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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Krankheit der Woche XI: Morbus Crohn

23 Kommentare

Krankheit der WocheMORBUS CROHN
Enteritis regionalis, MC, Crohn’s Disease (CD)

Was ist das?

Morbus Crohn ist eine der sog. chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Hierbei handelt es sich um anhaltende entzündliche Veränderungen der Darmwand mit unklarer Ursache und typischwerweise schubförmigem Verlauf. Beim Morbus Crohn sind die entzündeten Stellen über die ganze Länge des Magen-Darm-Traktes verteilt, können also z.B. auch in der Speiseröhre oder im Dünndarm liegen. Bevorzugt liegen sie jedoch im terminalen Ileum (Ende des Dünndarms) oder am Beginn des Kolons (Teil des Dickdarms). Die Ausbreitung der Entzündung erfolgt nicht kontinuierlich. Zwischen den veränderten Stellen liegen also immer wieder gesunde Darmabschnitte.

Wie entsteht es?

Die Ursache und die Entstehung der Erkrankung sind wie gesagt unklar. Möglicherweise spielen Autoimmunprozesse eine Rolle, vielleicht sind aber auch Infektionen ein Auslöser. Der Morbus Crohn zeigt eine familiäre Häufung verbunden bestimmten Genmutationen, sodass eine fehlerhafte Immunregulation aufgrund genetischer Veränderungen diskutiert wird.
Das Ergebnis ist jedenfalls eine Entzündung der Darmwand, die beim M. Crohn alle Wandschichten betrifft. Die eingewanderten Entzündungszellen führen zu einer Schädigung des Gewebes mit typischen Folgen.

Was merkt man?

Die Zeichen der Erkrankung sind überwiegend unspezifisch. Bauchschmerzen und Durchfälle, meist ohne Blut, sowie Blähungen sind die typsichen Symptome. Im manchen Fällen wirken die Beschwerden eher wie eine Blinddarmentzündung mit kolikartigen Schmerzen im rechten Unterbauch, druckschmerzhafter Resistenz und leicht erhöhten Temperaturen. Der „Blinddarm“ und das häufig betroffene terminale Ileum liegen anatomisch sehr nahe beieinander.
Zudem zeigt der M. Crohn manchmal Symptome, die nicht den Magen-Darm-Trakt betreffen. In etwa 20% der Fälle kommt es zu arthritischen Gelenkbeschwerden. Die Augen können ebenfalls von Entzündungen betroffen sein.

Im Verlauf kommt es zu typischen Komplikationen: Da die Entzündung und somit die Gewebszerstörung die gesamte Dicke der Darmwand betrifft, kann sie auch auf benachbarte Strukturen übergreifen uns Fisteln bilden. Häufig entstehen sie in der Nähe des Darmausgangs. Diese Analfisteln neigen dazu sich zu entzünden und anorektale Abszesse zu bilden.
Der erkrankte Darm ist immer schlechter in der Lage Nährstoffe aufzunehmen. Im terminalen Ileum findet z.B. die Aufnahme von Vitamin B12 und die Wiederaufnahme der Gallensäuren aus der Leber statt. In der Folge kommt es zu entsprechenden Mangelerscheinungen.Eine Entzündung führt stets auch zu einer Schwellung und auch beim Abklingen der Entzündung kommt es zu einer Einengung der betroffenen Darmabschnitte durch Vernarbung. Dies kann bis zur Ausbildung eines Ileus führen.

Wie stelle ich es fest?

Eine eindeutige Diagnose kann nur die feingewebliche Untersuchung histologischer Proben stellen. Unter dem Mikroskop zeigen sich typische entzündliche Formationen (Epitheloidzellgranulome) und Zellen (mehrkernige Riesenzellen) in allen Wandschichten.

Zur Probengewinnung führt man eine Ileokoloskopie durch. Auch hier zeigt sich meist ein typisches Bild: Die Schleimhautveränderungen sind unregelmäßig und diskontinuierlich über den Darm verteilt. Akute Entzündungen zeigen sich als Ulcerationen (Geschwüre) und Aphten, die Schleimhaut hat ein sog. „Pflasterseinrelief“, man sieht kleinste Blutungen und Verengungen entweder durch ödematöse Schwellungen oder durch narbige Strikturen.

Weitere bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, MRT oder Röntgen stellen Möglichkeiten dar einen besseren Einblick in die Situation im Dünndarm zu erhalten, den die Koloskopie nicht erreicht. Heute gibt es aber auch spezielle andere Endoskopieverfahren zur Untersuchung des Dünndarms.

Was kann man tun?

