Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Klimper Klimper

12 Kommentare

Chirurgen. Machos. „Richtige“ Männer. Hart im Nehmen, noch härter im Austeilen. Die wahren Macher. Halbgötter. Was sag ich – Götter! Titanen! Die einzig wahren Heiler der Medizin! Alle anderen tun ja bloß so und können nichts. Chirurgen – sie regieren die Welt und heilen Patienten. Sie sitzen nur zu Recht in der Nahrungskette ganz oben. Und weil sie so weit oben angesiedelt sind, die Nasen manchmal so hoch getragen werden, dass es beinahe von oben reinregnen kann und man deswegen sowieso viel cooler und toller ist als jeder andere Arzt, darf man sich auch sexistische Sprüche und Macho-Gehabe erlauben.

Und genau davon soll dieser Artikel handeln. Ein wenig Mimimi, ein wenig „so schaut’s aus“ und ein wenig „wie unfair“.

(c) be2.de

Als Frau hat man da bestimmt den ein oder anderen Vorteil, wenn man in eine Männerdomäne kommt – zumal als junge, gut aussehende Studentin in Mitten von älteren Chirurgen. Dieser Klimper-Klimper-Bonus, der dazu führt, dass die Gutaussehenden schneller mehr dürfen und beigebracht bekommen, zerrinnt dann aber wohl, wenn es um wichtige Funktionen geht und die Karriere entscheidend beeinflusst wird – denn da hilft das Aussehen nicht mehr, sondern kommt vielmehr ggf. negativ zu tragen im Sinne von „die hat sich ja nur hochgeschlafen, jemand der so aussieht hat bestimmt nichts auf dem Kasten…“. Und trotzdem, gerade vom Klimper-Klimper im Studentenstatus und die Reaktion der Ärzte soll es hier gehen:

Wir sind hier aktuell drei männliche und eine weibliche PJ’ler. Zugegeben, die PJ’lerin sieht nicht schlecht aus. Das denken viele – sogar der Chef der Chirurgie sprach es neulich im OP aus, als wir drei Männer operierten und  er plötzlich meinte, dass er sie natürlich nur „rein intellektuell“ für keine schlechte Partie halten würde. Hahaha – jedem war aus dem Verlauf des Gesprächs klar, was er wirklich meinte. Seit sie dabei ist, bemerke ich, dass die männlichen Oberärzte der Chirurgie immer wieder ihren Blick über sie wandern lassen, meist unauffällig, manchmal aber auch total auffällig. Musterung bei der Visite, Abscannen des Körpers von Kopf bis Fuß, immer wieder kurzes Hinblicken beim Mittagessen, Blicke auf das Dekoltée im weißen Poloshirt der Klinik….. Ein Oberarzt meinte in der Männer-OP-Umkleide, dass er es ja beinahe schade fände, dass sie in den anderen Saal ginge und ich zu ihm an den Tisch als Assistent käme – da habe er ja gar keine weiblichen Augen am Tisch und nichts Richtiges für die Optik beim Operieren. Gut, es war irgendwie ein Scherz, aber ab und an leicht sexistisch eingestellt sind die älteren Oberärzte in der Chirurgie trotzdem. In einer weitgehend männlichen Domäne kein Wunder, dass man sich irgendwann über jede weibliche Mitarbeiterin freut (zumal, wenn sie wirklich nicht schlecht aussieht).

Viel krasser als bei den Chirurgen und ihren heimlichen Musterungen ist mir die Differenzierung zwischen weiblich und männlich aber bei den Orthopäden aufgefallen. Sie sind allgemein nett (auch zu uns Jungs) – aber bei Frauen immer noch ein wenig mehr. Mehr Verständnis, mehr Rücksicht, weniger schroffer Umgangston, mehr, das man die Damen im OP machen lässt, mehr Vorschussbonus. Und ein paar Oberärzte machen keinen Hehl daraus, dass sie bei Frauen aufklaren und viel freundlicher rüberkommen. Ein Beispiel gefällig?

