Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Die Notaufnahmen-Schmonzette – Akt II

9 Kommentare

Die Pause ist vorbei, weiter geht es mit dem Zweiten Akt. Wer den ersten verpasst oder vergessen hat, kann ihn schnell noch hier nachlesen. Vorhang auf!

Zweiter Akt.

Aufzug I – erste Suche nach dem Assistenzarzt

Unser PJ’ler sucht sich seinen diensthabenden Assistenzarzt, dem er seine frische Beute aus Kabine 3 vorstellen kann. Dauert aber noch ein wenig, denn der Assistenzarzt ist selbst gerade mit unglaublich wichtigen Dingen wie Rauchen, Flirten mit der Pflege, Telefonieren & Organisieren, Essen, Trinken (völlig überbewertet), Rücksprache mit dem Oberarzt, Patienten untersuchen, Lebenretten beschäftigt. Aber danach, da hat er dann ein offenes Ohr für den PJ’ler. Ganz sicher. Wenn nichts von höherer Dringlichkeit dazwischen kommt.

Aufzug II – der erste Rapport

Inzwischen hat es unser Student geschafft und ein offenes und interessiertes Ohr beim Assistenzarzt ergattert. Fröhlich stellt er Frau Isnogut und ihre Probleme sowie Symptome vor und vergisst nicht zu betonen, wie ungehalten die Patientin ob ihrer 30minütigen Wartezeit war. Schulterzucken bei beiden. Nun gemeinsamer Gang zu Kabine 3, um Frau Isnogut anzusehen.

Aufzug III – erster Auftritt Weißkittelgespann

Gemeinsamer Auftritt Assistenzarzt und PJ-Student. Der Assistenzarzt übernimmt die Führung und beginnt das Gespräch mit Frau Isnogut. Diese, nun sogar mit zwei Weißkitteln konfrontiert, muss zunächst ihr Leid klagen und sich daraufhin über die Wartezeit und „unmögliche Behandlung hier durch die Pflege und unverschämten Damen an der Anmeldung, die ihre Probleme gar nicht ernst nehmen würden“ beschweren. Daraufhin kann sie die Fragen des Assistenzarztes beantworten, der, gebrieft durch seinen Studenten, nur noch gezielt nachbohrt bzw. die vom Studenten unerfragten (weil vergessenen) Details abarbeiten muss. „Wie war das… und warum das… Hatten Sie da schon… Ah ja, hab ich das dann richtig verstanden, dass…. Aber damals, da…. Und nun eher so?…. Also zusammengefasst….“. Die Antworten decken sich erfahrungsgemäß nie mit denjenigen, die der Student erhalten hat, der sich aber im Hintergrund hält und ein paar Blickwechsel mit dem Assistenzarzt wechselt, sodass beide wissen, dass es in den letzten Minuten ein Update der geschilderten Symptome gegeben haben muss. Änderung in der Matrix?!

Dann: Übergang zur zweiten klinischen Untersuchung.  Nun ists es am Assistenzarzt mal hier, mal da zu drücken, dort abzuhören oder das und jenes zu bewegen und zu ertasten. Und siehe da: plötzlich tut es Frau Isnogut überall weh. Egal, wo sie angefasst wird. Scheinbar hat sich der Schmerz in den letzten 10min Wartezeit exponentiell ausgedehnt – universumsgleich. Überall tut es nun weh. Und überhaupt, warum muss denn der Assistenzarzt jetzt erneut auf ihr rumdrücken? Die Untersuchung wird nach nachhaltiger Ermahnung man handle schließlich nur für ihr Wohlbefinden ertragen. Erste Blickdiagnose: „Morbus Mediterraneum“ Erster Abgang des Weißkittelgespanns.

Aufzug IV – zweiter Auftritt Weißkittelgespann

Erneuter Auftritt beider Kittelträger. Nun mit dabei: das Ultraschallgerät aus dem Schockraum. Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches ist bestimmt sinnvoll – und siehe da,  plötzlich keine Schmerzen mehr bei Druck auf den Bauch. Restschmerzen rechter oberer Bauch (wie zuvor vom Studenten diagnostiziert). Hier unauffälliger Ultraschallbefund. Deswegen Anordnung einer Blutabnahme und Frau Isnogut wird instruiert, dass man nun auf den Oberarzt warten würde und dann über das weitere Vorgehen entscheide.

Abgang zweier Kittelträger, eines Ultraschallgerätes und Zurückbleiben von Frau Isnogut, die sich das Ultraschall-Gel abwischen darf. Das überbrückt ein wenig Wartezeit auf den Oberarzt.

Aufzug V – der zweite Rapport

Der Assistenzarzt informiert im Folgenden seinen Oberarzt über Frau Isnogut in Kabine 3. Dazu wird der diensthabende Oberarzt angerufen – auf dem Haustelefon erfolglos, aber auf dem privaten Handy erfolgreich. Ein Glück steht er noch nicht 3 Stunden im OP und lässt Frau Isnogut und das weiße Personal so lange alleine mit ihr warten. Schilderung der Befunde und der Vorgeschichte. Der Oberarzt verspricht sofort vorbeizukommen, es dauere nur noch ein paar Minuten, bis er die aktuelle Korrekturarbeit alter Arztbriefe fertig habe.

Aufzug VII – Blutabnahme

Derweil macht Frau Isnogut Bekanntschaft mit der Pflegekraft, die die Anordnung zur Blutabnahme umsetzen muss möchte. Skeptische Blicke von Seiten Frau Isnoguts.Warum das denn kein Arzt übernehme, sie sei doch kein Versuchskaninchen. Ob die Pflege dazu überhaupt qualifiziert sei? Da könnte ja jeder kommen. Mit dem dicken Fell (richtiges Pelzgetier, was da als Pflege in der Notaufnahme rumrennen muss) ist es eine Leichtigkeit die Abneigung von Frau Isnogut zu ertragen und trotzdem gekonnt das benötigte Blut abzuzapfen.

