Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Herr Grevé – Teil 1

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Der Begriff Schnappatmung bezeichnet eine präfinale Atemstörung, die in Folge mangelnden zentralen Atemantriebes auftritt. Sie ist durch lange Atempausen und kurze „schnappende“ Atemzüge gekennzeichnet.
Doccheck Flexikon

Herr Grevé ist ein bei Insidern bekannter Käsehändler vom Wochenmarkt der Stadt. Jeden Morgen fährt er seinen Käsewagen auf den Marktplatz, schlägt seine Zelte auf und verkauft allerlei Käseköstlichkeiten aus der weiten Welt. Aber die heile Welt wird durch die Krebserkrankung, an der Herr Grevé leidet, getrübt. Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Alles begann damit, dass ihm beim Toilettengang plötzlich Blut im Stuhl aufgefallen war. Nach einer ganzen Reihe an Untersuchungen, Ärzten und Gesprächen stand die Diagnose: Dickdarmkrebs in fortgeschrittenem Stadium.

Schnell entschloss man sich eine OP durchzuführen, den Tumor zu entfernen und mit einer Chemotherapie zu starten. Herr Grevé steckte die OP gut weg, eine kleine Restenge (sog. Subileus) im Darm blieb, aber diese sollte nicht mehr allzu große Probleme darstellen. Die Chemo konnte beginnen.

In seinem 4. Zyklus lernte ich Herr Grevé das erste Mal auf unserer Station kennen, er war inzwischen ziemlich abgemagert, hatte viele Kilo seiner einst stattlichen Körpermasse verloren, aber war immer noch ein meist gut gelaunter und netter Kerl. Ich war gerne bei ihm um Blut abzunehmen (vielleicht auch, weil er einen gut gehenden Port hatte und das Blut abnehmen daraus angenehmer war als das Venensuchspiel an manch anderem Patientenarm). Während einer Visite schrieb Herr Grevé für seinen Käsestand neue Preisschilder – der Laden musste schließlich weiterlaufen, auch wenn er ab und an aufgrund seiner Chemo nicht persönlich nach dem Rechten schauen konnte.

Nach ein paar Tagen durfte Herr Grevé unsere Station verlassen, der Zyklus war beendet, die Schmerzen, die er gegen Ende seines Aufenthaltes im Bauch angegeben hatte, mittels Schmerzpflaster und Bedarfsmedikation soweit gut eingestellt, Stuhlgang normal.

Keine Woche später war Herr Grevé zurück auf unserer Station. Notfallmäßig hatte man ihn eingeliefert. Es ging ihm sichtlich übel. Er lag schwach und mit weißem Gesicht zusammengekugelt im Bett. Seit zwei Tagen hatte er starke Übelkeit und sich übergeben müssen, was angesichts seines schon sehr geringen Gewichts keine gute Kombination darstellte. Die Lebenslust von vor wenigen Tagen war bei seiner erneuten stationären Aufnahme aus ihm gewichen und die Schmerzpflaster halfen nicht ausreichend.

Unser erstes Ziel war ihn wieder auf die Beine zu bekommen – er erhielt Medikamente gegen die Übelkeit, neue Schmerzmittel und zwei Mal eine neue Portnadel, die ich ihm stechen durfte. Am dritten Tag schien es ihm besser zu gehen, beim morgentlichen Vampir spielen (Blutabnehmen) konnte man sich mit ihm unterhalten und trotz einiger tageszeitabhängiger Schwankungen seines (Gemüt-) Zustands schien er erst einmal über den Berg zu sein.

Gemeinsam beschloss man die Chemotherapie wie geplant weiterzuführen und somit nach einigen Tagen des Aufpäppels den neuen Zyklus zu starten. Chemotherapeutikum und Antikörper flossen durch seinen Port in seinen Körper und begannen ihren Kampf gegen die Tumorzellen. Herr Grevé vertrug die Chemo auch in diesem Zyklus erstaunlich gut. Übelkeit, Erbrechen waren verschwunden, das Gewicht konnte er dank Ernährung über den Tropf und kleine Mengen Toast, um die er gebeten hatte („Kann ich hier auch was anderes als nur Suppe bekommen? Wie wäre es mit Nudeln und Schnitzel oder so?„), stabil halten.

Am dritten Tag des Zyklus wurde Herr Grevé plötzlich still und reagierte nicht mehr adäquat auf unsere Visite und die Blutabnahmen. Sorgen machten sich breit …..

Fortsetzung folgt.

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

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