Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Mini Mental Test

7 Kommentare

Zur Diagnostik einer beginnenden und zur Erhebung des Fortschrittes einer Demenz greift man heute oftmals auf einen leichten Test zurück, den eigentlich beinahe jeder, der sich die Unterlagen dazu aufmerksam durchliest durchführen kann. Dieser Test nennt sich „Mini Mental Test“ und wird meist noch durch den sog. „Uhrentest“ ergänzt.

Beim Uhrentest wird der Patient aufgefordert in einen vorgegebenen Kreis eine Uhr einzuzeichnen und eine Uhrzeit anzuzeichnen bzw. diese darunter in ein Feld zu schreiben.
Beim Mini Mental Test (MMT) muss der Patient ein paar Aufgaben lösen, die u.a. seine Orientierung zur Zeit, zum Ort und zu Gedächtnisleistungen umfassen. Dazu kommen motorische Fähigkeiten und Kompetenz in Umsetzung von Aufforderungen bzw. Rechenleistung. Aufgaben sind z.B. das aktuelle Jahr zu nennen, den aktuellen Monat, den Ort, an dem man sich befindet. Drei Wörter nachzusprechen, Alltagsgegenstände (Kugelschreiber, Armbanduhr) zu benennen, ein Blatt Papier auf Aufforderung zu falten und auf den Boden zu werfen, von 100 in Siebenerschritten runterzuzählen und eine geografische Figur nachzuzeichnen.

Am Ende addieren sich diese Werte und man erhält einen Status, der Hinweise auf eine beginnende Demenz oder deren Fortschritt (v.a. beim Uhrentest gibt es eindrückliche Verläufe) geben kann. Unterlagen zu beiden Tests gibt es hier zum Download (extern).

Ich habe einen solchen Test vergangene Woche bei einer unserer Patientinnen alleine durchgeführt – das erste Mal an einem Patienten. Im Rahmen der Psychiatrie-Blöcke haben wir ihn bereits an uns gegenseitig getestet, aber im klinischen Setting ist alles doch ein wenig anders (und schwieriger, weil man nicht nur kooperationswillige und junge Medizinstudenten vor sich sitzen hat).

Bei der Patientin war eine Sturzneigung bekannt, sie war den gesamten stationären Aufenthalt kognitiv auffällig und vor der Übergabe an die Innere Medizin zur weiteren Therapie ihrer Grunderkrankung führte ich zunächst einen Kreislauftest (Schellong-Test) durch (auch das erste Mal für mich mit einem Patienten) und kam dann am Nachmittag erneut vorbei, um ein wenig „Gehirnsport“ zu betreiben. Die Dame kam mir ein wenig verwirrt vor – aber süß. Beim Kreislauftest am Morgen zählte sie meine grauen Haare (und behauptete, ich habe bereits mindestens 25 Stück *geek*), „rebellierte“ immer wieder („Wissen Sie, dass Sie eine Nervensäge sind?„), dass sie das doch nicht alles machen müsste, auch wenn es zu ihrem Wohl sei (immerhin bricht sie sich bei den Stürzen immer wieder Knochen!)….

Nun saß ich ihr gegenüber und wir begannen mit der Testbatterie. Die Uhr bereitete ihr leichte Probleme, die „11“ war nicht ganz richtig und das Einzeichnen einer Uhrzeit scheiterte komplett. Bei den Fragen zeigten sich Defizite in Bezug auf die zeitliche Orientierung und teilweise bei der Gedächtnisleistung. Fit war sie im Rechnen und bei der örtlichen Orientierung (bis auf das Stockwerk, aber das hätte ich auch nicht gewusst – was fragen diese Tests auch solche Dinge, wenn man sich in einem Hochhaus mit 15 Stockwerke befindet, die auch noch alphabetisch und nicht mit Zahlen benannt sind).

Als sie dann einen Satz schreiben sollte, der ihr in den Kopf kommt, schrieb sie: „Ich liebe meine Familie“.

Gänsehaut! In diesen Momenten spürt man die wahren Gefühle, die tiefen Verwurzelungen. Wenn das Gehirn schon im Abbauprozess gefangen ist und man weiß, wo die Reise für die rüstige alte Dame enden wird und dann einen solchen Satz liest – da ist man berührt! Da sieht man, was alten Menschen wirklich wichtig ist. Und empfindet Mitgefühl. Warum gibt es solche Erkrankungen, warum gibt es keine Therapie?

Insgesamt lief der Test am Ende ganz gut, die Patientin machte fleißig alles mit und war dann doch von der ganzen Sache „belustigt“ („Was Sie alles von mir wissen wollen heute…“). Die Ergebnisse waren leider am Ende so, dass weitere Untersuchungen folgen werden, da der starke Hinweis auf eine Demenz vorlag. Was ihre Verwirrtheit das Zimmer alleine wiederzufinden und einiges an ihrem Verhalten erklärt.

