Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Im Dunkeln ist gut Munkeln – oder: Die Wunder der Technik

5 Kommentare

Alle sind bereit. Die Anästhesistin hat es sich auf ihrem Stuhl bequem gemacht, die OP-Schwester hat die Instrumente gerichtet, Oberarzt und Assistenzärztin sind steril, der Monitor für die Bauchspiegelung ist zurecht gerückt und die Patientin hat süße Träume. Wenn da nur nicht das Problem mit der OP-Türe wäre: Kaum schließt man sie, öffnet sie sich von alleine wieder. Die Technik ist informiert, doch da unser Saal leider keine Auskunft geben konnte, warum genau sich die Türe wieder öffnet, müssen wir vermutlich noch eine Weile auf Hilfe warten. Daher wird mit vereinten Kräften die Tür gebändigt und provisorisch von innen mit einem Rollbrett verkeilt. Die OP kann beginnen.

Nach zwei Stunden entscheidet die zweite OP-Tür, sich ihrer Partnerin anzuschließen, und öffnet sich wie von Geisterhand mehrmals hintereinander. Der Oberarzt beschließt diese Türrevolte geflissentlich zu ignorieren und siehe da, nach sechsmal Öffnen hat der Spuk von selbst ein Ende.

Die OP nimmt ihren Lauf, bis der Chirurg irgendwann in den Raum wirft „Wie viel Grad hat es hier eigentlich?“ Ein Blick auf das Thermometer bestätigt seine Befürchtung,  im OP-Saal hat es, aus welchem Grund auch immer, 6 Grad mehr als normalerweise. Ich freue mich, mir ist sowieso immer zu kalt im OP, wenn ich nicht steril am Tisch bin – aber die beiden Operateure müssen nun schwitzen.

Als ob das nicht genug technische Probleme für eine Operation wären, beginnt das Deckenlicht plötzlich zu flackern. Da der Operateur für die OP nur den Bildschirm benötigt ist der Plan simpel: Das Deckenlicht wird ausgeschaltet und die OP-Lampe soll dem Raum die nötige Helligkeit verleihen. Simpel, aber trotzdem nicht störungsfrei, denn auch die OP-Lampe funktioniert nicht. So wird, bis der Techniker kommt, in gemütlicher Dunkelheit weiteroperiert, während die Anästhesistin ihre Medikamente nun mit dem Licht ihres Handys aus den Schubladen suchen muss.

Unter diesen Umständen kann  man sich leicht einreden, dass draußen das Inferno tobt, Krieg, der Weltuntergang – während wir mutig hinter verrammelten Türen bei Hitze und in Dunkelheit um das Leben der Patientin kämpfen. Zwar ist draußen ein sonniger Tag und die Patientin erhält einen Magenbypass, also eine OP zur Gewichtsreduktion, aber man wird ja noch träumen dürfen.

Ann Arbor

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Autor: Ann Arbor

"We're all stories in the end...just make it a good one! Because it was, you know, it was the best!" Doctor Who

5 Kommentare zu “Im Dunkeln ist gut Munkeln – oder: Die Wunder der Technik

  1. Ganz schön gruselig^^
    Schon komisch, dass die ganze Technik im Saal auf einmal angefangen hat verrückt zu spielen, da kann man ja schon fast an was Übernatürliches denken xD

  2. Mensch als Elektroniker bin ich jetzt aber ziemlich Blass geworden.

    Eine mögliche Ursache wäre ein Wackelkontakt.
    Wackelkontakte können so was auslösen
    http://feuerwehr-konstanz.schutzbach.com/690
    Dann ist es eine ganz schlechte Idee einen der möglichen Fluchtwege zu verbarrikadieren oder auch nur zu erschweren.

    Eine andere Möglichkeit sind Spannungsschwankungen auf der Stromversorgung. Sind die Spannungsschwankungen schlimm genug fällt jedes elektrische Gerät aus.

    Auf alle Fälle ein sehr guten Grund einen nicht Notoperation abzubrechen.

    Ps: Ich tippe auf ein Problem mit der Notstromversorgung des OP Saals, die die Spannungsschwankungen verursacht hat.

  3. wieso muss die tuer zum op denn zu sein? ich kenn das bei uns, dass die sperrangelweit offen steht ^^

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