Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Multiresistenz

21 Kommentare

 

85 jähriger Patient in schlechtem Zustand, der sich nach einem Notfalleingriff bei mechanischem Passagehinderniss im Darm aufgrund eines Darmtumors nicht so richtig erholt. Im CT Erguss um die Lunge, der mit 800ml Fördermenge abpunktiert wird. 8 Tage nach OP Abszess und freie Luft im Bauch, Anastomoseninsuffizienz (die beiden aneinander genähten Stücke des Darms sind nicht dicht miteinander verwachsen). Der Patient möchte nicht erneut operiert werden, einer Drainage nach außen stimmt er zu. Diese fördert kotiges Sekret und jede Menge Eiter.

Im Verlauf keine Besserung des Zustandes, Abnahme von Blutkulturen vom Blut des Patienten und seines Zentralen Venenkatheters.

Das Ergebnis:

R = Resistent, S = Sensibel

Nicht gut, gar nicht gut. Multiresistenz. Schlechte Prognose, wenige Möglichkeiten zu therapieren. Das haben wir davon, dass wir überall Antibiotika draufkippen. Manchmal scheint es, als ob wir den Kampf gegen die Bakterien gerade zu verlieren scheinen, da immer mehr gegen immer mehr unserer Waffen resistent sind.
Es ist Zeit das Verhalten zu ändern und sinnvoller Antibiotika einzusetzen!

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

21 Kommentare zu “Multiresistenz

  1. Der Beitrag macht mich sehr nachdenklich. Genau wegen dieser Multiresistenz, allerdings bei MRSA ist meine Mama vor 6 Jahren gestorben. Wenn ich jetzt Antibiotika bekomme, wegen vermehrten Harnwegsinfekten muss ich regelmäßig daran denken.

    • das tut mir leid zu hören. MRSA ist gerade in deutschen Kliniken DAS Topthema der Zukunft, denn es gibt immer mehr Fälle und immer weniger „Waffen“, die man dagegen hat. In anderen Ländern (z.B. Niederlande) wird das deutlich besser gemanaged, indem z.B. alle deutschen patienten zunächst isoliert und auf MRSA getestet werden, bevor sie dann auf Normalstation kommen. So dämmt man diese „Seuche“ (neben der sinnvolleren Antibiotika-Gabe) ein…

  2. Solange Patienten sich ohne Antibiotikum nicht richtig versorgt fühlen und solange Ärzte vor solchen Patienten einknicken, auch wenn kein AB nötig ist, solange wird sich die Situation weiter verschärfen. Einsicht findet man noch nicht allzu häufig, auch, weil sehr viele Leute immer noch nicht die leiseste Ahnung haben, was ein AB ist, dass es viele verschiedene gibt und wie sie wirken. Manchmal könnte man meinen, man lebt in einem Entwicklungsland.

    • Muss ich dir zustimmen. Wer ansonsten gesund durch die Welt läuft, macht sich über sowas keinen Kopf. Ich möchte allerdings schon über Antibiotika gerne mehr wissen. Zumindest soviel, dass ich bei Arztkonsultationen mitreden kann. Das gestaltet sich allerdings schwierig.

      • ich nehme deinen Wunsch mal auf und werde versuchen im nächsten „Arzneimittel der Woche“ ein Antibiotikum zu erklären – wäre das was? Aber es gibt so viele verschiedene, dass man die nie im Leben alle erklären könnte ohne einen ausufernden Beitrag zu verfassen, den niemand lesen will…

        • Das würde mich sehr freuen. Vielleicht kannst du dann auch was zu Infectotrimet schreiben. Das habe ich letztens erhalten.

          • ist notiert – aber ist nur eines der unzähligen Antibiotika. Vllt mache ich einfach einen Sammelartikel, in dem ich einige zusammengefasst aufführe 😉

        • So ausufernd könntest Du das gar nicht schreiben, dass ich das nicht lesen wollte. 😉
          Ein Sammelartikel wäre auf jeden Fall interessant, über die verschiedenen (grob unterteilten) ABs, vielleicht über Penicillin und warum viele Leute darauf allergisch reagieren, auf Breitband- und spezielle ABs, ABs die nur bei Resistenzen gegeben werden…
          Das Feld ist so groß, das wird schwierig, denke ich.

          Könnt ihr mir evtl. ein gutes Buch zur Pharmakologie empfehlen, wofür ich nicht erstmal etliche Semester Medizin studieren muss um etwas damit anfangen zu können? Ich bin da allerdings sehr lernfähig.

          • du ehrst mich ^^ mal sehen, wann ich Zeit finde, dann schreibe ich einen Artikel drüber 🙂

            Ein gutes Buch für Pharma? Oh, das ist schwer…. weil alle irgendwie natürlich auch auf die Wirkungsweisen der Wirkstoffe gehen und man dafür einiges an Physiologie und Biochemie wissen muss. Vielleicht gibt es aber bei Amazon auch Pharma-Bücher, die generelle Einblicke erlauben und nicht jede Stoffgruppe einzeln bearbeiten und zum Lernen aufbereiten?

            Oder vielleicht weiß ein anderer Autor hier ein gutes Buch? 😉

          • @ orthopaedix: Als Antwort auf Deine Antwort, da ich auf Deinen Kommentar nicht antworten kann (??)
            Physiologie und Biochemie kann ich mir aneignen, es muss kein Buch für Dummies sein. Ich möchte halt das verständlichste, was von Studenten als einigermaßen hilfreich empfunden wird. Es gibt ja immer so’ne und solche Lehrbücher.

