Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Die Notaufnahmen-Schmonzette – Akt I

8 Kommentare

Die Notaufnahmen-Schmonzette

Ein Schauspiel in 3 Akten und unzählig vielen Aufzügen.

Personen:
Frau Isnogut
ein Student (PJ’ler)
ein Assistenzarzt
ein Oberarzt
eine (weibliche) Pflegekraft
Dazu je nach Budget des Hauses diverses zusätzliches Klinikpersonal, Patienten und Angehörige.

Der Vorhang hebt sich, wir fliegen in die Notaufnahme und sind mitten im regulären Betrieb. Es herrscht hektische Betriebsamkeit an diesem kalten Wintertag.

Erster Akt.

Aufzug I – Aufnahme

Auftritt der Patientin Frau Isnogut von links. Die Patientin betritt die Klinik durch den Eingang zur Notaufnahme. Sie erblickt die Anmeldung, eilt stürmisch darauf zu und verlangt umgehend und sofort behandelt zu werden. Immerhin habe sie seit 4 Tagen Bauchschmerzen. Das sei ja wohl ein akuter Notfall, der nach umgehender  ärztlicher Hilfe schreie.

Von der Aufnahme-Dame, die im Lauf von mindestens 30 Jahren Aufnahme-Dienst ein unendlich dickes Fell entwickelt hat, wird Frau Isnogut zunächst ins Wartezimmer verortet.

Aufzug II –  Triageerster Auftritt Pflegekraft

Frau Isnogut wird aufgerufen. Sie stürmt ins sog. Triage-Zimmer, in dem die Patienten  nach Dringlichkeit sortiert werden, damit in Stoßzeiten zunächst diejenigen versorgt werden können, bei denen es um Leben und Tod geht und danach diejenigen, die ein wenig warten können und am Ende dann solche, die aufgrund freier zeitlicher Kapazitäten und örtlicher Glücksgriffe („ich war halt grade in der Nähe und hatte Zeit„) noch ein wenig warten dürfen können.

Sie müsse nun aber wirklich sofort und umgehend behandelt werden, das sei ja nicht mehr auszuhalten mit den Schmerzen und 10 Minuten Wartezeit seien eine Frechheit für so schwer erkrankte Patienten wie sie es sei. Außerdem sei sie Privatpatientin und verlange umgehend nach dem Chef dieser Klinik.

Die triagierende Pflegekraft, ebenfalls mit ungezählten Patienten in ihrer langjährigen Karriere konfrontiert, ordnet Frau Isnogut einen mittleren Triage-Punktewert zu und entlässt sie zurück ins Wartezimmer.

Aufzug III – Zeder und Mordio

Frau Isnogut sitzt zunehmend aggressiver und gereizter im Wartezimmer und macht mit ihrer hyperaktiven Art nach und nach auch die anderen Patienten verrückt, die sich auf eine Wartezeit in der Notaufnahme eingestellt haben, weil sie wissen, dass nicht jeder sofort und umgehend behandelt werden kann, wenn Notfälle eingeliefert werden oder nur ein Arzt für  10 wartende Patienten zuständig ist, der selbst auf seinen Oberarzt warten muss, der ihm die Patienten absegnet.

(hat jemand gemerkt, dass dieser Abschnitt nur einen einzigen Satz samt Nebensätze beinhaltete?!)

Aufzug IV – Aufruf in die heiligen Kabinen

Frau Isnogut wird aufgerufen. Sie darf in Kabine 3 Platz nehmen. Die Schwester versorgt sie mit einem modischen Flügelhemdchen, misst Temperatur, Blutdruck und Puls. Alles soweit normal. Aber noch immer keiner dieser unmöglichen Weißkittel in Sicht, die wohl heimtückisch vorhaben, die arme Frau Isnogut in ihren Schmerzen und ihrem Leid zugrunde gehen zu lassen. Verschwörung! So kann das doch nicht gehen! Das wird eine Klage beim Chef nach sich ziehen.

Abgang der Pflegekraft, die sich die Klage von Frau Isnogut anhören musste, aber dank unzähliger…. ihr wisst Bescheid.

