Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Frau Grün hat es nicht anders gewollt

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Seit einer Woche wippt der Chef jeden Morgen nervös mit dem Fuß, wenn in der Frühbesprechung mal wieder der Name „Grün“ fällt. Heute Morgen ist er es selbst, der das Thema auf den Tisch bringt und jetzt ist es schon das ganze Bein, der unter dem Tisch nervös wackelt.
„Die Polizei war gestern Abend im Haus und hat die Akten beschlagnahmt. Frau Grün hat Anzeige erstattet. Ich würde Sie bitten den Entlassbrief noch heute fertig zu machen. Eine Kopie der Akte liegt noch im Sekretariat. Wenn sich die Presse an Sie wenden sollte, verweisen Sie sie bitte an die Klinikleitung. Keine Statements von niemandem.“
Das schlägt ein wie eine Bombe. Unsere Assistenzärztin Oxana wird blass. Alle anderen sind auf einmal ganz still. Als sich 10 Minuten später die Frühbesprechung auflöst, diskutieren sie dann umso lauter. Dabei haben wir ja schon fast damit gerechnet, dass es so enden wird. Was war passiert?

Frau Grün ist einer 32jährige Erstgebärende, die 15 Tage über Termin endlich mit Wehen zu uns kam. Sie brachte ihre eigene Hebamme mit, die zum Belegteam Unseres Kleinen Kreissaals zählt und die Geburt betreute. Die diensthabende Oxana untersuchte sie bei Aufnahme (unreifer Befund) und zeichnete ein mäßig schönes CTG ab. Dann wurde sie erst 4 Stunden später wieder dazu gerufen, als der Befund vollständig war. Ein CTG war in der Zwischenzeit nicht geschrieben worden. Die in den folgenden 20 Minuten aufgezeichneten Herztöne wurden zunehmend schlechter und Oxana rief den Hintergrund dazu. Frau Grün wehrte sich heftig gegen alle medizinischen Maßnahmen, Medikamente oder gar einen Kaiserschnitt. Gerade als man sich aus kindlicher Indikation trotzdem dazu entschlossen hatte in den OP zu fahren, stabilisierte sich die kindliche Frequenz wieder um die 120 bpm. Die Geburt schritt trotzdem nicht voran. 10 Minuten später stand der Kopf immer noch unverändert auf Beckenmitte und Oxana entschied sich die Saugglocke zu holen. Als sie mit der nächsten Wehe zieht, nimmt das Unglück seinen Lauf. Sie entbindet ein totes Kind. Alle sofort eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen sind vergeblich. Das Kind ist unter der Geburt gestorben, als die überreife Plazenta plötzlich die Arbeit einstellte.

Eine Woche später ist die Suche nach einem Schuldigen jetzt auf ihrem Höhepunkt.
Frau Grün war ab dem Entbindungstermin regelmäßig bei uns zur Kontrolle. ET+3, ET+6, ET+8, +10, +12 und dann täglich, nach dem üblichen Standard. Jedes Mal wurde ein Ultraschall gemacht um die Fruchtwassermenge und die Plazenta zu beurteilen. Am ET+6 sprach man das erste Mal über Einleitung (bei uns normalerweise zwischen ET+7 und ET+10), aber für Frau Grün kam das überhaupt nicht in Frage. Ihr wichtigstes Anliegen war eine „natürliche Geburt“, keine Einmischung, keine Chemie. Im Laufe der Zeit sah sie 4 verschiedenen Assistenzärztinnen und es lief immer nach dem selben Muster ab.

Im Ultraschall sah alles was wir beurteilen können gut aus. Man erklärte ihr, dass dies eine Momentaufnahme sei. Man riet ihr (zunehmend drängender) zur Einleitung, sprach über Nelkentampons und sonstige paramedizinische Möglichkeiten. Sie lehnte ab. Es sei doch alles gut. Man erklärte ihr nochmals, dass wir das nur für den Moment sagen könnten, dass die Plazenta zunehmend altert und immer schlechter arbeitet, dass die Gefahr für das Kind steigt. Sie lehnte ab. Am ET+13 rief die Assistentin die Oberärztin dazu, als die Patientin nicht einmal einsah, warum sie von nun an täglich zur Kontrolle kommen sollte. Zu viel Ultraschall schade doch dem Kind. Die Oberärztin klärte in einem langen Gespräch auch über den möglichen Tod des Kindes im Mutterleib auf. Frau Grün lehnte die Einleitung immer noch ab. Sie sei doch in guter Betreuung durch die Hebamme und der Schall sei doch in Ordnung. Sie wolle eine „natürliche Geburt“.

Haben wir es nicht geschafft der Frau den Ernst der Lage klar zu machen? Jetzt sagt sie, man hätte ihr nie gesagt, dass so etwas passieren könne. Es sei doch immer alles in Ordnung gewesen.
Wäre es an der Hebamme gewesen, das viel größere Vertrauensverhältnis zu nutzen um Frau Grün ins Gewissen zu reden? Stattdessen hat sie sie in ihrem Wahn der natürlichen Geburt noch unterstützt.
Sind die Versäumnisse erst im Kreissaal passiert? Immerhin war ja im Aufnahmeschall noch alles in Ordnung. Man fragt sich natürlich, wie es sein kann, dass 4 Stunden lang kein CTG geschrieben wurde, wenn davor die Aufzeichnung schon grenzwertig unschön war. Ist es die Schuld der Hebamme? Wieso hat sie versäumt Oxana früher dazu zu rufen?
Oder ist es Oxanas Schuld? Hätte sie sich bei einem rappelvollen Kreissaal schon früher versichern müssen, dass bei Frau Grün alles in Ordnung ist? Stattdessen hatte sie sich auf die Hebamme verlassen, dass diese sie informiert, wenn es Probleme gibt.
Ist es die Schuld des Oberarztes im Hintergrund? Hätte er nicht vermuten müssen, dass bei einer so plötzlichen Besserung eines miesen CTGs etwas faul ist? Inzwischen sind sich alle einig, dass der Abnehmer ab diesem Moment wohl den Mutterpuls aufgezeichnet hat. Eine zusätzliche Ableitung dessen war nicht angeschlossen. Hätte man sich früher für eine Sectio entscheiden müssen?
Vielleicht ist es auch einfach Frau Grüns Schuld, die über eine Woche lang gegen jeden ärztlichen Rat gehandelt hat. Und jetzt davon nichts mehr wissen will. Die auch nicht abstillt, weil das wieder nicht natürlich ist.

Der Chef sagt, dass wir solche Frauen in Zukunft nicht mehr behandeln werden. Damit ist die Sache nur leider noch nicht ausgestanden.

– Spekulantin

Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

62 Kommentare zu “Frau Grün hat es nicht anders gewollt

  1. Eine grandiose Lage für alle Beteiligten Ärzte.
    Ich weiß genau, warum ich gern in die Chirurgie möchte; da wird man eher seltener für Dummheit seitens des Patienten belangt.
    Aber beste Ausgangslage für junge Ärzte, die versuchen in irgendeiner Art und Weise die Wünsche des Patienten zu respektieren.

    • Hey, danke für deinen Kommentar. Du hast wirklich Recht. Die Geburtshilfe ist ein ganz spezielles Feld. Die Schwangeren sind manchmal ein bisschen wie Heilige Kühe. Bei uns ganz besonders, denn Unsere Kleine Klinik wirbt mit einer „ganzheitlichen Geburtsbegleitung“. Entsprechend ist auch das Patientengut…

  2. Wäre es nicht sinnvoll gewesen, wenn du den Artikel erst später veröffentlichst? Imho umgehst du ja indirekt die Anweisung des Chefs, nicht mit der Presse zu reden und dann Infos selbst veröffentlichst. Ich bin mir sicher, dass es für einen Journalisten ein leichtes wäre, den Zusammenhang zwischen deinem Artikel und dem Fall herzustellen.

    Aber trotzdem für alle beteiligsten die schlechteste aller Situationen, die man sich vorstellen kann. Haben sich die Ärzte Fr. Grüns „Nein“ unter Hinweis der möglichen Folgen schriftlich geben lassen?

    • Hallo ComTom,
      dein Einwand ist absolut berechtigt. Deshalb habe ich jetzt auch fast einen Monat gewartet mit der Veröffentlichung des Artikels. Das Präsens dient nur der Dramatik 😉
      Du hast auch das Problem ganz klar erkannt. Es gibt in den Unterlagen natürlich keine schriftliche Ablehung von Frau Grün. Jeder Arzt hat das zwar dokumentiert, aber eben in seinen Worten. Und im Kreissaal ging alles drunter und drüber, sodass die Dokumentation echt mies ist. Im Moment liegt da wahrscheinlich das größte Problem.