Sowohl der Kollege als auch ich haben in der Notaufnahme gearbeitet – beim gleichen Oberarzt Dr. Mutschler, der von Seiten der Orthopädie zuständig war. Mit uns wechselte er im Verlauf einer Woche bzw. eines Wochenendes keine fünf Wörter, warf irgendwelche Stichwörter hin oder diktiere irgendwas, das in den Brief musste. Und den Rest schwieg er, war extrem wortkarg und herablassend. Bis ich dann plötzlich die Woche drauf mit der Kollegin auf die Notaufnahme kam und aushelfen wollte – und Dr. Mutschler dort erneut den Oberarztdienst abdeckte. Kaum sah er sie, da zog er sie an einen Monitor, auf dem gerade ein Röntgenbild der Schulter gezeigt war und begann ein zwanzigminütiges Teaching mit ihr. Derweil machten wir zwei männlichen PJ’ler die Notaufnahme und Patientenuntersuchung/-versorgung weiter – und wunderten uns sehr. Mit nur einem Blickwechsel wusste der jeweils andere, was wir gerade dachten. Was geht hier denn ab?
Zugegeben, Dr. Mutschler fragte die Kollegin Basics ab und erklärte ihr nur wenig, was wir orthopädisch angetouchten und interessierten Männer nicht fast schon selbst gewusst hätten. Und irgendwie kam es auch so rüber, als wolle der Oberarzt sich nur (fast wie ein Pfau, der sein Rad zeigt) vor der Kollegin profilieren und ihr zeigen, wie toll er ist und was er alles weiß. Aber allein schon die Bereitschaft mehr als nur 3 Wörter zu wechseln….

Dass dies kein Einzelvorfall war, zeigte sich im weiteren Verlauf immer wieder. Insgesamt fanden die weiblichen Assistenzärztinnen Dr. Mutschler netter als die Männer, mit denen er arbeitete. Zu den Frauen war er immer nett, aufgeschlossen und machte Teaching (sozusagen Schwanzvergleich durch „schau her, wie viel ich weiß und wie toll ich bin“). Bei den männlichen Kollegen dagegen trat er immer wortkarg, knapp angehalten und leicht genervt auf.

Ein anderes Mal steigen die Kollegin und ich aus dem Aufzug, Oberarzt Mutschler kommt uns entgegen. Ich laufe vorweg, er grüßt nur mit einem fast unmerklichen Nick, sieht dann die Kollegin hinter mir, grinst und grüßt freundlich. Tja, douh.

Es ist mir eigentlich egal, wenn Männer meinen gegenüber Frauen anders drauf sein zu müssen. Ich verstehe es, wenn manchmal Machogehabe im OP herausgehängt wird. Der ein oder andere sexistische Witz muss erlaubt sein – das ist eben der Charakter dieser Spezies. Und ja, manchmal sind die Witze lustig und manch OP-Schwester stimmt da gerne mit ins bunte Treiben am Tisch. Auch bei Frauen gibt es solche, die mit Frauen nicht arbeiten können, aber gleichzeitig mit den männlichen Kollegen ein Herz und eine Seele sind.

Was mich aber ehrlich stört, ist, wenn man den Umgang im klinischen Alltag so raushängen muss und so deutliche Unterschiede zwischen den Studenten zu machen. Wir wollen vielleicht alle etwas lernen – wir Orthopädie-interessierten Männer definitiv noch mehr als unsere Kollegin. Hier läge Potential, hier liegt die Zukunft, wenn wir dann mal in seiner Fachrichtung tätig werden und ihn ersetzen/ablösen. Hier wäre der richtige Nährboden für Prahlerei, denn wir würden ihn anhimmeln, wenn er uns nur ein wenig von seinem schier „unendlichen“ Wissen, das er ja anscheinend zu haben scheint, abgeben könnte. Kein Wunder also, dass dieser Oberarzt bei uns männlichen PJ’lern irgendwie kein gutes Ansehen hat. Wir haben ihm nichts getan und über Teaching (selbst, wenn er sich dabei nur selbst darstellen möchte) würden wir uns immer freuen!