Die Therapie lässt sich grob einteilen in chriurgische und medikamentöse Ansätze. Ergänzend sind eine passende Diät und entsprechende Nahrungsergänzung / -substitution wichtig. Im akuten Scub wird beispielsweise eine ballaststofffreie Kost empfohlen.

Die Chirurgie findet nur bei Komplikationen ihren Einsatz. Durch die Verteilung der Erkrankung über den gesamten Darm lässt sie sich durch die Entfernung eines Darmabschnittes niemals heilen. Also greift man nur bei Perforationen, Darmverschluss oder chronischen Fisteln auf eine darmerhaltende Minimalchirurgie zurück.

Die medikamentöse Therapie ist vielfältig und orientiert sich am Verlauf und der Schwere der Entzündung. Im akuten Schub (Remissionsinduktion) therapiert man mit Steroiden, ggf. ergänzt durch Azathioprin um die nötige Steroiddosis und die entsprechenden Nebenwirkungen zu vermindern. Nur bei fehlendem Ansprechen auf Steroide gibt man weitere Immunsuppresiva.
Im schubfreien Intervall (Remissionserhalt) therapiert man weiter um einen neuen Schub möglichst lange hinauszuzögern. Die besten Ergebnisse erzielt man mit Azathioprin, das man über mehrere Jahre in niedriger Dosierung weiter gibt.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Die heutige Krankheit der Woche haben wir auf Wunsch von „Ich“ ausgewählt. Habt ihr auch eine Krankheit, ein Syndrom oder ein Symptom über das ihr gerne mehr wissen wollt? Dann fragt uns doch einfach!

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

23 Kommentare zu “Krankheit der Woche XI: Morbus Crohn

  1. *Speiseröhre

    • *lach* oh je, hätte ich mal lieber Ösophagus geschrieben. Da sieht man mal wieder, dass wir Mediziner lieber Deutsch als Latein lernen sollten. Aber danke dir für den Hinweis.

  2. danke fuer den artikel! wie immer super interessant geschrieben!

  3. habt ihr anforderungen an die „krankheit der woche“-wünsche? oder dürfen es auch mal ausgefallerene sachen sein, selten und zebramäßig?

    • Immer her mit den abgedrehten Sachen! Ich versuche ohnehin immer wieder irgendwas seltsames mist möglichst unaussprechlichem Namen einzubauen 😉 Wenn du Vorschläge hast, dann bin ich sehr dankbar!

  4. Hey, erklärt ihr auch noch Medikamente? Dann würde mich mal Rituximab interessieren:)

    • Hallo Regenwolke, klar sind die Medikamente auch im neuen Jahr wieder mit im Programm. Und Rituximab ist dick notiert. Nächste Woche wird es noch nicht klappen, aber danach sollte sich ein Plätzchen finden lassen 🙂
      Danke für die Anregung!

      • Wenn wir schonmal bei Rituximab sind dann würde ich mich über einen Artikel über Itp freuen,welche mit dem genannten Medikamt therapiert wird..Ich bin daran selbst erkrankt und muss sogar oft bei Arztbesuchen feststellen,dass mancher Mediziner die Krankheit nicht kennt oder wenn ich es „normalen“ Personen erzähle und erkläre kommt:Ach du bist Bluter?!<Was ich ja gar nicht bin.

        • Hey Isa,

          ja gerne machen wir das! Wenn Krankheit und Arzneimittel sich ergänzen, ist das immer ganz perfekt 🙂
          Eigentlich das perfekte Thema für Ann Arbor, die ist unser Blut- und Zell- und Immunfreak 😉 Aber vielleicht tuts mir auch mal ganz gut mich damit zu beschäftigen, damit ich nicht zu dern Ärzten gehöre, die nur verwirrt die Stirn runzeln.
          Das ist echt hart, wenn selbst die Leute vom Fach keine Ahnung haben!

        • Lol …, das kenne ich auch. Wenn ich bei Arztbesuchen meine Medikamente angeben muss, dann kommt oft die Frage: Copaxone ist das ein Interferon? (Spritzen bei Multiple Sklerose). Ich sage dann immer, dass es sich um eine Aminosäure handelt und kein Interferon ist. Mich würde mal interessieren, ob diese Angabe bei meinen Arztkonsultationen aussagekräftig ist und ob das Medikament euch angehenden Ärzten bekannt ist? Ich denke immer, dass junge Mediziner dass sicher im Studium lernen und vielleicht nur die älteren Ärzte nicht kennen.

