Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Dienstwochenende – Sprung ins kalte Wasser

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(c) mz-web.de

Kaum eine Woche in die Schweiz emigriert, da stand für mich bereits das erste Wochenende mit Dienst in der Notaufnahme auf dem Programm. Da ich in der Zeit der einzige Student vor Ort war, war es an mir den Dienst aufzufüllen (was aber gleichzeitig bedeutet, dass ich 2 Wochen nonstop durcharbeite).

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Im Nachhinein bin ich froh, dass mein Vorgänger mir vergangene Woche wenigstens einmal kurz die Notaufnahme gezeigt hatte und grob wo man was finden kann. Denn sonst wäre ich total aufgeschmissen gewesen. Welche Zettel finde ich wo, was fülle ich aus, wo gibt es Nahtmaterial, was machen die Schwestern mit den Unterlagen, unterschreibe ich hier oder doch lieber der Arzt, darf ich Rezepte ausstellen, wie geht das mit den Patienten in den Kabinen, wer ist wo zuständig….

Da stand ich nun, Samstag Morgen 10 Uhr. Dienstbeginn. Und die Aufnahme brummte bereits, 4 Patienten für die chirurgisch-orthopädische Seite und ein Assistenzarzt. Kein Wunder, dass sie die Unterassistenten also uns PJ’ler) dazu verpflichten, die Wochenenden mit abzudecken und aktiv mitzuarbeiten. Ich muss zugeben, dass ich Notaufnahmen mag, weil man da als Student viel selbst machen kann und nicht im Stationsalltag nur mitläuft, weil man wegen der OPs und damit verbundenen Abwesenheit gar nichts richtig mitbekommt oder aktiv mitmachen kann. Aber in der Notaufnahme kommt der Patient, man kann Anamnese machen, Untersuchung, Röntgen anmelden, mit dem Oberarzt besprechen, ggf. Brief schrieben und Patient versorgen. Wundnähte, Einrenken von ausgekugelten Gelenken….  und hat dabei immer das Erfolgserlebnis auf seiner Seite, weil man dem Patienten meist unmittelbar helfen kann (und sei es nur, dass er eine Perspektive aufgezeigt bekommt, wie es mit seiner Verletzung weitergehen wird und welche OP zu machen sein wird).

Also stürzte ich mich gleich in die Arbeit (bzw. die Arbeit stürzte sich auf mich), eine kurze Frage vom Assistenzarzt, ob ich schon einmal in einer Notaufnahme gearbeitet habe und als ich ihm sagte, dass ich das im Rahmen einer Famulatur (das sind die Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums) 4 Wochen in einer Unfallchirurgischen Notaufnahme war und da eigene Patienten betreut hatte, ließ er mich gewähren („dann mach mal Kabine zwei, da ist ein Sturz aufs Knie“) – und ich begrüßte mich auf die ersten Patienten des Morgens. Ein wenig Bammel hatte ich, dass ich die Dialekte nicht verstehen würde – aber die Patienten sprachen glücklicherweise alle verständliche Dialekte (was ich von den Pflegekräften nicht behaupten kann ^^). 

Da es frisch geschneit hatte und die Straßen glatt waren, gab es im Verlauf des Morgens viele Unfälle zu versorgen. Hier einen Sturz auf die Schulter, da einen Sturz auf das Knie, dann ein Umknicken im Schnee….. Ich freute mich, dass ich wirklich alleine arbeiten konnte und nur für die Unterschriften zum Assistenzarzt musste.  Denn leider darf ich die Röntgenscheine nicht selbst unterschreiben. Ich tippte die Arztbriefe an den Niedergelassenen, stellte Rezepte aus und besprach die Patienten mit einem sehr wortkargen Oberarzt, der leider wenig vom Teaching und Anleiten zu halten schien, sondern eher Stichworte hinpfefferte und fertig. Insofern verständlich, als dass er eine 80 Stunden Schicht (!!!) schob und schon die ganze Nacht durchoperiert hatte (und noch 2 Tage und 2 Nächte vor sich hatte). Ein wenig doof war, dass ich die Formulierungen, die man hier benutzt, nicht kannte und dann die Arztbriefe teilweise 4 Mal ausdrucken musste, bis endlich alles stimmte und alles drin stand, was drin stehen musste. Nach und nach hatte ich durch genügend Nachfrage beim Assistenzarzt dann den Dreh raus, welches Formular und welches Papier ich wo ablegen, welches Dokument wo im PC speichern und welches Schmerzmittel in welcher Dosierung wem mitgeben muss. Bis man das kapiert, muss man jede Menge Fragen stellen – ab und an fühlt man sich da schon doof, wenn der Assistenzarzt ständig belästigt wird. Aber ich hoffe, dass sie das gerne beantworten, immerhin können wir ihnen dann Arbeit abnehmen, wenn wir es kapiert haben und selbst arbeiten können. Außerdem war es mein allererster Tag auf der Notfallambulanz – wenn ich im Rahmen meiner Rotation hier erstmal 3 Wochen dort bin, dann hab ich das bestimmt auch raus irgendwann.