  3. „Wahn der natürlichen Geburt“ .. sorry aber dafür gibt ein dickes fettes Kopfschütteln
    Verständnis, Perpektiv- verständnis auch und auch ganz viel: Och ihr Armen

    Aber für: „solche Frauen werden wir nicht mehr behandeln“ (Woran werdet ihr sie erkennen? An der eigenen Hebamme? An dem Unwillen sich den Bauch aufschneiden zu lassen? An dem Wunsch selbst entscheiden zu wollen?) und für de implizierte Schuld am toten Kind im Titel und „die Dummheit der Patienten“
    gibts den Rauswurf aus meiner „les ich mal ganz gerne“-Liste

    Sowas ist genau der Grund weshalb sich immer mehr Menschen gegen Krankenhäuser und Schulmedizin (= Massenabfertigung, ärztliche Gewalt und Demütigung von „professioneller Seite“) entscheiden und dann nach Alternativen suchen. Begreift ihr das denn nicht?!
    Seht ihr denn wirklich so gar nicht, dass ihr solche Menschen mit Blogeinträgen und Kommentaren wie diesen hier oft erst recht mal noch in die Hände- auch von- Scharlatanen treibt?!

    Überlegt ihr euch sowas mal wenn ihr von eurem Götterberg runtersteigt?!
    Ba! Pfui!

    • Hallo inneres Stimmchen,
      ich finde deinen Kommentar an vielen Stellen sehr unfair. Das ganze Ende des Artikels beschäftigt sich damit, dass sich über Schuld in diesem Falle nur schwer entscheiden lässt. Versäumnisse sind an vielen Stellen passiert und es gibt viele Schultern die da Anteil tragen. Tut mir leid, wenn das offenbar nicht deutlich genug herauszulesen ist.
      Ich denke schon, dass wir das Recht haben die Verantwortung für eine Patientin abzulehnen, die wiederum alles ablehnt, was wir an professionllem Wissen einbringen können. Eine Frau, die auch 13 Tage über Termin eine Einleitung ablehnt, wird ein anderes Krankenhaus finden müssen, dass dieses Risiko eingeht.
      Des weiteren möchte ich dich bitten, dir meinen anderen Kommentar auch zu lesen. Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, wie schwer es ist, gegen besseres Wissen auf gute Hilfe zu verzichten und dabei wissentlich ein Leben aufs Spiel zu setzen. In diesem Falle das des Kindes, dass anders als Frau Grün ja gar keine Möglichkeit hatte für sich zu entscheiden.
      Und ich fürchte, auf einen Menschen, der der Meinung ist Medizin sei Vergewaltigung, wird ein solcher Blogeintrag auch keinen schockierenden Einfluss mehr haben. Ich würde mir ja wünschen, dass er ihm aufzeigt, in welche Gefahr er sich mit seiner Einstellung vielleicht begibt.

      • Nun auch, wenn sich das Ende ihres Artikel damit befasst, dass eine Schuld schlecht verschiebbar ist, so sind es für mich persönlich einfach die Abfälligkeit und doch auch ja- der Hochmut zwischen den Zeilen des Kommentars darunter, die mich hier einmal übern Tisch brechen lässt.
        Diese Frau hat für sich entschieden, was sie AN SICH machen lassen will und was nicht. (und es war die falsche Entscheidung in dieser Situation- ich denk zumindest in dem Punkt stimmen wir überein).
        Es ist einfach eine beschissene Diskrepanz zwischen der die Mediziner in solchen Moment herumspringen müssen- die aber anscheinend so gar nicht gesehen wird.
        SIE als Ärzte haben das Kind im Vordergrund- eine wehende Bald-Mutter hat sowohl das Kind als auch sich selbst im Fokus! Und das in einer Situation in der ihr „Primatengehirn“ ihr vor allem eins in in den emotional-geistigen Äther pustet: „Bring dich in Sicherheit, dunkel still ruhige Ecke, damit du in Ruhe gebären kannst“. Dann kommt der Kopf dazu und sie begibt sich verwirrt, vielleicht verängstigt, unter Schmerzen ins Krankenhaus und soll dort gleich mal alles, was ihr in der ganze Schwangerschaft einen Halt gegeben hat „über Bord werfen“: Die Hebamme, die in der ganzen Schwangerschaft bei der Frau vielleicht zu Hause war, sie bestärkt und bei jeder Frage oder Sorge an ihrer Seite stand. Der Verzicht auf (ich nenns mal hinterfragenswürdige) medizinische Untersuchungsmöglichkeiten und Kontrollen- die sie vielleicht in den Schwangerschaften vorher komplett verunsichert haben und obendrein noch falsch gedeutet wurden bla bla bla- es gibt genug Geschichten, sie werden sie alle gehört haben, welche die Frau für sich aber alle gar nicht in einen objektiven Fokus bringen KANN. Wer wird so eine Frau besser beeinflussen können? Mindestens „höchste Vorsicht“-verbreitende Ärzte, die vielleicht 5 min an ihrem Bett stehen und dann wieder verschwinden (müssen) oder ermutigende Worte und Kontakte, die ein gutes Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben?
        Alles das muss die Frau, wenn sie ins Krankenhaus geht, verlassen. Sie muss auf einmal ihren eigenen Kopf verwenden; wichtige Entscheidungen treffen, auf Ärzte (die Retter!!!) warten, sich einer fremden hektischen Klinikroutine unterwerfen, sich körperlich präsentieren und ausmessen und anfassen lassen- unter Schmerzen. Wissen sie unter welchen Umständen man so einen Anspruch von geistiger Reagibilität noch an Menschen hat? Unter Folter! (und sie sitzen hier und rufen: Ooooh guck wie fahrlässig die Patientin entschieden hat jaaattatta jaatatta… schon schräg- oder nicht?!)

        Im Krankenhaus hat niemand Zeit, niemand nimmt sich Zeit sich mit solchen Frauen wirklich richtig und echt auseinanderzusetzen. Niemand kann sich diesen Luxus „Zeit“ gönnen. (Auch deshalb von mir ganz viel Perspektiv-Verständnis- ich weiß, dass es viele Menschen anders machen würden, wenn sie könnten!)
        Aber denken sie mal nach. Einfach so und weil sie so einen Spaß daran hatte sowohl ihr Leben als auch das ihres Kindes zu gefährden, wird sie nicht entschieden haben!
        Genauso wenig wird sie jetzt klagen oder anzeigen, weil sie wirklich davon überzeugt ist, dass Sie Mist gemacht haben.

        Für sie ist das alles Routine. Sie erleben das jeden Tag. Sie haben in ihrem Arbeitsalltag schon völlig von haus aus einen Adrenalinpegel im Organismus, wie ihn andere nicht haben. Sie kennen die Örtlichkeiten, sie sind sich ihrem Handeln sicher.
        Das sind Patienten- egal warum sie kommen- nicht!
        Und trotzdem sind ihre Patienten nicht dumm! Sie sind vielleicht so auf die Art wie Sie (aus)gebildet- ja. Aber dumm sind sie ganz sicher nicht (alle).

        Ich finde es einfach falsch sich in einem Blogeintrag so über Menschen zu erheben. Und damit ja irgendwo zu zeigen, dass es legitim für Sie ist, sich so zu verhalten oder so daher zu reden.
        Meiner Meinung nach, ist es das nämlich nicht.
        Ich will nicht im Hinterkopf haben mein Arzt könnte vielleicht auch so über MICH reden, wenn ich mein Kind tot zu Welt bringe, nachdem ich einfach nur falsch entschieden habe (aber nur das Beste für das Kind und mich wollte!).

        That´s all.
        Be human. 😉

        • Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mich gegen diese ungerechte Breitseite zu wehren. Ich will es chronologisch versuchen.

          Zuerst einmal: Wir sind FRAUENärzte, wir behandeln Frauen. Wenn wir schwangere Frauen behandeln, dann behandeln wir eine Frau mit ihrem Kind. Die Aussage, dass unser erstes Interesse dem Kind gilt, ist somit schlicht und ergreifend falsch. Mutter und Kind stehen im Mittelpunkt. Aber wie sehr eindrücklich geschildert, befindet sich eine Frau unter Wehen in einer Ausnahmesituation. Vielleicht ist es gerade deshalb als Außenstehnder unsere Aufgabe auch das Kind im Kopf zu behalten.

          Dann: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es sogar im Artikel erwähnt habe: Weil eben die Bindung und das Vertrauensverhältnis zu einer Hebamme ein viel engeres ist, gibt es bei uns sogenannte Beleghebammen. Das heißt, die Hebamme, die die Frau in der Schwangerschaft betreut hat kommt mit in die Klinik und betreut auch dort die Geburt weiter. Bei Frau Grün war genau das der Fall. Sie wurde eben nicht von diesem Vertrauensverhältnis abgeschnitten. Und bei uns hat jede Frau die Möglichkeit dazu.

          Sie haben den Zustand einer Frau unter Wehen sehr eindrücklich beschrieben. Genau so sehe ich das auch. Aber genau dort sehe ich die Aufgabe des Entbindungsteams. Keiner von uns befindet sich in einer ähnlichen Stresssituation, wie die Frau. Wir haben anders als eine Erstgebärende schon viele verschiedene Verläufe miterlebt. In einem Moment, in dem die Frau nicht mehr objektiv denken und beurteilen kann, ist es doch gerade unsere Aufgabe, diese Objektivität zu bewahren und alle uns zur Verfügung stehenden Hilfen anzubieten. Am Ende ist es dann an der Frau sich für oder dagegen zu entscheiden. Und das hat Frau Grün auch getan. Sie ist von uns zu nichts gezwungen worden. Aber es ist mein Verständnis von Verantwortung sie über die Gefahren aufzuklären und auch meine profesionelle Meinung zu deren Minimierung zu vertreten. Meiner Meinung nach kann das eine gute Hilfe für die Frau sein um in so einem Moment eine schwere Entscheidung zu treffen.

