Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche XIV: Quetiapin

15 Kommentare

Quetiapin
Seroquel

Anwendungsgebiet

Quetiapin wird zur Behandlung von psychischen Störungen, insbesondere bei bipolaren Störungen mit manischen und depressiven Episoden und schizophrenen Störungen, eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der atypischen Neuroleptika (wie z.B. auch Clozapin, Olanzanpin, Risperidon, …).

Wirkung & Mechanismus

Quetiapin wirkt auf mehrere Nervenrezeptoren, die durch den Wirkstoff blockiert werden. Diese Rezeptoren sind Rezeptoren für die Botenstoffe Serotonin, Dopamin  aber auch Noradrenalin und Histamin. Durch die Blockade der Rezeptoren wird die Konzentration der Botenstoffe zwischen den Nerven erhöht bzw. deren hemmender Effekt auf Nervenzellen verhindert.

Man hat herausgefunden, dass viele psychische Störungen mit einem veränderten Haushalt an Botenstoffen einhergehen (oder hervorgerufen werden) und beeinflusst damit mit diesen sog. Neuroleptika gezielt deren Konzentrationen, um sie auf ein normales Niveau zu bekommen und deren Einfluss gezielt zu regeln, um Krankheitssymptome zu kontrollieren. So werden durch Veränderung in der Dopamin-Freisetzung u.a. kognitive (Gedächtnis) und affektive (Gefühl) Symptome der Schizophrenie sowie Ängste und Depressionen erklärt.

Quetiapin wird im Körper in aktive Moleküle umgebaut, die wiederum verschiedene Rezeptoren und Zelltransporter an den Nervenzellen beeinflussen. Einer davon beeinflusst die Histamin-Rezeptoren und blockiert diese – hierdurch erklärt sich die als Nebenwirkung des Wirkstoffes eventuell auftretende Schläfrigkeit tagsüber sowie eine Besserung des gestörten Schlaf-Nachtrhythmus.

Nebenwirkungen

Durch die Beeinflussung der Botenstoffe entsteht eine breite Palette an möglichen Nebenwirkungen. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Benommenheit, Schwindel, Schläfrigkeit (siehe Wirkung an Histamin-Rezeptoren), Kopfschmerzen und Gewichtszunahme insbesondere in der ersten Behandlungswoche. Ebenfalls treten vermehrte Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (sog. „Ödeme“, dicke Beine), erhöhter Puls, niedriger Blutdruck vor allem beim Aufstehen und Stehen (kurzzeitig Schwarz vor den Augen beim Aufstehen), Verstopfung und Mundtrockenheit auf. Im Blut kann Quetiapin eine reversible Verringerung der Anzahl weißer Blutkörperchen und eine veränderte Leberfunktion erzeugen, da es über die Leber abgebaut wird und deren Zellen beeinflussen kann.

Bei allen Stoffen der sog. Neuroleptika-Gruppe kann es sehr selten zu einem malignen neuroleptischen Syndrom kommen, das eine lebensbedrohliche Komplikation darstellt und in der Psychiatrie gefürchtet ist. Symptome sind extreme Muskelsteife, Zittern, Bewegungslosigkeit,  Blickkrämpfe, sehr hohes Fieber, schneller Puls und hoher Blutdruck, Inkontinenz, Verwirrtheit, Koma und eine Übersäuerung des Körpers.

Gegenanzeigen

Seroquel ist kontraindiziert bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit auf einen der Inhaltsstoffe und während der Stillzeit. Die gleichzeitige Anwendung HIV-Medikamenten, bestimmten Anti-Pilzmedikamenten, ausgewählten Antibiotika ist kontraindiziert. Ebenso wird die Wirkung durch den gleichzeitigen Genuss von Grapefruitsaft verändert (da beide die gleichen Enzyme in der Leber beeinflussen).

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Gewünscht von Melinda. Habt ihr Arzneimittel, die wir euch erklären sollen? Dann her damit über die Kommentarfunktion, per Kontaktformular oder Twitter @arztanbord (gerne auch mal ein weniger psychiatrisches Medikament aus dem üblichen Alltagsgebrauch? 🙂 )

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

15 Kommentare zu “Arzneimittel der Woche XIV: Quetiapin

  1. Wie wäre es mit Cortison? Hattet ihr noch nicht oder? Ich habe gerade den Überblick etwas verloren…
    Oder Cetirizin…

    • hey, danke für deine anregung. Schau mal: Cortison hatten wir mal 😉 aber cetirizin steht auf der Liste – vielleicht das nächste Mal? 🙂

      • Ich hatte mir extra nochmal die Rubrik angeschaut, was ihr schon hattet, dann hab ich das Cortison wohl doch übersehen… Naja, ich hatte ja schon Befürchtungen, dass dem so ist, war aber einfach zu faul nochmal nachzuschauen… 😉

  2. Da ich mich derzeit mit Zytostatika beschäftige hätte ich auch noch den einen oder anderen Wunsch:
    Endoxan, Alexan, Natulan, Leukeran, MTX und (oder) Asparaginase?
    Vor allem gerne u. a. die Verstoffwechselung und wann zu erwartender Tiefpunkt der Leukos.
    Und wenn jemand jemanden kennen würde, der mir auch noch sagen könnte, womit ich den bitteren Geschmack einiger dieser Mittel überdecken könnte?
    Die Fachinformationen geben einfach zu wenig her. :-/

    • Meinst du den bitteren Geschmack, den man durch die Medi-Einnahme dauerhaft im Mund hat?
      Wenn ja, probier mal Ananas-Saft.