          • ja nach einigen Ebenen von Antwort und Antwort-auf-Antwort ist es dann nicht mehr möglich noch eine Antwort dranzuhängen und man muss die Antwort einfach mit der oberen Antwort machen… ok, das war ein Antwort zu viel im Satz :p

            Also ich habe damals Pharma mit diesem Buch gelernt: Aktories & andere, Allgemeine und spezielle Pharmakologie, Toxikologie (Elsevier) – das war halt der Chef der Pharma bei uns und deswegen wurde uns das Buch empfohlen. Der andere Chef hat dieses Buch geschrieben und es dann empfohlen: Lüllmann, Hein, Pharmakologie und Toxikologie (Thieme).

            Ausserdem haben einige bei uns mit diesen Büchern gelernt:
            – Mutschler Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie – sehr umfangreich anscheinend.
            – Herdegen, Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie (Thieme)

            Vielleicht gehst du mal in eine Fachbuchhandlung und schaust einfach in die Bücher und welche dir am ehesten von der Aufmachung her zusagen 🙂 (kannst uns ja wissen lassen, für welches du dich entschieden hast)

    • das stimmt – bei Husten und anderen Atemwegsinfektionen wird derzeit geschätzt, dass nur in 20 von 100 Fällen wirklich Antibiotika nötig wären, aber trotzdem weltweit 75% aller Antibiotikaverschreibungen auf die Behandlung von Atemwegsinfekten gehen…. und in den USA/Kanada sollen 50% zu viele Antibiotikaverschreibungen vorliegen (Verschreibungen, die man eigentlich nicht braucht).

      Ich habe selbst erlebt, wie Patienten die Praxis immer wieder aufsuchen, weil sie noch keine AB bekommen haben und sich deswegen nicht richtig therapiert fühlten. Dabei hatten sie nur einen viralen Infekt…. aber erst, als sie AB bekamen, war der Infekt plötzlich „geheilt“.

  3. Auch die Verwendung von Antibiotika in der Massentierhaltung trägt zur Resistenzbildung bei.

  4. der patient tut mir leid wobei er wohl doch ein stolzes alter erreicht hat

    die antibiotika gabe (nicht nur in deutschland) ist heutzutage wirklich ein graus, mir wurde vor einigen jahren ein holzsplitter herausoperiert, kleine wunde und ich sollte direkt antibiotika schlucken 0,5 x 2,5 cm wunde nur in der hautschicht), genauso bei jeder erkältung wo man grösstenteils nur wegen der krankmeldung zum arzt geht gleich mal ne dosis amoxicillin und konsorten bekommt

    zu MRSA speziell möchte ich sagen das es nicht für multiresitenz steht wie viele denken sondern für meticillin resistent und andere gruppen noch wirken, möchte nicht ins detail gehen aber hier lag wohl wirklich eine multi resistenz vor da ja 2 mycin auch nicht wirkten
    noch schlimmer wirds bei VRSA
    es gibt auch bei noch gravierenderen resistenzen mittel nur sie werden immer toxischer
    z.b. gentamycin als auch vancomycin sind stark nierenschädigend als auch gehörschädigend

    bleibt nur zu sagen, die grösste niederlage der medizin sind die geglaubt besiegten erkrankungen die heute umso schlimmer auftreten 😦

  5. mich würde mal interessieren, wann antiobiotika denn „sinnvoll“ sind? generell bei allen bakteriellen erkrankungen? auch bei erkältung, bindehautentzündung, etc? ich kriege das häufig mit, dass leute wegen solcher „lappalien“ abs kriegen. andererseits gibt es aber wohl bakterielle erkältungserreger, die schwer das herz angreifen können. dann scheinen abs ja doch wieder gerechtfertigt. wie soll man da durchblicken und wissen, wann es sinnvoll ist und wann der arzt zuviel des guten will?

    • sinnvoll sind Antibiotika immer dann, wenn es um bakterielle Erkrankungen geht, die entweder unmittelbar lebensbedrohlich sind (Blutvergiftung…), die zu gefährlichen Folgekrankheiten führen können (deine angesprochene Endokarditis nach Infektion mit Bakterien, die dann am Herz Probleme machen), die geschwächte/alte/immunsupprimierte Patienten treffen oder die sonst schwer zu beherrschen sind und Komplikationen machen.

      Viele Erkrankungen, gerade Atemwegsinfekte, viele Bindehautentzündungen, manch Durchfallerkrankung (Norovirus, Rota-Virus…) etc sind aber viral bedingt und hier bringt der Einsatz von Antibiotika nichts. Außer Resistenzentwicklung der Bakterien, die deine normale Flora ausmachen (und immer schon da waren und sein werden).

      So genau entscheiden, ob der Arzt zu viel will oder nicht kannst du als Patient wohl leider gar nicht – was du tun kannst ist, nicht bei jeder Krankheit sofort nach einem Antibiotikum schreien und so lange beim Arzt vorstellig werden, bis er dir endlich eines verschreibt, weil sich die Symptome sonst ja „gar nie bessern können“. Da muss von Seiten der Ärzte wohl ein wenig mehr Patienten-Erziehung her…. 😉

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