          Und dann steht es natürlich jeder Frau frei überhaupt ins Krankenhaus zu gehen. Wenn ihr Misstrauen gegen Ärzte und ihre Ablehnung der dort angebotenen Medizin so groß ist, dann gibt es doch Alternativen. Hier in der näheren Umgebung gibt es alleine 3 Geburtshäuser und jede Frau hat sie Möglichkeit sich für eine Hausgeburt zu entscheiden.
          Aber wenn ich doch in die Klinik komme, da muss ich doch auch akzeptieren, dass ich mich damit in profesionelle Hände begebe. Und dann auch darauf vertrauen, dass man dort über Wissen und Erfahrung verfügt und gute Gründe für sein Handeln hat. Ich weiß, dass dieser Vergleich stark hinkt, aber wenn ich zum Frisiur gehe um mir die Haare färben zu lassen und er mir davon abrät, dann nehme ich das doch auch ernst. Und wenn mich die Meinung des Friseurs nicht interessiert, dann färbe ich die Haare selbst. (Ja, ich weiß, dass das sehr trivial verglichen ist, aber mir fällt keine Möglichkeit ein, mich besser auszudrücken. Das soll keine Respektlosigkeit sein.)

          Ich möchte mich aufs schärfste dagegen wehren, dass sich für Frau Grün niemand Zeit genommen hat. Sie war vor der Geburt 8 mal zu Kontrolle bei uns im Haus. Sie ist jedes Mal geschallt worden, man hat sie ausführlichst aufgeklärt, nochmals erklärt und wie bereits erwähnt, am Ende sogar die Oberärztin dazugeholt. Sie hat zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung zu warten in keiner emotionalen Ausnahmesituation unter Wehen getroffen. Und sie hat sie trotzdem getroffen. Und ich empfinde es doch einfach als sehr ungerecht, dass jetzt wo es schief gegangen ist uns die alleinige Schuld in die Schuhe geschoben werden soll.

          Ansonsten kann ich nur nochmal sagen: Ich erhebe mich nicht über die Patientin. Ich habe Fakten verarbeitet, wie sie in der Akte stehen. Ich habe in dem ganzen Artikel keine Wertung vorgenommen, vielmehr habe ich mich bemüht alle Seiten dieser Tragödie zu beleuchten, alle Beteiligten und alle ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Es schockiert mich ein bisschen, dass das so offensichtlich nicht deutlich wird beim lesen. Natürlich hätte ich auch einfach leicht schreiben können: „Wir haben es ja gleich gesagt“ Aber das habe ich nicht. Weil ich mich nämlich auch Frage, wo unser Fehler lag, wie es sein kann, dass wir der Patientin nicht vermitteln konnten, warum wir uns, in diesem Falle traurigerweise berechtigte, Sorgen machen.

          Und zu guter Letzt, bin ich zutiefst davon überzeugt, dass was ich gerade in meinem PJ über Medizin und Geburtshilfe lerne, absolut menschlich ist. Etwas menschlicheres als Patienten zu helfen, kann ich mir kaum vorstellen.

          • Es geht mir nicht darum Ihnen Schuld zuzuschieben 😉
            Ein Kind ist tot. Eine Mutter trauert. Alle betroffen.
            Und sie stellen sie im Internet dar als dummer Mensch der es ja nicht anders wollte.
            DARUM gehts!
            Und doch- diese Wertung haben sie vorgenohmmen. Schon im Titel.

            Und nein- Kontrollbesuche und zig Ultraschalle bedeuten nicht: sich Zeit nehmen.
            Aber auch das will ich nicht als Vorwurf aufgefasst wissen.

            Menschlichkeit heißt nicht sich mit dem menschlichen Körper auszukennen und zu helfen.
            Menschlichkeit bedeutet ganz erheblich mehr, als Pflaster drauf und gut is (oder in diesem Falle: Kind gesund rausholen und sich auf die weiß bekittelte Schulter klopfen).

          • Die Situation ist schrecklich, und dass jetzt eine Klage kommt ist erschreckend, denn wenn Patienten eigenverantwortliche Entscheidungen treffen, sollten sie auch dazu stehen. Nur: kommt die wirklich auf Frau Gruens ausdruecklichen Wunsch? Oder ist da vielleicht auch ein Herr Gruen, eine Schwiegerfamilie Gruen? Die werden irgendwie gar nicht erwaehnt.

            Ist es denn nicht Standard, dass dokumentiert werden muss dass z.B. ausdruecklich auf Wunsch der Patientin und gegen den Rat der Aerzte geschieht?

            Zur vermeintlichen Wertfreiheit, diesen Kommentar finde ich persoenlich sehr viel sachlicher und wertfreier geschrieben als den Artikel. Allein der Titel, „sie hat es nicht anders gewollt“? Mit Sicherheit hat sie es anders gewollt!
            Klar, zwischendrin werden unterschiedliche Aspekte aufgezeigt (wer haette was wann wie wo machen sollen), und das ist wichtig und sehr interessant zu lesen.
            Aber am Ende ist es doch Frau Gruens Schuld, und zudem stillt sie ja auch nicht ab. Ach so. Was genau hat das denn mit dem Tod des Kindes zu tun? Wen genau stillt sie denn nicht ab? Was soll dieser Satz am Ende, wenn nicht ein bestimmtes Bild von Frau Gruen zeichnen um die Wertung zu unterstreichen? Genau diese Saetze machen den Artikel eben NICHT wertfrei, sondern er wertet ganz gehoerig. Das ist vielleicht so gewollt und nicht per se schlimm, aber nicht hinterher behaupten man haette nicht gewertet. 😉

            Was mich persoenlich interessieren wuerde, woher weiss man so genau dass der Tod des Kindes an der ueberreifen Plazenta lag? Ich zweifle das jetzt gar nicht an, ich wuerde das nur gerne verstehen. Gibt es bei so einer Situation keine anderen moeglichen Todesursachen?

          • “Abstillen” bedeutet zu verhindern, dass die Milchbildung beginnt, wenn es kein Kind gibt, dass man stillt.
            Das Versagen der Plazenta hat eine pathologische Untersuchung des Gewebes (nach schriftlicher und ausdrücklicher Zustimmung der Mutter natürlich) ergeben. Eine Nabelschnurumschlingung, die vielleicht ein anderer Grund für den Tod des Kindes sein könnte, hätte man bei der Geburt gesehen. Das war nicht der Fall.

  4. Zum letzten Kommentar: Schulmedizin IST Medizin. Es gibt sonst NICHTS anderes, das nicht Scharlatanerie oder Hokuspokus wäre. Jegliche „ganzheitliche“ „chinesische“ „kristallaura“ Therapie ist, sobald es den Hauch einer Chance gab, dass es helfen könnte, auf ihren therapeutischen Effekt hin geprüft wurden. Und entweder wurden sie widerlegt, oder sie gingen in das „böse“ schulmedizinische Repertoire ein. Medizin lebt nämlich auch vom wissenschaftlichen Fortschritt und in der Wissenschaft wird eine These nicht nach Hörensagen abgelehnt (aber auch nicht angenommen), sondern nach empririscher Testung.

    Zu Story: Kenn ich. Eine Bekannte von mir ging ins Geburtshaus, weil „natürlicher“. Geburt war lang und hart, aber Kind kam wenigstens lebendig raus. Leider die Plazenta nicht so ganz, die hatte nämlich nach dem Stress keine Lust mehr sich anständig zu lösen. Die einsetzende massive Blutung veranlasste die Geburtshaushebamme immerhin ihren Gatten, einen Mediziner, wir wissen nicht welche Fachrichtung, hinzu zu holen, der immerhin die Blutung zum stoppen brachte. Leider kam es postpartal zur Infektion und meine Freundin hätte fast ihren Uterus, wenn nicht ihr Leben, verloren.

  5. Danke Flämmchen, ich denke du hast den Punkt ganz genau erfasst. Es ist mir persönlich völlig schnuppe, ob jemand gerne um jeden Preis eine Hausgeburt hätte und dabei verblutet, weil kein OP, keine Kontraktionsmittel und keine Blutkonserven in der Nähe sind. Es ist mir auch egal, wenn Frau Grün gerne 15 Tage übertragen möchte, weil sie das für natürlich hält. Ich glaube zwar nicht, dass es im Sinne der Natur ist, dass das Kind noch im Mutterleib steckt, wenn die Plazenta ihre Arbeit einstellt, aber gut… Aber was mich wütend macht, und das halt nichts mit Hochmut gegenüber Alternativmedizin zu tun, ist dass Frau Grün jetzt uns als die Schuldigen betrachtet. Es war in allererster Linie ihre Entscheidung, die zu dieser für alle sehr unbefriedigenden Situation geführt hat. Und es ist ja nicht so, dass wir einfach in blindwütigem Aktionismus an den Patientinnen herumdoktorn. Wir haben über viele Jahre Dinge gelernt, die die Erfahrung als das Beste für die Patienten eingestuft hat. Und danach handeln wir. Weil uns nämlich genau dieses Beste der Patienten am Herzen liegt. Und wenn eine Patientin sich mit Händen und Füßen gegen unser Wissen wehrt, dann ist das ziemlich schwierig. Was sollen wir denn anderes tun, als zu sagen: Dann können wir Ihnen wohl nicht weiterhelfen?

