Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Ein etwas anderes PJ-Tertial.

4 Kommentare

Den zweiten Teil meines Innere-Tertials habe ich an einer sehr großen Universitätsklinik in England absolviert. Da ich in dieser Zeit eher wenig gebloggt habe, hier ein kurzes Fazit:

Etwa die Hälfte der Zeit verbrachte ich hier in der Hepatologie. Im Gegensatz zu Deutschland war ich nicht einer Station zugeteilt und hatte keine festen Aufgaben, die ich täglich erledigen musste, sondern konnte mich frei in der gesamten Abteilung bewegen. Aus diesem Grund verbrachte ich die meiste Zeit in den zahlreichen, hoch spezialisierten Ambulanzen. Hier konnte ich den Oberärzten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sowohl die häufigen als auch die ganz seltenen Lebererkrankungen kennen lernen. Darüber hinaus war ich bei interdisziplinären Meetings, Transplant-Besprechungen, Visiten und Endoskopien (ERCPs) dabei. Ich wurde von allen Schwestern und Ärzten, die sich über mein Interesse an der Hepatologie freuten, ausnahmslos freundlich aufgenommen. Jeder hatte Spaß an der Lehre und ich konnte tausende Fragen stellen, die ausführlich, nett und kompetent beantwortet wurden. Nie war für eine Erklärung keine Zeit.

Gab es in der Klinik nichts Spannendes zu sehen, arbeitete ich in einem experimentellen Labor, dass auf das Immunsystem der Leber spezialisiert ist. Da ich in diesem Bereich auch meine Doktorarbeit schreibe, war es einfach perfekt für mich. In einem internationalen Team konnte ich über spannende Themen diskutieren, neue experimentelle Methoden kennen lernen und an Vorträgen hochkarätiger Wissenschaftler teilnehmen. Auch hier wurde ich sofort und mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit integriert und neben der Arbeit auch mit ins Pub oder zu den Weihnachtsfeiern mitgenommen. So wurden die Kollegen schnell zu guten Freunden.

Es war mit Sicherheit nicht ein PJ-Tertial, wie es eigentlich gedacht ist. Ich habe nicht auf Station gearbeitet, habe kein Blut abgenommen, keine Anamnesen geführt und keine Arztbriefe geschrieben. Eine gute Vorbereitung auf das Staatsexamen sieht anders aus. Aber ich habe einen breiteren Überblick über ein Fachgebiet bekommen als das auf einer Station in Deutschland je möglich gewesen wäre. Zudem wurde in mir eine Begeisterung für einen doch recht kleinen Fachbereich geweckt, der im Studium häufig nur am Rande gestreift wird. Die Hepatologie ist mittlerweile durchaus eine mögliche Option für mich geworden. Ich erlebte schöne und traurige Geschichten, das Überbringen guter und weniger guter Nachrichten, Standardtherapien und  experimentelle Therapieansätze sowie Vor-und Nachteile des englischen Systems. Zudem hatte ich die Chance wissenschaftlich zu arbeiten und ich bin ja schon ein bisschen eine Labormaus, muss ich zugeben. Alles in allem hatte ich in England eine wunderbare Zeit, die ich nicht missen möchte, habe viel gelernt (wenn auch nicht unbedingt prüfungsrelevantes) und – etwas, was man nicht vernachlässigen sollte- ich hatte unglaublich viel Spaß dabei.

Jetzt geht es für das Chirurgie-Tertial weiter nach Belgien. Auf zu neuen Ufern!

 

Ann Arbor

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Autor: Ann Arbor

"We're all stories in the end...just make it a good one! Because it was, you know, it was the best!" Doctor Who

4 Kommentare zu “Ein etwas anderes PJ-Tertial.

  1. Einfach nur beeindruckend!
    Weltenbummler 😉

  2. Wow, das klingt ja echt spannend. Das sind dann so Erfahrungswerte die einem keiner so schnell nehmen kann und man sieht das eigene Gesundheitssystem wahrscheinlich nochmal mit ganz anderen Augen.

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