Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Wähle deinen Ansprechpartner – Krankenhaus-Insider II

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Letzten Sonntag gab es Teil I der Krankenhaus-Insider. Heute folgt (ein kürzer) Teil II: „Wähle deinen Ansprechpartner“

Die Assistenzärzte auf Station dürfen oftmals nicht selbst entscheiden, was sie mit dem Patienten unternehmen, welche Diagnostik der Patient im weiteren Verlauf benötigt und wann es Zeit für eine Entlassung ist. In diesen Fällen dürfen und müssen sie auf einen Oberarzt (Chefarzt) zurückgreifen, der die Verantwortung mitträgt und Entscheidungen fällt.

Natürlich ist die Entscheidung von Oberarzt zu Oberarzt unterschiedlich und für die Assistenzärzte ist es entscheidend, an wen sie sich wenden, um weitere Diagnostik oder Therapie zu planen. Normalerweise hat man einen festen Ansprechpartner, an den man sich wenden muss. Mit der Zeit lernt man seine Gedankengänge kennen und ahnt, was er in welchem Fall anordnet und entscheidet. Im optimalen Fall hat der Oberarzt die gleiche Einstellung zu Entscheidungen wie der Stationsarzt, sodass für beide eine Win-Win-Situation entsteht. Dann entscheidet der Oberarzt nicht so, dass der Stationsarzt frustriert zurückbleibt.

Sollte der zuständige Oberarzt jedoch nicht erreichbar sein, bleiben andere Oberärzte, aus deren Gruppe man sich den verfügbaren oder den gewünschten heraussucht und kontaktiert. Hier gilt für die Assistenzärzte: je nachdem, wen man kontaktiert, erhält man andere Vorschläge und Meinungen. Um beim Beispie von letzter Woche zu bleiben („Herzschmerz“): möchte man dem Patienten mit Druckgefühl auf der Brust einen Herzkatheter angedeihen lassen, sollte man vielleicht Oberarzt Müller fragen, nicht aber Oberarzt Meier. Herrn Meier frägt man dafür eher, wenn man einen Patienten schnell wieder entlassen möchte – da ist Frau Müller zaghafter und lässt den Patienten lieber noch einen oder zwei Tage „zur Überwachung“ und „weil es dem Umfeld des Patienten auch mal gut tut zu entspannen“ länger liegen.

Diese Entscheidungsfindung muss natürlich kritisch hinterfragt werden. Eigentlich gelten in der Medizin Standards und jede Klinik und Fachrichtung versucht die sogenannte „Evidence based medicine“ zu befolgen. D.h. bei bestimmten Symptomen diese oder jene Diagnostik durchzuführen und den Patienten auf eine Art und Weise zu behandeln, die durch große Studien belegt werden kann und ihren Vorteil klar gezeigt hat. Nur: kein Patient gleicht dem anderen und in den meisten Fällen vereint ein Patient viele verschiedene Symptome, die sich gegenseitig beeinflussen und Therapien unmöglich werden lassen. Einem Patienten mit Nierenversagen kann man ein in Leitlinien gefordertes CT mit Kontrastmittel nicht angedeihen lassen – sollte der Nierenwert grenzwertig sein kommt die Meinung des gewählten Ansprechpartners wieder ins Spiel. Ja oder doch lieber nein – wie risikofreudig ist der Entscheider?

Deswegen gilt: je nach deiner eigenen Meinung zu einem geplanten Prozedere überlege als junger Arzt gut, wen du zu Rate ziehst und wer dir eine Entscheidung treffen soll.

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

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