    • Warum war die Dame überhaupt in der Klinik? Frauen die selbstbestimmt ihr Kind bekommen wollen, bleiben doch eher daheim.

      Will die Frau mit rechtlichen Schritten gegen die Klinik vorgehen?
      Im schlimmsten Fall kommt es dann zu noch strengeren KH-Richtlinien wie zB Dauer CTG – was mit einer natürliche Entbindung gar nichts mehr zu tun hat.-

      Es will einfach nicht in die Köpfe rein, dass eine Schwangerschaft oder Geburt nichts krankhaftes ist. Keiner trägt die Schuld.

      Ich frag mich sowieso wie es zu einer dermaßen hohen Bevölkerungszahl kommen konnte, obwohl es die „Entbindungsmedizin“ noch gar nicht so lange gibt…

  6. „Wir haben über viele Jahre Dinge gelernt, die die Erfahrung als das Beste für die Patienten eingestuft hat“: Ich möchte gern wissen – und das ist kein Angriff, es interessiert mich wirklich – wie viele ’natürliche‘ Geburten Sie in Ihrer Klinik sehen, also Geburten, die ohne jeglichen medizinischen Eingriff vonstatten gehen (Einleitung, Saugglocke, Kristellern, Dauer-CTG ect.)? Herrscht denn im Krankenhaus überhaupt grundsätzlich die Meinung vor, dass Geburten ohne medizinischen Hintergrund machbar wären? Da liegt m.E. das Problem – wenn man als Frau sicher sein könnte, dass nur zum eigenen Besten gehandelt wird, ohne jegliche finanzielle Interessen und ohne Panikmache (wobei ich Ihrer Klinik das hier nicht unterstellen möchte!), dann wäre man vermutlich eher bereit, auch auf entsprechende Ansagen früher zu hören.

    • Die Anzeige ist natürlich unter aller Sau, da medizinische Aufklärung stattgefunden hat. Da bin ich Ihrer Meinung.

    • Hallo junikäfer,
      hm, die Frage ist ein bisschen schwierig zu beantworten. Vielleicht gibt das einen Eindruck: Der Nachtdienst übergibt in der Frühbesprechung im Schnitt 4 Geburten pro Nacht. Etwa jeden zweiten Morgen ist da eine Geburt mit Saugglocke, Sectio oder Kiwi dabei. Episiotomien gehören bei uns gar nicht zum Standartrepertoire. So beschränkt sich die medizinische Versorgung in den meisten Fällen auf das Nähen einer möglichen Geburtsverletzung. (Das betrifft jede 2.-3. Frau etwa, wobei kleine Scheidenrisse, die sich gut anlegen, z.B. üblicherweise nicht genäht werden.
      Ich weiß natürlich nicht, in wie weit Unsere Kleine Klinik repräsentativ ist. Wir sind sehr stolz auf eine wenig invasive Geburtshilfe. Hier werden auch Beckenendlagen und Zwillinge spontan entbunden. Unsere Sectiorate liegt mit unter 20% unter dem deutschlandweiten Durchschnitt.
      Zu bedenken geben möchte ich noch, dass es nicht immer die Ärzte sind, die auf medizinisches Eingreifen drängen! Viele Frauen bei uns äußern von sich aus den Wunsch nach einer PDA, was wir gerne vermeiden, weil es den Geburtsvorgang oft verzögert. Und regelmäßig wird ein Kaiserschnitt auf Wunsch der Mutter gemacht, die nach 5 Stunden unter Geburt zu erschöpft ist um weiter zu pressen.

      • Danke fuer die Zahlen, das ist sehr interessant.
        Wie sieht es denn mit Schmerzmitteln, PDAs, Wehenhemmer/Wehentropf aus, also generell alles was zur Interventionskaskade zaehlt? Werden die bei Euch auch so selten eingesetzt? Und wenn ja, wo ist diese Klinik? 😀 Hier bei uns sieht das leider anders aus.
        Gerade wenn bei Euch die Sectiorate (nur sekundaer, oder inkl primaerer Sectio?) so niedrig ist, moechte ich nicht wissen wieso die Rate bei uns in der Dorfklinik um die Ecke bei ueber 45% liegt.

        • Ich sage ja, unsere Klinik ist wahrscheinlich nicht repräsentativ. Wir sind sehr stolz auf eine sehr sanfte Geburtshilfe. Eine PDA ist zum Beispiel etwas, wovon wir abraten. Am Ende sind es vielleicht 20% der Frauen, die trotzdem eine PDA wünschen. Und das sind auch hauptsächlich die Patientinnen, die in der Austreibungsphase am Ende der Geburt einen Wehentropf benötigen, weil die PDA den Geburtsfortschritt ausbremst. Wehenhemmer setzen wir etwas regelmäßiger ein, wenn das CTG einen beunruhigenden Abfall der Herztöne zeigt, ist das die erste Reaktion um sich ein bisschen Zeit für weitere Reaktionen zu verschaffen. (So genaue Zahlen kann ich da leider nicht liefern wir für die Kaiserschnitte und Vakuumgeburten)

  7. @t Junikäfer: Ich verstehe sehr wohl, dass es vielen Frauen immer wieder um die Durchführung der „natürlichen“ Geburt geht, aber man sollte sich auch einmal vor Augen halten, dass es zu Zeiten, als die „natürliche“ Geburt auch in Deutschland noch Gang und Gäbe war, eine Säuglingssterblichkeit gab, die um ein vielfaches höher lag, als heutzutage.

    Die wenigsten Ärzte machen Kaiserschnitte, Vakuum oder Zangenentbindungen, weil sie gerade nichts anderes zu tun haben, oder weil dadurch ein 5-stelliger Geldbetrag ohne Umwege auf das eigene Konto überwiesen wird. Das Geld für Kaiserschnitt und Co geht auch heute noch in erster Linie an das Krankenhaus und wird von dort aus – nach allen möglichen Abzügen – anteilig an die Chefärzte weiter geleitet. MEINEM Gehalt ist es aber schlussendlich völlig egal, ob ich pro Jahr 5 oder 500 Kaiserschnitte durchführe. Vielleicht gibt es zu Weihnachen mal eine Schachtel Ferrero-Küsschen statt der immergleichen Merci. Aber sonst bleibt alles beim alten.

    • Vielleicht nicht wegen Geld aber wegen anderer egoistischer Gründe. Ich bekam einen Kaiserschnitt weil Herr Oberarzt keine Lust hatte an seinem Bereitschaftsdienst längere Zeit im Krankenhaus zu verbringen. Der Herr war nämlich zuhause. Da geht schnell schnippeln natürlich schneller als eine Geburt zu betreuen die noch gut einige Stunden gehen kann.

      Aber natürlich nicht ohne Panik zu verbreiten. SIE und ihr KIND werden sterben wenn sie nicht sofort unterschreiben….

      Nunja das ganze liegt jetzt auch bei der Staatsanwaltschaft. Denn es gab KEINEN Grund für eine Sectio. Das bestätigt auch ein Gutachten.

      Achja was ist überhaupt Aufklärung? Gab es nicht. Aber dennoch fälscht man dann mal die Akten und begeht dabei den Fehler mit dem Mann (Arzt) sich selbst ins aus katapultiert. Oder wie ist es möglich rechtswirksam in einen Eingriff einzuwilligen und man erst im nachhinein angeblich über die Risiken aufgeklärt wird – genau in dieser Reihenfolge findet man es bei mir in den Akten. Und von Einwilligung kann auch keine Rede sein nach Panikmache und unter Druck setzen bei hmm was war noch gleich achso ja stimmt „CTG gut“. Doch wirklich ganz schlimme Notsituation.

    • Naja, aber daraus lese ich, dass es eben doch um finanzielle Interessen geht – vielleicht nicht um Ihre persönlich, aber um die der Klinik (und der Chefärzte…also potentieller Vorgesetzter). Eine Klinik ist nicht zuletzt auch ein Wirtschaftsunternehmen. Und die Säuglingssterblichkeit von anno dutt…also sorry, aber da spielen wohl andere Faktoren wie mangelnde Hygiene, 12 Geburten in 13 Jahren und unterernährte Mütter eine größere Rolle. Nichts gegen NOTWENDIGE Kaiserschnitte, aber die Schere zwischen „medizinisch unabdingbar“ und den tatsächlichen Zahlen klafft m.E. ziemlich drastisch auseinander (und das können nicht nur die Wunschkaiserschnitte sein).

