Danke dir! Irgendwie ganz komisch, wie es mir beim Schreiben des Artikels schon ein bisschen die Seele erleichtert hat… Und mit euren Kommentaren erst recht!

      • Ja, drüber schreiben/ reden hilft oft ungemein. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass alles schick ist bleiben ja doch immer ein bißchen Restbedenken.

  4. Oh liebe Spekulantin,

    ich habe mich schon sooo oft gestochen. Ich gehöre aber auch zur „was ich nicht weiß“-Fraktion und habe deswegen nie Meldung erstattet. Bei den vielen Nadelstichverletzungen wäre das aber im laufe der Jahre auch echt ausgeartet. Beim AG-Wechsel gab es dann mal nen HIV-Test, das Warten darauf war schon – sagen wir mal sehr komisch. War zum Glück alles gut!

    Trotzdem, gesünder ist natürlich die „lieber auf Nummer sicher gehen“-Variante. Definitiv!

    Liegt denn das Blut nirgendwo mehr? Das wäre ja noch verwertbar. Schmeißt das Labor so was einfach weg? Ich kann sogar nachdem ich Ergebnisse bekommen habe nachordern, auch nach einer Woche. Und dazu würde doch ein kleines, einsames Serumröhrchen ausreichen.

    Ich drück Dir die Daumen! Das Gefühl ist blöd, definitiv. Eigentlich müsstest Du jetzt Prophylaxe nehmen, wenn Du es ganz richtig machen wolltest. Aber da die so reinhaut, … jaja, was der Job so mit sich bringen kann. Ich habe mich immer damit getröstet, dass Fensterputzer z.B. auch ihre Risiken eingehen müssen und dass mich die Hep.B-Impfung bestimmt ganz generell vor allem schützt. Einfach weil ich so tapfer war die Spritze und den drei Wochen schmerzenden Arm zu ertragen. Anderswo läuft das so was dann unter „subjektiver Krankheitstheorie“. Aber Hauptsache es hilft.

  5. 🙂 Oh, das sind richtig aufmunternde Worte! Die ganzen Assistenzärzte haben auch nur den Kopf geschüttelt über das Theater, da meldet sowas schon lange keiner mehr. Und ich kann jetzt auch echt verstehen warum. Die Panik und die Unsicherheit entstehen erst durch den ganzen Rummel.
    Das Blut ist tatsächlich verschwunden. Wahrscheinlich hats die Ambulanzschwester gegessen 😉 Das Labor schwört, dass es dort nie ankam und die Ambulanz schwört, dass sie es ins Labor gebracht hat. Tja, doh!

    Das mit den Fensterputzern find ich gut 🙂 Und ich werde jetzt einfach auch ganz feste an die Kraft der Impfung glauben. Medizin die weh tut hilft ja ohnehin am besten und bei meiner Spritzenphobie gleich noch mehr 😉 Danke dir für deinen Humor!!!!

  6. Ich drück dir die Daumen, dass nichts ist. Ist aber auch wirklich Pech, dass der Patient nicht mehr erreichbar ist.
    Vor Nadelstichverletzungen habe ich im Rettungsdienst auch immer ein wenig Angst, denn wenn ich sehe, was manche Patienten so anstellen, damit sie ja keinen Zugang „ertragen“ müssen, bzw. wie die Notärzte zum Teil mit den Nadeln umgehen, dann ist eine Gefahr eben nie auszuschließen, auch wenn die Sicherheitsnadeln davor schützen sollen.

