Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Poesie der Blutabnahmen

17 Kommentare

Ich betrete das Zimmer.

Mein Tablett in der Hand, bestückt und bereit.
Die Röhrchen mit dem Patientennamen.

„Der Vampir ist da, ich brauche Blut!“
Ein Stöhnen im Zimmer.
„Bekommen Sie!“ – im optimalen Fall.
„Schon wieder?“ – geht noch.
Vampire sind nicht gerne gesehen.

„Da werden Sie keine Freude haben.“
Welch Begrüßung.
Die Fronten schnell geklärt.

Die Venen sind schlecht.
Praktisch nicht vorhanden.
Versteckt.
Freude.

Stauschlauch um den Arm.
Suche.
Verzweifeln.
Es aber nicht zeigen dürfen.
Kompetenz und so.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer.
In der Ellenbeuge.
Oder?
Unsicher.

Desinfektion. Wegwischen.
Nadel auspacken.
Pieksen.

Und beim Zustechen schon wissen, dass es erfolglos sein wird.
Ich spüre es.
Man entwickelt Routine und Gefühl.
Ich merke, dass keine Vene vorhanden ist.
Die Kanüle bleibt blutleer.

Die Chance ist vertan.
Tupfer drauf.
Pflaster.
Diese Ecke vertan.
Neue Suche.

Neuer Patient.
Neue Röhrchen.
Neue Nadel.

Neues Spiel.

Es geht Immer weiter.
Röhrchen sterben nie aus.

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

17 Kommentare zu “Poesie der Blutabnahmen

  1. Bringt man euch denn „Tipps und Tricks“ bei?
    Ich durfte noch nicht ran, aber hab schon ein bisschen was mitbekommen.
    Grad im Krankenhaus warm duschen vorher, wenns geht.
    Damit sich die Venen gut füllen, sollte sich die Punktionsstelle unterhalb des Niveaus des rechten Vorhofes befinden. Bei schlechten Gefäßverhältnissen können Venen durch langsame kräftige Pumpbewegungen der Patientenhand und Reiben bzw. Beklopfen der Punktionsstelle besser zur Darstellung gebracht werden. In schwierigen Fällen kann ein warmer feuchter Wickel (Handtuch) für einige Minuten helfen.
    Ich beneide Dich trotzdem 😉

    • Die Routine bringt uns Tipps bei oder man schaut sich welche bei den Assistenzärzten ab (im besten Fall geben sie die Tipps auch von selbst). warm duschen bei bettlägrigen Patienten oder solchen, die man schon um 7 Uhr morgens sticht (und damit als Erster das Zimmer betritt und sie aufweckt) zählt nur halb. Pumpen tun die patienten meist schon von alleine – teilweise „nervt“ das, weil durch die Muskelkontraktion die Venen ganz schwer zu spüren sind und man sie bitten muss kurz aufzuhören. Draufklopfen hilft! Hab ich immer gemacht, das is super!

      Feuchte Wickel gibts auch, aber ist nicht so oft angewandt (dann wird schon eher die Indikation neu überdacht), wahrscheinlich zu zeitaufwendig oder man legt dann doch nen ZVK oder sticht in die Leiste…

  2. V. femoralis 😀

  3. sehr ansprechend geschrieben, bringt die sache gut auf den punkt. mir kam beim lesen house of god in den sinn.

  4. Es gibt keine wirklichen Tricks. Trial and error. Man lernt immer dazu. Habe dazu schon einige Anästhesisten befragt. Die stechen ja bei einer normalen Blutentnahme/Braunüle legen lieber von distal nach proximal, erstmal Handrücken. Ausserdem gilt natürlich „nicht nur sichtbares, sondern tastbares“. Eine Vene, die in schwierigen Fällen oft noch greift, ist lateral am distalen Radius, sozusagen in Verlängerung des Daumens nach proximal. Grundsätzlich gilt: Zeit nehmen, ordentlich stauen, also nicht im Stehen stechen und im Kopf behalten, dass wir keine Maschinen sind. Sprüche wie „bei mir hat`s bisher immer beim ersten Mal geklappt“ gehören dazu. Der hinzugerufene „Zweitstecher“ hat es ausserdem immer einfacher.
    Also: Nicht verzagen!

  5. Ach ja, und sehr schön geschrieben. Sollte jeder Patient, bei dem es nicht beim ersten Mal klappt, als handout bekommen 😉

  6. Brrr… Ihr seid alle gruselig! Ich habe eine Gänsehaut beim Lesen bekommen. (Immerhin entsprechend gut geschrieben, wie ich zugeben muss, auch wenn das Thema bäääh ist.)
    Was ist denn daran schön? Probiert ihr sowas teilweise gegenseitig an euch aus?
    Wenn es gaaanz gut läuft, kommt ein Arzt an meine Armvene dran. Wenn er überzeugend und nett ist und ich halbwegs gute Nerven habe. Und es vorher ein Zauberpflästerchen gab.
    Wenn jemand in den Handrücken will: Bring‘ ’nen Maulkorb mit, den wirst‘ brauchen!
    In die Leiste oder gar in den Hals?? NUR über meine Leiche! Da müsste ich schon bewusstlos sein, halbtot würde kaum reichen. Intraossär desgleichen, egal wo.
    Und wenn ich mir DAS dann auch noch aus Sicht des jeweiligen Arztes überlege: Nee, lasst mal, solche Dinge/ Patienten/ Tage bräuchte ich wirklich nicht.
    Mediziner sind wirklich gruselig!

    • Natürlich probieren wir das gegenseitig aneinander aus – es ist sowohl für die Patienten als auch für uns angenehmer das Ganze erstmal in der netten Atmosphäre der WG-Küche zu erproben 🙂 Und die Steigerung ist dann natürlich bei sich selbst Blut abzunehmen!

  7. Meine Venen sind auch ziemlich besch*** und ich hab schon fast alles durch: Fußvenen, Leiste, ZVK (Jugularis und Subklavia), Arme und Hände von allen Seiten. Die fieseste Stelle war eine Minivene am Handrücken zwischen zwei Fingerknöcheln. Und ich bin nun wirklich nicht empfindlich bei all der Piekserei (wahrscheinlich abgehärtet mit der Zeit 😉 ), aber dem Arzt hätte ich damals auch mal was wohin stechen können.
    Die Helferinnen bei meinem alten Hausarzt haben gern mal Nitrospray benutzt. Ob das nu wirklich nutzt, weiß ich nicht.

    Aber aus eigener Erfahrung sowohl als Patient, als auch als Helferin kann ich Zeitgeist nur zustimmen – Zeit nehmen! Lieber länger suchen und wirklich finden, statt rein auf Verdacht zu stechen. Soll ja eine Blutentnahme sein und keine Akupunktur 😀

  8. Den Arm VOR dem Stauen aus dem Bett hängen lassen, unter pumpen des Patienten stauen, dann punktieren – hilft fast immer 🙂 Und die Patienten anhalten, vor der Blutentnahme ordentlich zu trinken.

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