  8. so ein quatsch, herr chaos.
    zur säuglings- und müttersterblichkeit sei ihnen folgende seite wärmstens ans herz gelegt:
    http://www.mamortal.de
    die heutige sectiorate steht in keinem verhältnis zur kaum sinkenden sterblichkeitsrate bei neugeborenen, wohl aber in kausalem zusammenhang mit der steigenden müttersterblichkeitsrate.

    daß kinder auch bei verbleiben im mutterleib über 14 tage nach termin nicht einfach so versterben, belegt die sterblichkeitswahrscheinlichkeit für diese gruppe. sie liegt bei etwa 6 promille. im umkehrschluss bedeutet das, daß bei abwartendem verhalten 99,4 % der kinder lebendig und gesund geboren werden. ich kann daher die mutter sehr gut verstehen. was bei der genannten geburt schiefgelaufen ist bzw. woran das kind letztlich wirklich gestorben ist, wird eine obduktion zeigen können. die spekulationen über einen zusammenhang mit einer erratenen terminüberschreitung (errechnet möchte ich nicht sagen, da sich eine schwangerschaftsdauer ungefähr so exakt vorhersagen lässt wie das wetter nächstes jahr an ostern) sind reichlich weit hergeholt und entbehren jeglicher grundlage, sondern gehören vielmehr ins reich des ratens – wenn man nichts genaues weiß, ist so ein termin ein dankbarer schuldiger. und wenn der es nicht war, dann sicher die nabelschnurumwicklung oder die mangelnde kooperation der mutter.
    schade, daß ihr mediziner immer noch nicht verstanden habt, welche bedingungen für eine komplikationsfreie geburt gegeben sein müssen. technikgläubigkeit und überwachungswahn gehören jedenfalls nicht dazu. arme frau, armes baby.

    • Ich muss sagen, vielleicht verstehe ich nicht so ganz worüber hier diskutieren, aber ganz offenbar war diese Geburt doch alles andere als komplikationsfrei. Es ist zur schlimmsten Komplikation gekommen, die ich mir vorstellen kann. (Und die übrigens alle Beteiligten betrifft, die Familie und das Entbindungsteam, wenn vielleicht auch nicht mit der gleichen Stärke.)
      Und das alles ist bei einer Gebrut passiert, bei der man bis zur aller letzten Entscheidung (dem Einsatz der Saugglocke) in allem den Wünschen der Mutter entsprochen hat. Frau Grün wurde zu gar nichts gezwungen! Nicht zur Einleitung, zu keiner Sectio, sogar auf das CTG wurde ja lange Zeit verzichtet. Ich verstehe nicht, wieso sich hier jeder darüber aufregt, dass wir die Frau zu irgendwelchen medizinischen (und gar nicht indizierten) Behandlungen gezwungen hätten!

  9. @patience

    Endlich mal ein vernünftiges Kommentar. DANKE
    Mein Beileid der Mutter und eine Kerze für das Baby.

  10. @t patience:
    ich habe mitnichten irgendwo mitgeteilt, dass ich kaiserschnitt an sich gut finde oder befürworte, ich hatte mich auf die natürliche geburt berufen, und was die anbetrifft, gibt es eine enorm große bandbreite an vorstellungen, was das zu sein hat. bitte genau lesen und nicht einfach in irgendwelche schubladen stecken.
    das ein nicht unerheblicher anteil (weltweit) durchgeführter schnittentbindungen durchaus auf wunsch der MUTTER geschieht und diese dann in die rate der mütter- und säuglingssterblichkeit mit einfliessen, sollte nicht vergessen werden. es gibt in deutschland geradezu ein kaiserschnitt-nomadentum: machst du mir den kaiserschnitt nicht dann, wann ich will, geh ich an ein anderes haus, und die machen ihn mir. es ist wahrhaftig nicht alles schwarz-weiss, auch wenn es sich so natürlich viel leichter vorverurteilen lässt.

  11. Baby unser in Utero
    geheiligt werde dein Termin
    deine Geburt komme
    ärztlicher Wille geschehe
    wie in der Praxis so auch in der Klinik

    Unser tägliches CTG gib uns heute
    und vergib uns unsere Zweifel
    wie auch wir vergeben unseren Richtlinien

    Und führe uns nicht in Versuchung
    sondern erlöse uns von der Hausgeburt

    Denn dein ist die Einleitung und die PDA und der Kaiserschnitt
    Amen.

  12. jetzt muss ich mich doch mal kurz hier einmischen und be einem fremdverfassten Artikel meinen Senf dazugeben.

    Ich finde die angestoßene Diskussion ist richtig, wichtig und interessant. Es kommen viele Themen zur Sprache, die man bedenken sollte. Was ich aber nicht gut finde ist, wie mit der Autorin Spekulantin verfahren wird. Ich möchte nochmals betonen, dass es sich bei allen Autoren dieses Blogs um ANGEHENDE Ärzte geht, die aus den Erfahrungen und Erlebnissen in ihrem Praktischen Jahr berichten. Weder haben wir Entscheidungsgewalt, noch sind wir in irgendeiner Weise einer finanziellen Extrazuwendung durch durchgeführte Prozeduren o.a. verbunden.
    Spekulantin äußert sich am Ende ihres Artikels sehr deutlich darüber, auf welchen Ebenen alles Fehler unterlaufen sein können und welche zahlreichen Faktoren und unterschiedlichen Facetten in diesem Fall zu bedenken sind. Sie gibt keinesfalls die Schuld allein Frau Grün – der Titel ist natürlich zugegebenermaßen zugespitzt, um eine Diskussion anzuregen (und Besucher auf den Artikel zu locken). Aber wer den Artikel dann KOMPLETT gelesen hat, der wird hoffentlich gemerkt haben, dass es der Spekulantin darum ging zu zeigen, dass Ärzte immer in Zwiespalt stehen zwischen dem Wohl der Mutter, dem des Kindes und der Angst, dass am Ende irgendetwas schief geht aufgrund einer Entscheidung, die sie selbst trafen oder der Mutter überließen (und diese dann nachher klagen wird, weil doch irgendetwas schief lief).

    Ich kenne Spekulantin und ich kann versichern, dass sie die Letzte ist, der es nur um schnelle Abfertigung der Patienten geht oder der es nur darum ginge, die Schuld aus der Klinik heraus und auf die Mutter zu übertragen. Vielmehr schätze ich Spekulantin so ein, dass sie wohl überlegt und durchdacht die Situation schildert und in diesen Situationen später im Sinne aller und mit Rücksprache der werdenden Familie entscheiden wird.

    Also: bitte beruhigt euch doch alle, führt eine sachliche Diskussion ohne Angriffe auf die Autoren und gebt uns sehr gerne euer Feedback. Auch daraus lernen wir – denn dadurch sehen wir als angehende Ärzte, was unsere spätere Patienten denken, fühlen und worauf wir besonders sensibilisiert sein sollten.

    Danke euch 🙂

  13. ohne jetzt irgendjemandem die schuld zuweisen zu wollen: ich kenne jemanden, der in onkologischer behandlung ist und auch nicht unbedingt begeistert ist, von der art wie er behandelt wird. er entscheidet sich auch teilweise gegen den aerztlichen rat und aus den gespraechen mit ihm hoere ich oft heraus, dass er sich gar nicht genug informiert fuehlt. udn ich denke da muss angesetzt werden. das gespraech mit dem patienten ist (meiner meinung nach) eines der wichtigsten „instrumente“ zur diagnose, behandlung und vor allem compliance (um mal was neudeutsches aus den vorlesungen mit rein zu werfen :D) und ich glaube da liegt oft auch das problem. ich denke bei manchen patienten muss man laengere gespraeche fuehren und ein „haerteres“ vokabular verwenden. ein „koennte evtl vllt unter umstaenden sterben“ klignt halt nicht so eindringlich wie ein „die wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch“.. aber auf der anderen seite weiss ich, dass fuer sowas einfach keine zeit/kein geld/kein personal da ist.

  14. @Ich

    „die wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch“ war doch an der stelle gar nicht gegeben. und „könnte evtl. vll. unter umständen sterben“ gilt immer, menschen sind sterblich und auch un- oder neugeborene sterben, sogar unter ärztlicher „aufsicht“.

    @spekulantin,

    mich würde hier an der stelle interessieren, ob die geschilderte situation nicht eine gewisse diskrepanz darstellt zwischen einer kindlichen herzfrequenz von 120 und 0 innerhalb von 10 minuten. wie ist das denn mit der spekulation zu erklären, dass die plazenta just in diesen 10 minuten die arbeit einstellt?

    innerhalb von diesen 10 minuten wäre doch das baby auch nicht lebendig sektioniert worden.

    ist es eigentlich klar, dass die frau selbst klagt oder kann das auch die versicherung sein (wahlweise evtl. auch der ehemann, eltern, schwiegereltern etc…)?

    so ein trauerprozess ist sicher auch keiner, wo man rational und logisch denkt oder den eigenen wertvorstellungen oder lebensphilosophien absolut treu ist.
    eine frau, die sich bewußt für eine interventionslose geburt entscheidet, weiß normalerweise, dass sowohl sie selbst, als auch ihr baby sterblich ist und auch, dass die verantwortung bei ihr liegt (was die meisten „arzthörigen“ frauen wahrscheinlich nicht wissen).

    und noch eine etwas provokante frage an die angehenden „geburtshelfer“ (in „“, weil… beantwortet sich in meiner folgenden frage):

    wißt ihr eigentlich, dass schwangerschaft und geburt ein, normalerweise, natürlicher vorgang ist, der eigentlich keiner hilfe im medizinischen sinn bedarf?

    medizin ist ein segen, ohne zweifel, WENN man krank ist. natürlich auch, wenn es in schwangerschaft oder unter der geburt zu pathologischen störungen kommt, aber viele dieser komplikationen entstehen erst durch die störung von außen, die das natürliche und sensible gleichgewicht von mutter und kind empfindlich stören.

