Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

HowTo: OP-Assistenz

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Mediziner im PJ: „Haken und Maul halten“
– Unispiegel-Artikel 08/05

Der Spiegel-Artikel ist vielleicht nicht mehr ganz aktuell, die Philosphie aber traurigerweise doch noch ein bisschen. Die Zeiten in denen ein Schlag auf die Finger mit dem Instrument so viel hieß wie „Haken loslassen“, sind zum Glück auch vorbei, aber die wichtigeste Aufgabe des Assistenten im OP ist immer noch keinen Ärger zu machen. Das heißt so viel wie: Nicht im Weg rum stehen, aber trotzdem genau dann zur Stelle sein, wenn gerade eine zusätzliche Hand gebraucht wird. Keine dummen Fragen stellen, aber bitte genau wissen wo noch was zu tun ist. Nicht ganz einfach diesen Überblick zu entwickeln. Vielleicht kann ich allen Anfängern aus meinen Erfahrungen der letzten Wochen ein paar Tips geben, die den Einstieg erleichtern:

1. Über das Betreten eines OP-Saals: Es ist völlig unwichtig, wie viele Leute im Saal bereits am Reden sind, mit dem Betreten des Raumes sollte stets ein lautstarker Gruß in die Runde verbunden sein. So laut, dass sich auch wirklich jeder angesprochen fühlt. Und wenn ein unbekanntes Gesicht durch den Raum wuselt, dann führt dein erste Weg mit ausgestrecktem Arm darauf zu um dich vorzustellen. Wie man dabei die Arbeit des anderen nicht unterbricht und trotzdem seinen Namen vorgebracht hat, bevor einen dieser ein zweites Mal anschaut – an der Frage arbeite ich selbst noch… Wichtig jedenfalls: Der sterilen Schwester nicht die Hand schütteln, auch wenn sie sie  noch so freundlich hinhält.

2. Über das Lagern des Patienten: Je nach Operation müssen Arme oder Beine ausgelagert oder angelagert werden. Dazu gibt es dann auch irgendwo entsprechende Halterungen. Beim ersten Mal gut zuschauen, denn ab dem zweiten Tag wird erwartet, dass du das alleine hinkriegst. Und wenn die Anästhesie das für dich übernimmt, weil du zu langsam bist, dann weißt du, dass du etwas falsch machst. Falls du gar nicht weißt, was zu tun ist, solltest du andersweitig sehr beschäftigt wirken… Maske zurechtrücken zählt da nicht, vielleicht besser den Operateur anrufen, dass er sich einschleust…
Und zum Extra-Punkte sammeln: Dort wo abgewaschen wird am Ende des Lagerns ein Molltex unterschieben.

3. Über das Waschen: Bei uns im OP wäscht die sterile Schwester den Patienten ab. Wenn sie damit anfängt, ist das der Startschuss in den Waschraum zu verschwinden. Woanders habe ich erlebt, dass der erste Assistent abwäscht. Wenn er sich waschen geht, ist das auch für dich ein guter Zeitpunkt – sofern der Patient gut gelagert ist.
Wie du dich dann wäscht, darüber gibt es sehr viel Ansichten. Wenn du nicht gerade an den alteingesessenen Chefarzt gerätst, dann brauchst du die Bürste nur zu verwenden, wenn du noch den halben Garten unter den – hoffentlich kurzen – Fingernägeln. Genügend Studien beweisen inzwischen, dass standartmäßiges Bürsten die Keimzahl auf der Haut nur erhöht. Also mit viel Seife am Beginn des Tages einmal Hände und Unterarme waschen. Beim Abspülen und Abtrocknen darauf achten, dass das Wasser zu den Ellbogen hin abfließt. Dann 3 Minuten mit viiiiiiiel Desinfektionsmittel Hände und Unterarme einreiben. Dabei gegen Ende nur noch die Hände desinfizieren. Tausende Anleitungen, wie man an den Häden dafür sorgt, dass auch alles was abkriegt, gibt es überall, wahrscheinlich auch im Waschraum. Für alle weiteren Operationen des Tages reicht es nur noch zu desinfizieren ohne sich zu waschen. Die desinfizierten Hände dann außer Reichweite von Kittel, Menschen und Einrichtung halten, etwa zwischen Brustwarzen und Bauchnabel – und ab in den Saal.