Die Versorgung der Patienten machte viel Spaß und die Zeit verflog (ist ja immer so, wenn man etwas zu tun hat)… bis am Mittag dann nichts mehr passierte. Keine Patienten, nichts zu tun. Also durfte ich am ersten Tag früher gehen.

Der zweite Tag begann wie der erste aufgehört hatte – 5 Stunden nichts zu tun. Keine Patienten, keine Unfälle – vielleicht schliefen alle Schweizer aus oder waren in der Kirche (und konnten damit schon nicht irgendwie stürzen). Gegen Nachmittag trudelten dann die ersten Patienten ein – und plötzlich stand der Pfleger vor mir und fragte „willst du nähen?“ (Wegen seines Dialektes verstand ich zunächst: „bist du neu?“ stellte mich bei ihm vor 😀 )

Schon stand ich beim Patienten im Gipsraum und sollte die Wundversorgung ganz alleine übernehmen. Sprung ins kalte Wasser. Ein Glück hatte ich schon ein paar Wunden versorgt (da aber meist unter Aufsicht bzw. zumindest die Lokalanästhesie war gesetzt worden). Nun aber war es an mir alles alleine zu machen. Ich mag das irgendwie. So lernt man am meisten – auch wenn man sich ab und zu unsicher fühlt. Das muss man einfach überspielen :D. Also versorgte ich die Wunde am Kopf mit 5 Stichen, nachdem ich die Lokalanästhesie gesetzt hatte und der Patient war zufrieden. Viel Vertrauen, das sie da in uns setzen. Ich kann mir vorstellen, dass Studenten, die noch nie in der Notaufnahme waren (weil sie z.b. eher internistisch interessiert sind), da schon ein wenig überfordert sein können…..

Am Abend folgten noch ein paar Unfälle, die ich dem immer mehr miesgelaunten Oberarzt vorstellen musste (zunehmend „eingeschüchterter“ ob seiner Laune) und zum Abschluss kam dann dieser Patient:

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Nach Abschluss der Röntgenaufnahmen und Übergabe an den Assistenz- und Oberarzt endete für mich die Neun-Stunden-Schicht und damit auch fast schon wieder das Wochenende. Für den Patienten ging es dann direkt in den OP (und der arme Oberarzt hatte die nächste Nacht mit OPs zu überstehen).

Schön aber anstrengend war es! Das nächste Mal werde ich im neuen Jahr die Notaufnahme mitmachen. Ich freue mich schon drauf.

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

13 Kommentare zu “Dienstwochenende – Sprung ins kalte Wasser

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  3. Hammer! 🙂
    Bist Du neu? ^^

  4. Was sieht man denn da?
    Tippe auf linker Oberarmbruch.
    OP weil das nicht mehr so ganz voreinander steht?

    • Stimmt! Ein linker Oberarm, der gebrochen ist. Die Bruchteile stehen versetzt zueinander („disloziert“) und es besteht die Gefahr, dass Nerven und Gefäße für den Unterarm/Hand verletzt werden. Außerdem ist dieser Bruch sehr instabil (spürt man, wenn man den Arm anfasst, dass alles nur so „wabbelt“) und muss deswegen schnell versorgt werden. Mit einem Gips kommst du da an der Stelle nicht so weit.

  5. Mhh das der harte Knochen im Gewebe ordentlich kratzt und schneidet hätte ich auch noch schreiben können 😉
    Vielleicht sollte ich der Elektronik abschwören und Arzt werden 😉
    4 Monate und dann kann ich die Fachwörter der Ärzte alle und klinge dann gleich viel klüger im Medizinbereich.
    Bisschen mehr scheint dann aber doch dazu zugehören….

  6. Hallo!
    Ich finde es ehrlich gesagt recht spannend wie du die Schweiz darstellst, zumal ich selbst eine schweizer Medizinstudentin bin =) Es würde mich nur zu sehr interessieren in welchem Kanton du bist, aber das darfst du wahrscheinlich nicht preisgeben.
    Aber es freut mich auf jeden Fall, dass es dir in unserem schönen kleinen Land gefällt. =)
    Vielleicht solltest du dich einmal erkundigen, ob die Patienten wirklich Dialekt mit dir sprechen… Du wärst nämlich nicht der Erste, der unsere mühsamen Versuche, Schriftdeutsch zu sprechen, als schweizer Dialekt interpretiert 😉
    Ich wünsche dir auf jeden Fall weiterhin so viel Erfolg in der Klinik!

    • hey,

      also meinen derzeitigen Aufenthaltsort möchte ich hier nicht öffentlich so leicht preisgeben (ich streite nicht ab, dass man ihn ohne große Mühe herausfinden könnte 😉 ).

      ich werde die Patienten mal fragen, ob sie gerade versuchen zwanghaft hochdeutsch mit mir zu sprechen – aber inzwischen habe ich gemerkt, dass ich ein wenig besser in Hinblick auf das Verstehen wurde 😀 Man „hört“ sich rein 😉

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