Ob ich die Patientin wiedersehe? Ich glaube nicht, denn das ist das Los der Chirurgen: „Baustelle“ repariert, Patient (zufrieden) entlassen. Um alles andere kümmern sich die nicht-schneidenden Disziplinen. Die dann den weiteren Verlauf der Patienten über längere Zeit mit allen Höhen und Tiefen hautnah erleben und begleiten werden.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

7 Kommentare zu “Mini Mental Test

  1. Also zum Thema „Uhrentest“ werde ich mir für die Zukunft merken: In den vorgegebenen Kreis einen rechteckigen Kasten einzeichen. Und wenn der Arzt erzürnt schaut den Kasten schnell mit 6 Ziffern beschriften im Schema: „Stunde:Minute.Sekunde“. Fertig ist die Digitaluhr!

    Von 100 in 7er-Schritten runter zu zählen finde ich allerdings ganz schön fies. Bleit doch bei Schritt 15 => 0 Rest 5!

    Ansonsten fällt mir da immer das Buch des Psychologen Manferd Lütz „Irre – Wir behandeln die Falschen“ ein, in der er beschreibt, wie er als Student mit mehreren Kommilitonen eine Art MMT mit einem Patienten durchführen sollte, sie alle sich 2 Stunden gut unterhalten haben, und keiner die Demenz des Patienten erkannte, weil: Der Patient kompensierte sie wunderbar. (Beispiel: Studenten fragten: „Wie alt sind Sie?“ – Patient [der KEINE Ahnung hatte] antwortete: „Also ich bin Baujahr 46.“ [Daran konnte er sich wunderbar erinnern. Und er schaute in zufriedenen Studentengesicher, die sein Alter schnell selber ausrechneten.])
    😀

    • Habe das Buch auch gelesen. Mit solchen „Tricks“ kann man seine Demenz vielleicht vor unerfahrenen Studenten im Praktikum überspielen. Spätestens einen PJler legt man damit aber nicht mehr rein.
      Hatte mal nen Akademiker, der auf die Frage wo wir hier seien immer wissenschaftliche Studien zitiert hat. Konfabulation at it’s best 🙂

    • ich habe das Buch auch gelesen und die Tricks mit dem Alter erfahren. Aber wenn mir ein Patient sagt, er sei „Baujahr XYZ“, dann frage ich im Rahmen dieses Tests schon genauer nach – so leicht lassen wir uns ja nicht abwimmeln.

      Die 7er Schritte gehen nur bis ca knapp über 60 – der Proband muss gar nicht so weit runterzählen (wäre ja richtig fies sonst und als testender muss man dann auch noch selbst mitrechnen – ganz schlecht :P)

      Die Digitaluhr zeichne ich dann später mal, wenn ich Proband bin und freue mich auf das Gesicht des Testenden, was er dann wohl sagen wird. Durchgefallen? Nö, ich kenne die Uhr nur so! 😉

  2. Der MMS ist zwar bei uns allen sehr beliebt, weil recht gut in den Alltag integrierbar, und auch die Krankenkassen lieben ihn in Zusammenhang mit der Bewilligung von Kostengutsprachen, aber aus neuropsychologischer Sicht ist er nicht unumstritten. Die Argumente sind mit leider gedächtnismässig im Laufe der Zeit entglitten (eigener aktueller MMS: 30 Pkte.).

    • DemTect ist für die Erstdiagnose wesentlich besser geeignet. MMST eher für die Verlaufsbeurteilung. Allgemein gilt natürlich, dass so ein Test nur ein erster Anstoß für weitere Diagnostik durch Experten ist. Ein Internist, der nur aufgrund eines MMST < 26 ne Demenz diagnostiziert *tststs*

      • WIr wollten den Test auch nur als Anstoß für weitere Diagnostik, weil uns die Dame irgendwie „komisch“ vorkam 😉 Jetzt dürfen die Neurologen und Psychiater weiter untersuchen, aber wir haben schon einen ersten Eindruck gewonnen und ihnen ein MMT-Ergebnis vorlegen können. Die wiederholen das natürlich und machen ihre „richtigen“ tests danach.

        Ein internist, der eine Demenz diagnostiziert? Wird ja nur noch davon geschlagen, dass ein Chirurgie-PJ’ler den Test durchführte 😛

  3. Und so sieht der Mini-Mental-Status-Test aus Patienten- bzw. Angehörigensicht aus:
    http://alzheimer.myblog.de/alzheimer/art/46429316/Mini-Mental-Status-Test

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