    • „Im Ultraschall sah alles was wir beurteilen können gut aus. Man erklärte ihr, dass dies eine Momentaufnahme sei. Man riet ihr (zunehmend drängender) zur Einleitung, sprach über Nelkentampons und sonstige paramedizinische Möglichkeiten. Sie lehnte ab. Es sei doch alles gut. Man erklärte ihr nochmals, dass wir das nur für den Moment sagen könnten, dass die Plazenta zunehmend altert und immer schlechter arbeitet, dass die Gefahr für das Kind steigt. Sie lehnte ab. Am ET+13 rief die Assistentin die Oberärztin dazu, als die Patientin nicht einmal einsah, warum sie von nun an täglich zur Kontrolle kommen sollte. Zu viel Ultraschall schade doch dem Kind. Die Oberärztin klärte in einem langen Gespräch auch über den möglichen Tod des Kindes im Mutterleib auf“

      klingt fuer mich aber schon nach „es ist sehr wahrscheinlich und wird immer wahrscheinlicher“

      • und dass man immer sterben kann, ist mir auch klar. nur ist es nicht die regel ueber die strasse zu gehen und ueberfahren zu werden, sondern die ausnahme. aber wenn man ueber ne autobahn laeuft steigt die wahrscheinlichkeit halt exponentiell.

    • ich möchte nur kurz zum letzten Abschnitt eine Anmerkung machen: für uns Jungmediziner ist die normale Schwangerschaft in der Tat kein pathologischer Zustand und ja, Schwangerschaft ist keine Krankheit.

      Aber: dann muss es den Patientinnen auch klar sein, dass der entgegengebrachte hohe Anspruch an die Weißkittel nicht immer erfüllt werden kann. Heutzutage übernehmen Patienten immer seltener eigene Verantwortung und wollen vom Arzt wissen und hören, was zu tun ist. Wenn dann aber entgegen der Erwartungen irgendetwas Unvorhergesehenes passiert (sei es, dass um bei der Gyn zu bleiben im Ultraschall eine Missbildung des Kindes übersehen wird o.a.), dann wird schnell mit Anwalt und Klage gedroht und der Aspekt der Natürlichkeit tritt schnell in den Hintergrund.
      Warum kann man als Patient, der seine eigene Entscheidung treffen soll, nicht auch dann dazu stehen, wenn etwas anders als geplant abläuft und nicht plötzlich danach die Verantwortung für alles Geschehene beim Arzt suchen?!

      • da stimm ich dir 100%ig zu, wenn selbstbestimmt, dann auch eigenverantwortlich… zumindest für den teil, der aus selbstbestimmung unterlassen wurde, den kann man/ frau dann nicht den anderen, in dem fall den ärzten, in die schuhe schieben.

    • Offenbar habe ich das mit den Herztönen nicht gut genug geschildert für Leute, die mit dem CTG nicht vertraut sind. Ich verweise auch mal auf meinen Artikel zu diesem Thema.
      Also: Die Herzfrequenz lag nie bei 0, sondern ist von einer normalen kindlichen Grundfrequenz von etwa 130bpms wehenunabhängig und wehenabhängig immer wieder auf Werte bis zu 50 bmps abgesunken und hat sich zunehmend langsamer erholt. Das meine ich mit laufend schlechter werdendem CTG. Und dann hat sich die Aufzeichnung relativ plötzlich bei 120 bpms stabilisiert. Das ist für eine kindliche Frequenz in Ordnung und für eine mütterliche Frequenz unter Geburt denkbar.
      Und ja, eine akute Plazentainsuffizienz ist leider ein Prozess von Minuten.
      Eine Notsectio lässt sich in unter 7 Minuten durchführen. Und unsere Kreissäle sind alle entsprechend ausgestattet.
      Natürlich ist eine Schwangerschaft ein natürlicher Vorgang, aber wir reden hier von einer Schwangerschaft, die leider nicht natürlich verlaufen ist, denn natürlich ist eine Geburt nach 40 Schwangerschaftswochen. Und das ist der Moment an dem auch für eine Schwangere die Medizin ins Spiel kommt. Eine gesunde Schwangere stellt sich bei uns etwa 3 Wochen vor Geburt einmal vor um unseren Kreissaal und das Team kennen zu lernen und damit auch wir die Frau kennen lernen können. Mehr haben wir mit ihr nicht zu tun, bis wir uns im Kreissaal für Probleme zur Verfügung halten.

      • eine geburt nach 37 wochen oder nach 43 ist genauso natürlich. die menschliche schwangerschaftsdauer (ebenso wie die anderer säugetierarten) schwankt und ist von vielen faktoren abhängig.

  15. der titel ist in dem fall übrigens unter aller sau gewählt! das impliziert nicht nur, dass die frau selbst schuld ist und ein totes baby in kauf genommen hat, sondern, dass sie den tod ihres kindes sogar gewollt hat.

  16. Ich finde es sehr schade, dass aus einem Beitrag der zum Nachdenken anregen soll wieder so eine emotionsgeladene Hetzkampagne gegen einzelne gemacht wird.

    Geburt ist etwas Natürliches. Geburt an sich ist aber auch eine gefährliche Sache. In Gebieten ohne medizinische Versorgung ist die Mortalität nicht unerheblich. Die Natur akzeptiert ohne weiteres 10% (Verzeihung und nur allgemein gemeint) Fehlerrate. Die moderne Medizin nicht.
    Jeder Frau in Deutschland steht es frei zu entscheiden, wie sie gebären möchte: Von alleine zu Hause bis zu per Wunschsectio in Vollnarkose. Nur muss Frau dazu stehen.
    Und ich kann denn Titel nachempfinden. Ich rede mir den Mund fusselig – bis zum möglichen Kindstot. Weil ich mir Sorgen mache, weil die Fakten ungut sind und mir meine Erfahrung (die mehrere Tausend Geburten überblickt) ein schlechtes Gefühl gibt. Und jetzt soll ich daran Schuld sein? Das trifft einen gewissenhaften Geburtshelfer ganz schön hart.

    Was man auch immer von der Schulmedizin hält – da schließe ich mich meinen Vorrednern an – es geht im Endeffekt für alle darum Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

  17. Der Beitrag selbst ist sehr gut und differenziert geschrieben. Was mich stört, ist die Überschrift, die wie eine Schuldzuweisung an Frau Grün wirkt.

    Meine Gedanken dazu: Möglicherweise ging es Frau Grün nicht allein um eine natürliche Geburt, sondern ihre Ablehnung der medizinischen Maßnahmen könnte eine unbewusste Angst vor dem Verlust der Kontrolle sein oder/und die Angst davor, als Mutter versagt zu haben, wenn die Geburt nicht perfekt verläuft und medizinische Hilfe notwendig wird. Angst vor Kontrolle, weil sie nicht weiß, wie zB die Medikamente wirken. Ob sie dem Kind schaden, wie ihr eigener Körper darauf reagiert. Denn sie hat das Ganze dann ja nicht mehr unter Kontrolle. Wäre sie eine Öko-Schwangere, die sich die Natürlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat, wäre sie nicht in einen Klinik, sondern in ein Geburtshaus gegangen.

    Diese Ängste hätte man in Erwägung ziehen und bei einer der Untersuchungen ansprechen müssen. Dazu kommt noch, dass Frau Grün offensichtlich bei fast jeder Untersuchung mit einer neuen Ärztin konfrontiert wurde. Okay, dass lässt sich in einer Klinik vermutlich nicht anders organisieren. Aber dadurch konnte auch kein Vertrauen aufgebaut werden. Und das hinderte Frau Grün möglicherweise auch, die medizinischen Notwendigkeiten zu akzeptieren. Aus Angst, hilflos ausgeliefert zu sein.

    Vielleicht hätte man Frau Grün auch ganz deutlich sagen müssen, dass das Kind in ihrem Bauch jederzeit sterben kann. Und auf jeden Fall hätte sie unterschreiben müssen, dass sie allein die Verantwortung übernimmt, wenn sie gegen ärztlichen Rat handelt. Möglicherweise hätte schon allein die Unterschrift unter eine solche Erklärung zum Nachdenken und zur Verhaltensänderung bei Frau Grün geführt.

    Der Grund für die Anzeige könnte sein, dass Frau Grün nach dem Tod ihres Babys von Schuldgefühlen geplagt ist. Für sie ist die Tatsache, dass sie schuld sein könnte, unerträglich. Zum einen ist es furchtbar für sie, dass ihre Ablehnung der medizinischen Maßnahmen die Ursache für den Tod ihres Kindes sein könnte. Zum anderen ist es schrecklich für sie, dass sie als Mutter versagt hat, dass sie ihr Kind nicht gesund zur Welt bringen konnte. Sie schämt sich dafür. Wenn sie ihr eigenes Versagen akzeptieren würde, dann würde ihr Selbstbild zusammenbrechen. Dann wäre das Weiterleben für sie unerträglich. Das kann und darf also nicht sein. Also verdrängt sie ihre Schuld und sucht nach einem anderen Schuldigen. Denn wenn die Ärzte versagt haben, dann ist sie selbst von der Schuld und vom Versagen reingewaschen. Und so erstattet sie Anzeige. Sie rechnet fest damit, dass am Ende die Schuld der Klinik festgestellt wird. Dann kann sie allen das schriftliche Urteil zeigen. Sie ist dann nicht mehr Schuldige, sondern ein unschuldiges Opfer, was nichts für den Tod des Kind kann.