Aufzug V – erster Auftritt PJ’ler

Der PJ-Student tritt erstmalig auf. Bewaffnet mit einem Klemmbrett, einem blau eingefärbten Aufnahme-Bogen und einem gezückten Kugelschreiber. Es kann los gehen. Vorstellung bei Frau Isnogut, die den ersten Weißkittel, der ihr ins Blickfeld gerät, ungeduldig empfängt und sogleich ihre Geschichte loswerden möchte. Und dass das alles eine Unverschämtheit sei so lange Patienten warten zu lassen… gerade sie als Privatpatientin habe ein Recht auf…. Der Student entschuldigt sich, versucht (erfolglos) zu erklären, dass alle ihr Bestes tun, um die Patienten rasch und zufriedenstellend zu versorgen und schwenkt dann mit der Frage „was führt Sie denn zu uns“ in den Pflichtteil über.
Anamnese. „Was? Wann? Wie? Wo? Warum? Schlechter, besser? Vorerkrankung? OPs? Allergie? Medikamente? Letzte Mahlzeit? Stuhlgang, Wasserlassen?„.
Es folgt die klinische Untersuchung! Hier drücken, da abhorchen, dort klopfen, „Tut es hier weh?“ – „und so?“ – „oder doch eher hier?“ – „atmen Sie mal tief ein“ – „geht das so?“ – „drücken Sie mal meine Hand“ – „irgendwo etwas taub oder so?„. Frau Isnogut gibt Schmerzen im rechten oberen Bauch an, ausstrahlend an der rechten Flanke, ein wenig Klopfschmerz unter den rechten Rippen.

Damit hat der PJ’ler vorerst genug Informationen, um sich wieder unter die Augen des Diensthabenden zu trauen. Das weitere Vorgehen wird möglichst unscharf gegenüber Frau Isnogut umrissen: „schauen wir mal, ich stelle Ihren Fall dem Kollegen vor, dann werden wir wohl noch Diagnostik, vielleicht ein Ultraschall und Blutabnahme machen und dann geht es Schritt für Schritt weiter“. 

Abgang Student. Es bleibt zurück: eine inzwischen seeliger dreinblickende Frau Isnogut. Hands-on ist das Zauberwort.

Ende Erster Akt.

Weiter geht es nach einer kurzen Pause, Sekt und Orangensaft finden Sie im Foyer. Oder im Gipsraum. Nur bitte vergreifen Sie sich nicht im Giftschrank. Denn dann werden die Schwestern sauer.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

8 Kommentare zu “Die Notaufnahmen-Schmonzette – Akt I

  1. wie kein giftschrank? menno. 😉

  2. Hihi, solche Storys kenne ich noch von früher 😀 Meine Mutter gehört auch zur Gattung der abgehärteten Notaufnahme-Schwestern und hatte immer einiges zu erzählen als ich noch bei ihr gelebt habe. Zwischen „Kind hat seit 2 Monaten husten und die Eltern bestehen drauf, am Samstag um 23 Uhr SOFORT einen Arzt zu sehen, weil ist ja Notfall!!“ bis „Eltern haben die wirklich ernsthafte Erkrankung des Kindes so lange ignoriert, bis es wirklich noch in der Notaufnahme verstirbt – woraufhin sie mit ganz vielen bewaffneten Cousins anrücken und drohen, das gesamte Personal zu erschießen“ war alles dabei…
    Das war irgendwie eine gute Lehre um niemals selbst so aufzutreten 😉

    • oh ja, das sind natürlich die Liebsten, die in der Nacht auf Sonntag um 2.30Uhr betrunken anwanken und als Notfall behandelt weden wollen, weil sie seit drei Wochen Knieschmerzen haben und gerade „in der Gegend“ waren und sich dann dachten, die im krankenhaus sind ja eh die ganze Nacht für mich da.
      Da gibt es unzählige Geschichten, bestimmt wird die ein oder andere hier noch folgen 😉

  3. Natürlich ist mir das Satzmonster mit seinen Tentakeln in Aufzug III auf gefallen. 😉 Da ich so lese wie ich vorlesen würde war ich danach etwas atemlos, fühlte mich aber prima unterhalten. Das hielt den Rest des Artikels dann auch an, danke dafür. 🙂
    Finger weg vom Giftschrank hab ich leider zu spät gelesen… *renn*
    Die Schwestern sind verflixt schnell und hartnäckig! *flitzumdieEcke*
    Uaaaaahhhhh…. *Trepperunterfall*

    😉

    • JETZT bist du erst Recht ein Fall für die Notaufnahme. Erst dürfen die Unfallchirurgen ran und danach die Mediziner, die dich von der Giftschrank-Intox befreien müssen :p

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