      • Danke für Deine Anregung; nur umsetzen kann ich es so nicht.
        Ich muss die Mittel selbst irgendwie weniger bitter hinbekommen.
        Eines meiner Pflegetiere bekommt derzeit eine Chemo und da sind mindestens zwei Medis dabei, die furchtbar bitter sind. Auch, weil es sich um ein Tier handelt ist Ananasssaft leider keine Alternative.
        Leider ist es nicht möglich Kapseln zu verabreichen, die Medis müssen aufgrund der Dosierung in Flüssigkeit gelöst in den Rachen gegeben werden. Eine unangenehme Prozedur fürs Tier, wenn es so sehr bitter ist, weshalb ich das gerne möglichst maskieren möchte.
        Über nachträglich auftretende Bitterkeit im Mund kann sie sich leider nicht äußern, scheint aber nicht unter solch einer Wirkung zu leiden, ihr Appetit ist i. d. R. sehr gut.

        • Um was für ein Tier handelt es sich denn?
          und wieviel Flüssigkeit wäre das, die man maskieren müsste?

          • Es geht hier um eine Frettchen-Fähe.
            Die Medis gibt es meist auf 1 – 1,5 ml angemischt.
            Eine ganze Menge für solch ein kleines Tier und in etwa von der Menge her vergleichbar mit einem Wasserglas für Menschen.

    • danke für deine Vorschläge, ich nehme mal MTX in die Liste auf, das ist das klassischste davon 😉 Zu den bitteren Geschmacksstörungen kann ich leider aktuell nicht viel empfehlen, dazu fehlt mir die Erfahrung und Praxis… aber vllt findet sich ja ein Leidensgenosse hier.

      • Wie ich Kerstin oben geantwortet habe geht es um den Eigengeschmack der Medikamente, die nicht als Fertigpräparat verabreicht werden können.
        Haferschleim, steht zumindest in der Fachinfo zum Natulan, aber ob das ausreicht..? Allzu viele Versuche habe ich leider nicht, da die kleine schnell völlig verweigern wird. Ich hoffe auf ein Geschmackskorrigens, das wirksam genug ist.
        Auf jeden Fall den hier antwortenden ganz lieben Dank! 🙂

  3. hm, oben kann ich nimmer antworten, also hier…

    Frettchen also – probier mal, das Zeugs in Katzen-/Hundefutter zu mischen, ob dein Frettchen das dann frisst. So haben unsere ihre Medis früher immer anstandslos gefressen, egal ob Tabletten, Pulver oder Tropfen.
    Oder sonst in diese Katzen-Multivitaminpaste. Oder Lebertzran bzw Frettchen Haut- und Fellöl – oft kriegt man die damit gut getäuscht
    Ansonsten blibt nämlich wirklich nur mit der Spritze direkt unter Zwang eingeben.

  4. Die üblichen Dinge haben wir bereits durch, damit bekommen wir nicht einmal Metronidazol in Toffee rein. Beim Endoxan scheint es noch bitterer zu sein, nicht einmal ihr heißgeliebtes Lachsöl konnte da etwas ausrichten.
    Andere Medis sind i. d. R. kein Problem und werden gut mit Paste, Öl, Eigelb oder Katzenpudding genommen.
    Zwang wird dann wohl das Mittel der Wahl bleiben, wenn nicht noch die Erleuchtung über mich kommt.
    Danke, Kerstin! 🙂

  5. da haben wir aber eine Diskussion losgetreten…. aber über die Therapie bei Tieren hätte ich gar nichts schreiben können – da hätten wir mal nen gastartikel eines Tiermediziners gebraucht 😉

    • Hast Recht. Sorry.
      Nur, da wo das Hilfsbedürfnis steigt gerät die Höflichkeit ins Hintertreffen. Entschuldige deshalb, wenn ich den Beitrag hier mit meinen Problemen zuspamme. 😦
      Abgesehen davon: Wenn Tiere zu Versuchszwecken den Menschen als ähnlich genug angesehen werden, müssen wir sie auch aus therapeutischer Sicht so behandeln, finde ich.
      Deine Erkenntnis des Unterschiedes münze ich aber auf die Einsicht, dass Tiere eben keine Menschen sind. Und diese eben nicht ersetzen können. 😉
      Beiträge von Tiermedizinern in dieser Form würde ich mir wünschen, sie scheinen allerdings anderweitig beschäftigt zu sein.

      • ich kann dir leider aktuell auch gar kein blog für tiermedizin empfehlen….. mhhh…. aber vllt nehme ich trotzdem MTX mal als Arzneimittel der Woche auf – ist ja auch für Menschen interessant, die das benötigen 🙂

        Ich fand euer Gespräch trotz allem sehr interessant und habe gerne mitgelesen, vllt wirds den ein oder anderen Leser interessieren und er wird hier noch seinen Kommentar beisteuern können zu deinem Problem!? 🙂

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