Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Leichen

4 Kommentare

Wir freuen uns über jede Frage rund um den Blog, das Medizinstudium und das PJ und versuchen eure Fragen hier zu beantworten. Sofern wir glauben, dass die gestellte Frage unsere breite Leserschaft interessieren könnte, erlauben wir uns anonymisiert eure Frage samt unserer Antwort hier zu veröffentlichen.

Heute geht es um folgende Frage:

Ich habe von meiner Freundin erfahren ( sie hat eine lange Zeit im Krankenhaus gearbeitet) das die PJtler die auch dort gearbeitet haben, gar nicht mehr praktischen Anatomieunterricht hatten. Die PJtler haben dies alles nur theoretisch gemacht. […] da wollte ich mal fragen ob das immer mehr zur Regel wird? Weil das ist doch ein super interessantes Fach indem man dank der prakt. Übung auch gut lernen kann.
T.

Orthopaedix: Hallo T., wir beantworten dir deine Frage heute zu zweit 😉

Spekulantin: Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Doch, wir haben noch ausgiebig praktischen Anatomieunterricht genossen.

Orthopaedix: Naja, so ausführlich nun auch wieder nicht. Ein Semester war das nur und das ist jetzt auch schon wieder lange her. Das war noch vor dem Physikum.

Spekulantin: Also mir hats gereicht! 14 Wochen lang zwei Nachmittage pro Woche im Präpariersaal zu verbringen fand ich echt hart.

Orthopaedix: Ja, schon. Aber es war auch verdammt lehrreich. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man in der Vorlesung Zeichnungen zu sehen bekommt, oder ob man das alles selbst und in 3D nachvollziehen kann. 

Spekulantin: Okay, das stimmt schon. Aber ein Semester war genug. Hat ja auch gereicht um einmal den gesamten Körper auseinander zu nehmen. Und so wirklich auf unsere Arbeit in der Klinik war das nicht ausgelegt. Klar hilft es um sich im OP besser zurecht zu finden, aber da muss ich jetzt dann doch meistens erst nochmal in den Anatomie-Atlas schauen.

Orthopaedix: Trotzdem immer noch besser als an anderen Unis, wo sie den Präpkurs inzwischen ganz abgeschafft haben. Nur Modelle und Plastinate anzuschauen, ohne selbst Strukturen freizulegen und zu „begreifen“, schafft keine halb so gute Vorstellung. Aber leider geht der Trend immer mehr in Richtung Abschaffung…

Spekulantin: …weil es eben auch eine Kostenfrage ist. Auch bei uns an der Uni sind es inzwischen doppelt so viele Studenten pro Leiche, so das auch nicht mehr jeder die Möglichkeit hat alle Schritte der Präparation selbst zu erleben.

Orthopaedix: Da hoffe ich auf gezielte Übungen an Leichen während der Facharztausbildung um die Abläufe einer Operation zu üben.

Spekulantin: Und was machst du mit all denen, die sich jetzt nicht sooooo zur Chirurgie hingezogen fühlen wie du?

Orthopaedix: Die müssen das ja auch gar nicht wissen. Sie wenden es ja eh nicht an. Außerdem unterscheidet sich die Vorgehensweise der operativen Eingriffe von der Art der Präparation im Präpkurs radikal: Im OP arbeitet man von einem schmalen Zugang aus in die Tiefe und präpariert nicht flächenhaft Schicht für Schicht einen ganze Körperregion frei.

Spekulantin: Naja, trotzdem sollte jeder Arzt so eine grobe Vorstellung vom menschlichen Körper haben. Und so schlimm ich das dritte Semester auch fand, wichtig war der Präpkurs schon. Schade nur, dass man seit dem so vieles davon wieder vergessen hat. Vor dem Chirurgie-Praktikum wäre da eine Auffrischung ganz hilfreich gewesen. 

Wir hoffen die Frage damit ausreichend beantwortet zu haben. Wer weitere Fragen hat, schickt sie uns gerne über das Kontaktformular, einen Kommentar zu unseren Artikeln oder per Twitter an @arztanbord! Wir freuen uns!

– Spekulantin & Orthopaedix

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

4 Kommentare zu “Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Leichen

  1. echt manche unis haben wirklich keinen präpkurs mehr? ich war noch ein jahr lang jeden verdammten einzelnen tag in der woche im präpsaal. plus vorlesung und seminar… ich fand das gut, 3d begreifen ist doch ganz was anderes…danke für dem post, jetzt fühl ich mich ein bisschen alt und wehmütig 😉

    • Wow, jeden Tag Präpkurs ist aber echt hart! Aber es stimmt schon, das man danach zumindest wirklich ein bisschen Ahnung davon hatte.
      Ich denke in Zeiten der Plastinate spart man sich wohl gerne Zeit, Personal und Kosten, die für den Präpkurs nötig sind. Mit dem Argument das sei ja dann auch Anatomie zum Anfassen und in 3D. Ich finde es ist trotzdem was anderes das Gefäß selbst du finden, als es nur richtig zu benennen. Aber immerhin besser als wenn sies ganz abschaffen…

      • ja das erste und zweite semester jeden tag präpkurs. wir haben von arm über herz bis hirn alles präpariert, was es zu präparieren gab. alle zwei wochen testate. hart, aber auch sehr gut.

  2. also bei uns gibts den praepkurs noch ueber 2 semester! und ich find das gut so, weil man anatomie ja nur so wirklich verstehen kann.

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