Aufzug VIII – zweite Suche nach dem Assistenzarzt

Der Student füllt gleichzeitig den Laborzettel aus und kreuzt die benötigten Labormarker an. Und sucht für die benötigte Unterschrift unter dem Laborzettel erneut seinen Assistenzarzt. Dieser segnet ohne groß hinzublicken die Wünsche des PJ’lers ab und damit wandert das Blut in Richtung Labor.

Aufzug VII – Auftritt Oberarzt, der dritte Rapport 

Auftritt des Oberarztes, der zunächst mit der Pflege scherzelt und sich dann die Geschichte von Frau Isnogut ein weiteres Mal erzählen lässt. Nach der Übergabe erfolgt die Formation des festlichen Weißkittelzuges in Richtung Untersuchungskabine 3. Vorweg der Oberarzt, gefolgt vom Assistenzarzt, dahinter der Student mit seinem Klemmbrett.

Frau Isnogut zunehmend beeindruckt von der weißen Meute, die nach und nach ihre Kabine entert. Nun ist es am Oberarzt die gleichen Fragen wie seine beiden Vorgänger zu stellen und die dritte Variation der Antworten zu erhalten. Auch er drückt hier und da und nun scheinen die Schmerzen wieder auf ein Minimum zurückgeschrumpft zu sein. Huch? Spontanheilung? Gutes Karma des Oberarztes? Hierarchie-Heilung? Naja, hier und da zwickt es noch und da drückt es und wenn er so genau nachfrägt und drückt… ja, da tut es weh.

Der Entschluss des Oberarztes einer Computertomographie im ausgewählten Abschnitt zu erstellen wird umgehend vom Student ausgeführt, der den Röntgenschein vorsorglich schon mit in die Kabine genommen hatte und nun fleißig ausfüllt. „Ein paar Minuten noch Frau Isnogut, dann machen wir die Aufnahmen und dann sehen wir weiter.

Abgang Oberarzt, Assistenzarzt, Student. Es tritt auf: die Pflegekraft, die Frau Isnogut nun mit verzücktem Lächeln aufgrund des hübschen Oberarztes in die Radiologie bringt und dort das CT machen lässt.

Ende Zweiter Akt.

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

9 Kommentare zu “Die Notaufnahmen-Schmonzette – Akt II

  1. Großes Kopfkino, äh Theater. Ich habe auch mal ewig (gefühlt) in der Notaufnahme gelegen, und mir ging es wirklich unerträglich schlecht. Das dann auch noch Frau Isnogut den Laden aufhällt, daran habe ich nicht gedacht. Es ist gut, dass ihr hier über solche Sachen mal schreibt.

    • als Patient bekommst du das gar nicht mit, wie viele Bälle die Ärzte gleichzeitig jonglieren müssen, um den Betrieb am laufen zu halten und gleichzeitig jeden best- und schnellstmöglich zu versorgen.

      Es freut mich und uns natürlich sehr, wenn ihr durch unsere Beiträge einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewinnen könnt und nächstes Mal weniger wundert, warum ihr 2 Stunden auf einen Arzt warten musstet.

  2. Da wird ja das ganz große Kino durchgezogen, nicht nur seitens Frau Isnogut… ist das das das „Nervige Privatpatienten Spezial“ oder sieht so oder so ähnlich das Standard-Vorgehen bei solchen Beschwerden aus?

    • Eigentlich ist das das normale Vorgehen bei jedem Patienten (der nicht gerade „nur“ ne Platzwunde hat, die genäht wird und gut ist). Also nicht nur bei Privatpatienten 😉

      • Interessant, danke für die Antwort! Dann ahne ich, was mich erwartet, wenn es mich irgendwann doch mit meinem „äh, irgendwie tut es überall weh, mal mehr mal weniger, seit wann? Naja, so 6 bis 8… Monate…“ in die Notaufnahme verschlägt 😉

        • du wirst mit DIESER Anamnese garantiert umgehend der Lieblingspatient der gesamten Klinik. Am besten kommst du nachts um 2.30Uhr, da haben sie dann wenigstens Zeit und kümmern sich rührend um dich. :p

          • Klar, wann denn auch sonst? Muss doch wenn dann allen Beteiligten so richtig Spaß machen 😀 Ich kann aber noch besser: Wenn ich dann noch die Depression verschweige, aber die Unnötigkeit von Bluttests („ich weiß, dass ihr da eh nix findet!“), die schon gemachten Spiegelungen („äh, nö, hat nix ergeben!“) und die vielen, vielen Medi-Unverträglichkeiten erwähne und mich von Arzt Nr. 3 schon gar nicht mehr anfassen lassen will („fragen Sie doch ihre Kollegen!“)… ja, dann haben die mich bestimmt erst richtig lieb 😉 Wie gut, dass ich mich doch lieber im Bett verkrieche und meinen Hausarzt nerve (und der das immer noch mitmacht statt mich zum Problem der örtlichen Uniklinik zu erklären).

          • aber die aerzte und schwestern sind doch da eh da.. 😀

  3. Einfach nur köstlich, zumindest wenn man sich gerade nicht mit solchen Leuten rumschlagen muss.
    Ich hatte als Patient bis jetzt aber echt Glück, die maximale Wartezeit lag so bei ca. 30 Minuten.

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