Und was erfahre ich eine Woche später? Dr. Mutschler wechselt demnächst die Klinik…. und wird gleichzeitig mit mir an der gleichen Klinik beginnen, an die ich wechseln werde. Also habe ich noch mindestens 15 Wochen die Möglichkeit sein Wohlwollen zu erarbeiten. Oder ihn und seine Masche zu ertragen.

Orthopaedix

Advertisements

Autor: Orthopaedix

bones and pain

12 Kommentare zu “Klimper Klimper

  1. Sicher, dass du hier Namen nennen willst? 😮

    • keine Sorge, Namen sind hier Schall und Rauch und kein Name entspricht in irgendeiner Weise der Realität oder ähnelt dem wahren Namen 🙂 Alle Namen sind frei erfunden, die Beschreibungen der Personen fiktiv und angepasst 🙂

      • tja dann tipp das mal in Google ein und du wirst ne Überraschung erleben… 😉

        • natürlich existieren Ärzte mit dem Nachnamen! Aber keiner der bei Google gelisteten hat was mit dem hier erwähnten zu tun, weil dieser Name in diesem Zusammenhang und für meine Klinik nur meiner Phantasie entspringt. Das ist, also ob jemand Meier heißt und ich ihn hier Müller nenne 😉

          Wie schon im Disclaimer genannt, sind alle Personen hier frei erfunden und ohne Bezug zu einer realen Person.

  2. Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich höre, dass sich ein Mann über Benachteiligung beschwert. Eigentlich ist es doch immer andersherum….die typische Geschichte: Der Famulant und die Oberärztin gehen gemeinsam auf Visite, Der Patient ignoriert die Ärztin jedoch völlig und redet nur mit dem Famulanten. Als die Oberärztin den Patienten anspricht, fährt dieser sie an „Schwester, seien Sie ruhig, ich rede gerade mit dem Herrn Doktor!“

    • klar, dieses klassische: die Oberärztin wird als Schwester gesehen und der Famulant als Arzt existiert natürlich auch, aber da kann man dezent darauf hinweisen, wer hier der Chef im Ring ist. Aber bei einer solchen (überspitz formuliert) Bevorzugung kann man(n !) sich nicht einfach wehren – wenn der Oberarzt dem Mann kein Teaching geben will/gibt, weil er da sein Pfauenrad nicht präsentieren kann, dann hast du Pech. Fertig 😉

      • In diesem Fall empfehle ich:
        1) gebrauchte Perrücke bei ih-bäh kaufen (nach Aschermittwoch gibs die billiger)
        2) Kokosnuss essen (beim Öffnen diese genau in der Mitte spalten)
        3) die eigene Vorliebe für Make-Up und Lipgloss entdecken
        4) karierten Wickelrock kaufen (nennt sich auch „Kilt“)
        Und dann abwarten, wie Herr Oberazt mit seinem Pfauenrad reagiert… 😀

  3. Finde ich unprofessionell, dass der Oberarzt euch links liegen lässt und all seine Bemühungen auf ein attraktives Gegenüber des anderen Geschlechts konzentriert. Dieses Balzverhalten hat an dieser Stelle nichts verloren. Der dadurch verständlicherweise hervorgerufene Unmut wird teilweise sicher auch unbewusst auf die jeweilige Studentin als Günstling zurückfallen. Keine angenehme Situation für die vernachlässigten männlichen Studenten + die unattraktiven Studentinnen und die auserkorene Studentin. Seine Hormone bzw. Gefühle sollte man doch soweit unter Kontrolle haben, dass man gegenüber allen Untergebenen ein fairer Vorgesetzter ist.

  4. Pingback: weibliche Bevorzugung | LifeReport

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s