          • Also, ich muss gestehen, ich musste das erstmal googlen. Der Name hat mit so nichts gesagt. Aber dann hats geklingelt. Ich habe das tatsächlich mal gehört, in Pharma oder in Neuro… damals aber noch mit dem Prädikat „eher experimentell“.
            Du musst vielleicht ein bisschen Nachsicht haben mut den Ärzten. Es gibt so unendlich viele Krankheiten und Therapieansätze und irgendwann landet glaube ich jeder bei dem Satz „Häufiges ist häufig und für den Rest gibt es einen Oberarzt/ein Buch“. Jeder versucht sein täglich Brot zu gut wie möglich zu beherrschen. Aber wir bemühen uns 🙂
            Meinst du Copaxone wäre ein interessantes Arzneimittel der Woche?

          • Na gut. Ich dachte nur, weil aus meiner Sicht die Anzahl der MS-Medikamente überschaubar sind. „Interferon“, dass sagt jedem Arzt was. Copaxone, seit ca. 10 Jahren in Deutschland zugelassen wird in der Neurologie gegenüber Patienten immer in einem Atemzug mit Interferonen genannt, rein von der Wirksamkeit und Verträglichkeit her. Deshalb ist mir das Medikament so selbstverständlich. Aber klar so ein Medizinstudium ist ja nun mal all umfassend. Danke für dein Angebot, Copaxone zu beschreiben. Mich würde eher mal eine Aufstellung der Therapieoptionen bei MS interessieren. Dann hätte ich mal wieder einen aktuellen Überblick.

          • Klar können wir mal einen Überblick über die MS-Therapie erarbeiten. Ob das im Rahmen einer Krankheit der Woche mit Schwerpunkt auf Therapie oder als Arzneimittel oder einfach als eigener Artikel sein wird, schauen wir mal. Aber du kriegst auch jeden Fall eine Nachricht, wenn der Artikel online geht.
            Vielleicht tut uns ein kleines MS-Update auch ganz gut, wenn du sagst, dass Copaxone inzwischen Standart ist und ich das nur als „neue Therapiemöglichkeit“ kenne 🙂

      • ahh rituximab – do horch ich doch gleich auf…

        ich wünsche mir eine krankheit der woche = amyotrophe lateralsklerose. und nicht nur wiki abeschreiben, gell 😉

        • Heyheyhey, mal abgesehen davon, dass Wikipedia medizinisch ziemlich gebildet ist, wälze ich seit Monaten jede zweite Woche den Herold um euch das Beste vom Besten des medizinischen Fachwissens zu präsentieren 😉
          Die ALS ist notiert. Es wird aber noch ein bisschen dauern. Die nächsten zwei Themen sind leider schon vergeben. Aber danach, also Anfang Februar dann, ist Platz. Ich hoffe du kannst so lange warten 😉
          Danke jedenfalls für die Anregung!

          • 😉 war nur ein scherz, ich macht das schon echt gut 🙂

            ich übe mich in geduld. (eine meine größten schwächen ;))

          • 🙂 Hab ich schon so aufgefasst. Und war auch von mir mit einem Zwinkern gemeint.
            Aber zur Strafe 😉 darfst du jetzt also die Tugend der Geduld erlernen 😀

          • uahhh…… ^^ (wo ich doch schon fast euer treuerster leser der ersten stunde bin *schleeeeeim*)

  5. @Spekulantin Danke für dein Interesse, die MS einschließlich der Therapiemöglichkeiten hier vorzustellen. Bin jetzt schon gespannt und freue mich darauf.

    • Wir sind immer dankbar für Wünsche und Anregungen. Einen Platz bei den Krankheiten der Woche gibt es erst wieder im März 😦 Dann werden wir wohl „Eure Fragen – unsere Antworten“ draus machen.

      • März ist doch okay. Ich brauche die Infos nicht ganz dringend und ihr habt ja auch noch was anderes zu tun, z. B. „Praktisches Jahr“ und andere unwichtige Dinge. > Ironie off <

  6. Ich empfehle bei MS gerne Vicolac immun Colostrum. Es enthält hohe Mengen an Interferon-𝜷, als auch das volle Spektrum der Aminosäuren in hoher Quantität. Der Vorteil ist, dass es das Fatigue Syndrom stark mindert und somit die Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht weg fällt. Colostrum ist zudem absolut frei von Nebenwirkungen. Dem Vitamin D3 tanken steht daher nichts im Weg. Der Nachteil am Colostrum ist, dass es bei MS sehr hoch dosiert werden muss und daher teuer ist. Man kann es aber zu 100% von der Steuer absetzen, wenn ein Rezept eines Heilpraktikers oder Arzt vorliegt. Auch nicht schlecht.

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