4. Über das Einkleiden: In den Kittel hilft dir die sterile Schwester. Wenn sie nett ist, zieht sie dir auch die Ärmel soweit zurück, dass die Hände freiliegen. Wenn nicht, warte bis du Handschuhe anhast und versuche es dann selbst zu richten. Besser nicht mit den auch noch so gut desinfizierten Händen den Kittel außen anfassen, das kann zu empört-hysterischen Aufschreien führen. Während dir jemand hinten den Kittel zu macht (also möglichst ruhig stehen bleiben) in die angebotenen Handschuhe schlüpfen. Wenn du den ersten an hast, kannst du damit zusätzlich den zweiten aufziehen – wirkt sehr professionell… Dann gibt dir die sterile Schwester das Band zum Kittel knoten in die Hand und du drehst dich nach links einmal um dich selbst. Am besten ohne dabei irgendwo anzustoßen und einen erneuten Aufschrei zu provozieren. Und wenn du dann also endlich erfolgreich verpackt bist, gilt es nur noch dich nicht mehr unsteril zu machen. Also am besten erst an den Tisch treten, wenn dort alles steril abgeklebt ist. Falls du beim Abdecken helfen darfst, dann nutze die ganze Spannweite deiner Arme um nur ja den Körper weit weg vom unsterilen Tisch zu halten.

5. Über das Haken halten: Eigentlich gibt es nur ein, zwei Dinge zu beachten, wenn du dann endlich mal erfolgreich am Tisch stehst. Erstens: Dein Job ist nur zu helfen und dabei nicht im Weg zu sein. Also, versperr dem Operateur nie die Sicht, lass ihn die Haken selbst ein- oder umsetzten und wenn du es noch so gut meinst. Lieber drauf konzentrieren im richtigen Moment, mit dem richtigen Zug und der richtigen Betonung den Haken zu übernehmen. Und sobald der Operateur danach greift um ihn neu auszurichten: Locker lassen, aber nicht loslassen. Zweitens: Alle Instrumente, die du annimmst oder abgibst immer vorneherum reichen. (Manchmal gar nicht so einfach dabei trotzdem Erstens im Blick zu haben – Also lieber das Instrument noch einen Moment länger festhalten) Die Rückseite des Kittels gilt als unsteril. Wie dein Kopf übrigens auch, also besser nicht damit an die Lampengriffe stoßen – von Beulen mal ganz angesehen… Drittens: Wenn du jemals irgendwas selbst machen willst, dann solltest du die Frage „Können Sie das?“ immer selbstbewusst mit „Ja.“ beantworten. Und wenns dann doch nicht geht, kriegst dus viel eher nochmal erklärt, als dass sich jemand von vorneherein die Mühe macht dich einzuweisen. Woran du erkennst, dass man dir dann langsam auch tatsächlich etwas zutraut? Die Anästhesie dreht nicht die Narkose wieder auf, wenn der Operateur sagt: „Die PJlerin/Der Famulant näht zu.“

6. Über das Aufräumen: Nachdem du alle Wunden und Drainagen mit Pflastern versorgt hast, geht es ans Abdecken: Alles was so an grünen Tüchern über dem Patienten ausgebreitet ist zusammenraffen – möglichst ohne die Drainagebeutel – und ab in den Müll. Und den Kittel und die blutigen Handschuhe gleich hinterher. Denn wenn der Patient abgedeckt ist, darfst du nur noch mit sauberen Fingern Hand an ihn legen. Dann werden Arme und Beine wieder zurückverlagert, der Patient zugedeckt und bevor nicht der Bauchgurt wieder zusammengeklettet ist, muss immer mindestens einer beim Patienten stehen. Dann erst bist du frei. Am besten nochmal die Anästhesie fragen, ob du noch was helfen kannst.

7. Über die feine Kunst der Pause: Daran arbeite ich selbst noch… Ich hoffe, dass ich irgendwann ein Gefühl dafür entwickle, wie viel Zeit mir zwischen den Operationen bleibt um was zu trinken und mein OP-Twix zu essen, während der nächste Patient in der Einleitung liegt. Das Problem ist: Wenn du zu früh wieder im Saal aufkreuzt, stehst du entweder beim Boden putzen, oder etwas später beim Instrumententisch richten im Weg rum. Letzteres solltest du besser nur wagen, wenn du irgendeine Änderung im OP-Plan mitzuteilen hast, durch die andere Kittel oder Handschuhe nötig sind. Wenn du aber zu spät wieder in den Saal kommst und die Anästhesie bereits die Arme auslagert, dann weißt du ja, dann machst du irgendetwas falsch. Gleichzeitig ist der Moment, in dem der nächste Patient in den Saal kommt, der, in dem du dem Operateur gerade Bescheid geben haben solltest – je nach dem wie weit in der Klinik der Weg von Station zum OP ist. Wenn ich ein Rezept für den richtigen Zeitpunkt gefunden habe, lasse ich es euch wissen.

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

2 Kommentare zu “HowTo: OP-Assistenz

  1. Zu meiner Anfängerzeit wäre ich sehr froh gewesen, wenn mir jemand auch nur annähernd so detailliert mitgeteilt hätte, was ich im OP zu tun, bzw. besser zu lassen habe… – Thumbs up! Josephine

    • Danke Josephine! Ich bin jetzt auch erstmal ein paar Wochen von einem Fettnäpfchen ins nächste getreten, zumal ich mich für Chirurgie eigentlich nie interessiert habe. Da gewinnt man dann in Rekordzeit einen Überblick über die Dos and Don’ts 😉

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