    Mein Beitrag soll keine Schuldzuweisung an irgend jemanden sein. Nur eine mögliche Erklärung für das unverständliche Handeln von Frau Grün. Und es sind auch nur Vermutungen meinerseits. Mehr nicht.

    • Danke für deinen Kommentar. Ich finde du bringst da ein paar sehr interessante Gedanken zum Ausdruck, denen ich zustimme. Es ist ein verzweifelter Versuch das Geschehene zu verarbeiten und es ist bestimmt leichter zu ertragen, wenn man sich nicht auch noch mit seiner eigenen Verantwortung am Verlauf auseinandersetzen muss. Sie hat es auch so schon schwer genug.

      Was nicht richtig ist: Frau Grün wurde in sehr klaren Worten genau über den möglichen Tod des Kindes aufgeklärt und als die Assistenzärztin das Gefühl hatte nicht zu ihr durchzudringen, hat sie die Oberärztin dazu gerufen, in der Hoffnung, dass deren Wort mehr Gewicht hat.

      Ich finde deine Vermutungen jedenfalls einen schönen Beitrag zu einer sachlichen Diskusion, die ich mit diesem Artikel gerne anstoßen wollte.

      • Wenn mit Frau Grün schon während der Voruntersuchungen Klartext gesprochen wurde, dann deutet das daraufhin, dass sie die Informationen über die Risiken komplett verdrängte. Sie wollte eine Bilderbuchgeburt. Etwas anderes kam für sie nicht in Frage. Im Ultraschall sah alles gut aus. Sie selbst fühlte sich gut. Alles andere ließ sie nicht an sich heran. Komplikationen gibt es nur bei Anderen, nicht bei ihr.

        Sicher tragen zu einer solchen Haltung auch Meinungen bei, dass eine Geburt eine natürliche Sache ist, dass die Schwangerschaftsdauer schwankt, dass man den genauen Termin der Befruchtung nur errechnen kann, aber nicht genau weiß etc. Sieht man ja hier bei den teilweise sehr aggressiven Beiträgen. Eine Erstgebärende ohne eigene Erfahrung kann mit solchen Aussagen massiv unter Druck gesetzt werden. Denn wenn sie selbst diese „natürliche Sache“ nicht auf „natürlichem“ Weg hinbekommt, dann ist was an ihr falsch. Dann hat sie versagt.

        Klar, eine Geburt ist eine natürliche Sache. Aber wie Abeille schon schreibt: „Geburt ist etwas Natürliches. Geburt an sich ist aber auch eine gefährliche Sache. In Gebieten ohne medizinische Versorgung ist die Mortalität nicht unerheblich. Die Natur akzeptiert ohne weiteres 10% (Verzeihung und nur allgemein gemeint) Fehlerrate. Die moderne Medizin nicht.“

  18. meine güte geht es hier ab. warum werfen hier – ich nenn es mal „hausgeburten-befürworter“ den autoren vor, arrogant und abwertend zu schreiben?

    es ist fakt, dass eine frau, die 13 tage über dem termin ist und der mehrmals nahe gelegt wird, einzuleiten, weil es sonst gefährlich werden kann, sich dagegen entscheidet.

    „Man erklärte ihr nochmals, dass wir das nur für den Moment sagen könnten, dass die Plazenta zunehmend altert und immer schlechter arbeitet, dass die Gefahr für das Kind steigt. Sie lehnte ab. Am ET+13 rief die Assistentin die Oberärztin dazu, als die Patientin nicht einmal einsah, warum sie von nun an täglich zur Kontrolle kommen sollte.“

    es ist fakt, dass ihr erklärt wurde, dass es nur eine momentaufnahme sei und nicht einlenkte, wenigstens täglich zu kommen.

    es ist fakt, dass frauenärzte mehr erfahrung haben, einfach weil sie täglich komplikationen sehen.

    es ist fakt, dass man als schwangere frau zu einem sehr großen teil entscheiden kann, wie die geburt stattfinden soll (auch wenn jede 10. hausgeburt (normale schwangerschaft, keine risiko-ssw) mit komplkationen im KH landet, im zweifel vielleicht auch nicht rechtzeitig.)

    es ist fakt, dass die autoren fragen stellen, warum das so schief ging und dabei auch das eigene handeln hinterfragen. was will man eigentlich mehr?

    es sind andere, die hier abwertend schreiben, nicht die autoren. respekt vor euch PJlern, dass ihr noch so ruhig bleiben könnt!

  19. Zum Thema Wertung möchte ich nur noch eines sagen:
    Ja, ich bin der Meinung, dass Frau Grün die falsche Entscheidung getroffen hat. Ja, ich bin der Meinung, dass es nicht in Ordnung von ihr ist, jetzt die Klinik zu verklagen. Aber indem ich Entscheidungen und Verantwortung in Frage stelle, treffe ich keine Aussage über Frau Grün als Mensch. Ich habe sie persönlich nie als dumm bezeichnet.

  20. Pingback: füttern verboten!? « schlimmer geht immer

  21. Immer, wenn erwähnt wird, dass es sich bei der Geburt um einen natürlichen Vorgang handelt, wird vergessen, dass es sich beim Sterben doch auch um einen natürlichen Vorgang handelt. Da wir uns aber doch schon weit von der Natur entfernt haben, macht es Sinn, die Medizin ins Spiel zu bringen. Gerade weil die meisten keine 10 Kinder zur Welt bringen wollen, damit am Ende dann 2 überleben, um es mal überspitzt auszudrücken.
    Es ist doch sehr wahrscheindlich, dass Frau Grüns Kind bei einer wirklich „natürlichen“ Geburt außerhalb des Krankenhauses auch gestorben wäre. „Natur“ bedeutet doch nicht immer „gut“. Der „Natur“ reicht es doch, wenn unter dem Strich genügend Exemplare zum Fortbestand der Spezies ausreicht.

    • bitte richtig informieren und keinen solchen quatsch verzapfen.

      German Out of Hospital Study (5-Jahres-Studie) [Link entfernt, da Werbung enthalten]
      Qualitätssicherung Außerklinische Geburtshilfe – Statistiken 2001 – 2010 [Link entfernt, da Werbung enthalten]

      • Eine SSW dauert 40 Wochen? In JEDEM Lehrbuch steht, dass sich an diesen Termin nur ein Bruchteil der Baby’s hält. Die meisten kommen in einem Zeitraum von +/- 14 Tagen. Wobei ja Heute meist ET + 6 schon eingeleitet wird.
        Mir empfahl man nicht über ET 8 zu gehen, mein Kind kam ET +10 völlig gesund und auf den Punkt gegart 😉 zur Welt- einen Tag vor dem Termin, den ich selbst errechnet hatte!
        Ich habe noch ET +7, ET + 11 und ET + 17 im Angebot. Woran das liegt? Ich bin durch und durch unnormal und habe einen Zyklus zwischen 35 und 40 Tagen, der ES beim letzten Kind war an ZT 21 oder 24 nach vorangegangener Fehlgeburt (ohne Curettage). Wenn auch bei den ersten drei Schwangerschaften nur einmal jemand die erweiterte Naegele- Regel angewandt und/ oder den Konzeptionstermin berücksichtig hätte wäre mir beim ersten Kind vermutlich nicht eingeredet worden mein Kind sei wachstumsretardiert- vielleicht wollte man mich auch abbringen im GH/zuhause zu entbinden?
        Beim 2. und 3. habe ich mich nicht mehr verrückt machen lassen und die FÄ bei der 4. Schwangerschaft hat sogar den Termin nach US nochmal nach hinten verschoben- so war die Geburt dann nicht ET+17 sondern ET+3.
        Und ich bin sicher nicht die einzige Frau in D mit einem langen Zyklus. Aber egal, leiten wir bei ET+ 6 ein, gibt ja Geld!
        Was mich am meisten stört. Man wies sie darauf hin das es nur eine Momentaufnahme sei. Warum ist ein US/CTG, der/ das in Ordnung ist „nur“ eine Momentaufnahme und ein schlechteres immer gleich eine Katatrophe?
        Und wäre es nicht denkbar, dass bei der VE was falsch gelaufen ist?
        Warum haben alle Angst und wird die Ärztin blass, wenn alles gelaufen ist wie es sollte und aufgeklärt wurde?
        Und sind wir mal ehrlich, selbst WENN der Fehler bei der Ärztin läge- es wurde direkt nach der Entbindung sicher umfangreich (nach) dokumentiert, so dass nichts zu befürchten ist, oder?

  22. Oh je. Alle haben Angst vor der Vorverurteilungskampagne, die jetzt anläuft. Egal wie es ausgeht, es bleibt immer was kleben. Zudem dienen heutzutage Medizinprozesse nicht unbedingt der Wahrheitsfindung, sondern oft wird nachher nur noch irgendein finanzieller Kompromiss (durch Juristen!) gesucht. Die Dinge an denen es dann hängt sind gar nicht die möglichen ärztlichen Fehler, sondern Formalitäten. Das engt auch den möglichen (und hier geforderten) Behandlungsspielraum in vielerlei Hinsicht ein.