  7. Danke dir! Im Rettungsdienst stelle ich mir das irgendwie auch noch gefährlicher vor, wenn mehrere Leute zusammen an einem Patienten arbeiten und es ggf. sogar schnell gehen muss. Da ist die Verletzungsgefahr sicher noch höher. Und die Hohlnadeln sind gleich nochmal ärgerlicher als ne Hautnaht. Wie gut, dass dir da noch nichts passiert ist.
    Das mit diesen Sicherheitskappen… ich weiß net. Die helfen auch nur, wenn man sie dann mal drüber geklappt hat, aber schon der Prozess des Drüberklappens ist gefährlich und wenn mans gar nicht macht… 🙂

  8. Ich drück dir auch die Daumen, ist schon ärgerlich so ne Sache. Ich finde es immer wichtig, sowas zu melden. Hätte viel zu viel Angst, das etwas passiert und man sich angesteckt hat an irgendwas. Gestern hab ich mir auch gedacht: „Hoffentlich stech ich mich nicht“. Unsere Docs haben nämlich ZVK gelegt und so nett wie sie waren, alles liegen gelassen. Alle Nadeln kreuz und quer über das Nachtschränkchen verteilt, oder die Nadelabwürfe bis zum Anschlag gefüllt….. Schülerin frickelte da schon rum, hab ihr aber gesagt, das ich das selber mache…

    • Ja klar ist es gut, wenn der Vorgang jetzt mal im System ist. Nur für den Notfall…

      Dieses Chaos auf sterilen Nahttischen und i.v.-Sets ist ein Fluch. Vor allem, wenn man nicht den Überblick hat, wie viele scharfe Gegenstände man finden sollte, bevor man den Rest zusammenknüllt 😉 Ich hab allerdings meine Nadel letztens selbst entsorgt, mit der ich die Platzwunde in der Ambulanz genäht habe und daraufhin hat die Ambulanzschwester verzweifelt danach gesucht. War sie wohl nicht gewohnt. Wie mans macht, ist nix 😀

      • du bist wenigstens so brav. feini feini, ich denk auch mal, die kombi war bei uns auch mitm notfall verbunden… muss mal schauen, wie es ist, wenn es mal keiner ist.

        • Ihr müsst sie einfach von Anfang an richtig erziehen 😉 Und ein bisschen nett zu ihnen sein. Das ist nämlich unser aller heimlicher großer Wunsch: Dass uns die Pflege mag 🙂

          • richtig, aber die ärzte müssen auch immer nett zu uns sein 🙂 Einen richtigen Gefallen tut man uns zum Beispiel, wenn man nicht mitten in der Nacht von zu Hause aus Nachanordnungen macht 😀 solche gibt es auch. Da bin ich auch immer sehr angetan von *ggg*

          • andersrum hab ichs schon erlebt: dass die Nachtschwester unbedingt noch um 3 Uhr nachts das Aufnahmelabor wollte und mich als diensthabenden PJ’ler rausgeklingelt hat. Für 3 Röhrchen, die bis morgens keinen Chirurgen jemals interessieren werden. Danke aber auch. Meine Miene und Kommunikation hat ihr hoffentlich meine Meinung eindrücklich gezeigt. O:)

  9. Ich drücke ganz fest die Daumen!
    Aber auch ich bin mir ganz sicher, dass alles okay ist! Es zu melden ist aber auf jeden fall richtig und hat schon seinen Sinn!
    LG, Anke

  10. Ihr braucht halt durchstichsichere Handschuhe im OP. Wie, die sind so dick, da kann man nicht die Nadel führen mit? Na alles gute ist nie beisammen! 😉

    Alles Gute. Und auf dass die Nadeln in Zukunft nicht mehr so gemein beißen!

    • Handschuhe aus Metall. Wie die alten Ritter, nur individuell (und für immer) an die Hand geschweißt. :p

      • Durchstichsichere Handschuhe können z.B. auch aus passendem Kevlar-Gewebe hergestellt werden. Dazu muss aber eine spezielle Webtechnik genutzt werden, da sonst die Kevlarfastern durch die eindringende Spitze auseinandergedrückt werden können. (Problem sehr preiswerter kugelsicherer Wesen – Schusswaffenresistent aber nicht Stichwaffenresistent)

        • Oh je, ich hoffe doch nicht, dass ich demnächst Schusswechsel im OP erleben muss 😉 Wobei… das Problem wären wahrscheinlich eher Florett-Fechtereien. Zum Glück auch sehr unwahrscheinlich 😀

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