    @patience
    Zum Thema Studien. Wir leben in Zeiten von evidence based medicine. Berufen wurde sich hier im Forum weitestgehend indirekt auf „sichere Zahlen“ aus Bevölkerungsstatistiken. Aber ich gebe Dir insofern Recht – die „Überlegenheit“ der Klinikgeburt und auch vieles andere in der Geburtshilfe – wie der Nutzen der frühen Einleitung z.B. – lassen sich aktuell schwer nachweisen.

    Einer taucht in allen Studien allerdings immer sicher auf – der Tod.

    Mehr wurde hier nicht behauptet.

    @Katinka
    1. Geld? Geburtshilfe ist eher ein Verlustgeschäft für Kliniken. Die Einleitung lohnt sich so gesehen nicht;-)
    2. CTG: Stell dir vor, du sollst auf ein Haus aufpassen. Jedes mal wenn du vorbeifährst ist eine Momentaufnahme. Aber wenn Rauch aus dem Fenster kommt weißt du, das ist nicht in Ordnung – da brennts.

    • „Einer taucht in allen Studien allerdings immer sicher auf – der Tod“
      das ist es, was vielen wohl schwer fällt, zu akzeptieren.
      das werden auch 1000 CTG’s und 500 US nicht ändern können.
      es wird immer kinder geben, die sterben.
      die wachsende zahl an kaiserschnitten hat daran nichts geändert. der massive CTG-einsatz hat nur eines gebracht – höhe KS-zahlen, aber KEINE sinkende säuglingssterblichkeit. wie rockenschaub es so schön ausdrückt „CTG zeichnet herzschlag auf – kind lebt. CTG zeichnet nichts auf – kind ist tot, jede weitere aussage ist nicht mehr als orakelei“

  23. Auch ich möchte meinen eigenen blick auf die geschriebenen 48 Beiträge, dazu geben.
    Zuallererst möchte ich sagen das es sich um eine menschliche Katastrophe handelt die hier erzählt wird.
    Alle beteiligten haben darunter zu leiden. Eine Pyramide mit dem Tod des Kindes über die Eltern, den behandelnden Ärzten, Pflegepersonal usw. ein Graus für alle ! Möchte in keiner haut der beteiligten stecken. Die Wortwahl, der Satzbau und die Sinnhaftigkeit mancher aussagen in den Kommentaren
    lassen Respekt mit dem geschehen und dem Menschen dahinter vermissen.
    Ich weiß nicht warum das Kind gestorben ist. Wie soll ich da eine Stellung zu beziehen. Kann auch keine Wertung abgeben ob die Ärzte/Hebammen ihren Job gemacht haben. Das was ich weiß ist, das der Mensch keine Maschine ist. Jeder ist ein Individuum. In den vielen Kommentaren scheint mir der Mensch nicht mehr vorhanden, sondern nur noch als Maschine begriffen wird, die eine Funktion ausführen hat. Das gilt auch für werdende Mütter, Ärzte und Kommentar Schreiber.

    Respekt vor @spekulantin diesen Artikel verfasst zu haben. Nun, @spekulantin ist kein Journalist
    oder Fachfrau die sich mit diesen Metier professionell auskennt. Sicherlich wären da einige zusammenhänge vom Profi anders formuliert worden. Auf der anderen Seite, es gibt immer Trolle die alles anders sehen wollen, natürlich böse anders. Das bringt leider eine Veröffentlichung immer mit sich, leider. In den vielen Kommentaren wird fast immer ein anderes Thema zu der menschlichen Katastrophe dazu gegeben.
    @frau k. hat da schon einiges zu geschrieben. Ob es „hausgeburten-befürworter” sind, oder die Medizinkritiker oder Menschen die „zurück zur Natur“ postulieren, alles hat durchaus seinen Diskussionspunkt nur, es geht hier vollkommen an dem Artikel vorbei. Geht es doch um die suche nach einen schuldigen ! Eigentlich wird im Artikel alles in frage gestellt, mir jedoch erschließt sich der Eindruck das nun die Ärzteschaft unter Generalverdacht steht und nun ihre Unschuld, oder besser ihr handeln rechtfertigen sollen ohne genau zu wissen wo den der Haken an der Sache ist. Eine wirklich unschöne Situation. All das zerrt sicherlich an den nerven aller beteiligten, da diese ihren Job weiter machen müssen/wollen. Unschön wird auch die Aufarbeitung der Geschehnisse sein durch eine andere Instanz, der Judikative. Da sehe ich schon dunkle Wolken aufziehen. Eine andere Art der Funktion soll nun also Aufklärung bringen.

    Es wird, wie immer, ein Urteil geben. Ob der Mutter damit geholfen wird bezweifele ich. Ein weiteres mal werden wir sehen das nichts fix ist. Viele mühen und schwere Gänge werden da noch folgen. Vielleicht wird es noch weitere Katastrophen geben, wer weiß ich wäre nicht überrascht.
    Wünsche daher jeden der beteiligten viel kraft, einen festen stand und ein bisschen Weisheit die immer da ist wenn die Logik & Wissenschaft nicht weiter hilft.

  24. @ Abeille
    1. Geld: Geburtshilfliche Stationen rechnen sich nur, wenn genügend Sectiones durchgeführt werden und dienen zum anderen nicht selten als Werbefaktor oder bringen anderen Nutzen.
    Das KH hier setzt z.B. alles daran die Gyn nicht zu verlieren, damit die Krankenpflegeschule erhalten bleibt.
    (da war es auch egal, dass bis vor Kurzem ein dementer Belegarzt praktiziert udn operiert hat……)
    Ich würde mich in diesem Haus überall hinlegen aber nicht auf die Gyn!

    CTG: Gutres Beispiel- es kann aber auch sein, dass nur was angebrannt ist.
    Ein „schlechtes“ CTG ist auch nur eine Momentaufnahme nicht mehr nicht weniger!

    Übrigens @ Marmotta
    was heißt denn Öko-Schwangere?
    Ich arbeite in der Schulmedizin und hab mich gerade deswegen für eine HG entschieden.
    Schulmedizin ist toll: wenn man sie braucht!
    Und eine gesunde Schwangere gehört in die Hände einer guten Hebamme, die dann bei echten Komplikationen einen Facharzt hinzuzieht.

    Es ist auch nicht der Einzige Blog hier, der „so“ über die Patienten berichtet. Ich kenne diese Art Humor zwar und sie ist sicher auch oft Teil der Verarbeitung des Erlebten aber es wirkt auch abschreckend. Ganz ehrlich: ich möchte nicht von jemand behandelt werden, der so über die Patienten spricht und ihre Erlebnisse ins lächerliche zieht wie machne Blogger hier.

    • „der so über seine Patienten spricht“. JEMALS einen unserer anderen Artikel gelesen? Exemplarisch siehe:

      Und dann lies bitte diesen Artikel erneut.
      Danach kannst du gerne nochmals behaupten, dass wir uns lächerlich über unsere Patienten machen würden.

      • Orthopaedix, ich habe den Kommentar einer anderen Bloggerin gesehen und dachte (ja ich weiß, Pferde haben den größeren Kopf), ihr gehört quasi zusammen. Mein Fehler, ich werde mich hier bei euch genauer umsehen.
        Allerdings ändert das nichts z. B. an der Überschrift dieses Beitrages 😉

      • Es ging (mir zumindest) nie darum selbiges in Frage zu stellen, Schuld zu verteilen oder anzuklagen.
        Nur anbei.
        [LINK ENTFERNT]
        vielleicht mal zum Gucken 😉 und vielleicht verstehen, warum ich pieksend einfach mal so reingestampft kam 😉

        Mich treibt das hier um.
        Deshalb hab ich geschrieben, was ich geschrieben habe.

    • Was heißt denn konkret „so“? Welche Aussagen schrecken denn so ab.
      Die Überschrift bewusst außen vorgelassen. Die habe ich als bewusst provokativ und als Ausdruck von Frustration verstanden.

      Empfinde die Geschichten fast alle von großer Zuneigung zum Patienten und zum (zukünftigen) Beruf geprägt. Ich würde mich jederzeit vertrauensvoll behandeln lassen. Respekt für die, die im Schnittfeld von sachlich-kalter Naturwissenschaft und dem menschlichen Miteinander balancieren.

    • Das ist wie wenn ich ein EKG schreibe, keine Herzaktion sehe , tja Momentaufnahme! Vielleicht ist in 10 min ja wieder ein Herzschlag da, ich geh mal nen kaffee trinken …

  25. Wurde eine Obduktion veranlasst? Und zeigte diese die üblichen Befunde eines unerwarteten intrauterinen Fruchtodes, der nicht nur vor, sondern auch während der Geburt passieren kann? Konnte man das Hirnödem des Kindes, was vermutlich schon beim letzten Ulstraschall bestand, sehen? Bei einem tief komatösen Kind kann das Herz stabil weiterschlagen. Was sagt die Histologie des Herzens? 10-15 Prozent aller unerwartet verstorbenen Kinder zeigen einen genetisch veränderten Ionenkanal, der zu SUID oder zu SIDS führen kann (Kardiopathologe anfragen). Gibt es eine Untersuchung der Plazenta (auch toxikologisch und auf Virus-RNA)? Solche Fälle kommen häufiger vor und haben m. E. nichts mit der Einstellung der Schwangeren zu tun.
    Freundliche Grüße von einer forschenden Geburtshelferin

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