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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Krankheit der Woche V: Hypothyreose

2 Kommentare

Krankheit der WocheHYPOTHYREOSE
Schilddrüsenunterfunktion

Was ist das?

Unsere Schilddrüse produziert zwei verschiedene Hormone: Das T3 (Trijodthyronin) und das T4 (Thyroxin). Im Blut wird auch das T4 in T3 umgewandelt, denn das ist die Form in der das Hormon an den Köperzellen wirksam ist. Angeregt wird die Schilddrüse von einem weiteren Hormon, dem TSH (Thyroidea stimulierendes Hormon), das in der Hypophyse gebildet wird. Bei der Hypothyreose kommt aufgrund eines Fehlers in diesem System am Ende zu wenig T3 bei den Körperzellen an.

Wie entsteht es?

Typischerweise liegt die Ursache der Unterfunktion in der Schilddrüse selbst. Nur in sehr seltenen Fällen sind übergeordnete Zentren wie der Hypophysenvorderlappen oder gar der Hypothalamus defekt.
Es gibt angeborene Formen der Hypothyreose, bei denen entweder nicht genügend Schilddrüsengewebe entwickelt ist, oder die notwendigen Mechanismen zur Herstellung von T3 und T4 in der Schilddrüse defekt sind. Eine weitere frühe Form entsteht durch sehr extremen Jodmangel. Das Jod ist Bestandteil der Schilddrüsenhormone und muss dem Körper von außen zugeführt werden, damit die Schilddrüse arbeiten kann.
Im Erwachsenenalter sind die häufigsten Ursachen entweder ein Fehlen von Schilddrüsengewebe nach Operation oder Radiojodtherapie, sowie die sog. Hashimoto-Thyreoiditis. Das ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die körpereigenen Abwehrzellen die Schilddrüse angreifen und das Gewebe zerstören. Im Blut sind sog. Autoantikörper gegen typsiche Bestandteile der Schilddrüsenzellen nachweisbar und es kommt zu einer anhaltenden Entzündung und zunehmenden Zerstörung der Schilddrüse.

Was merkt man?

Die Schilddrüsenhormone wirken an vielen Stellen im Körper. Entsprechend ist auch die Menge an Symptomen sehr breit. Insgesamt könnte man wohl sagen, dass sich der Stoffwechsel vermindert, den das T3 sonst stimuliert. Das führt zu Müdigkeit und Leistungsabfall, einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Verstopfung und einem verlangsamten Herzschlag. Bei Frauen ist der Zyklus verändert, bei Männern die Bildung der Spermien, was beides zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Gewebe, die wachsen und sich oft erneuern sind besonders deutlich betroffen. Das bedeutet trockene, teigige, schuppige Haut und trockenes, brüchiges Haar. Ein weiteres sehr chrakteristisches Symptom ist das sog. Myxödem, das auch dem schwersten klinischen Bild der Hypothyreose seinen Namen gegeben hat: Das Myxödemkoma, bei dem alle Körperfunktionen stark reduziert sind (verringerte Körpertemperatur, reduzierte Atemfrequenz mit Sauerstoffmangel, verminderte Herzfrequenz und gesenkter Blutdruck).

Wie stelle ich es fest?

Die Grundlage der Diagnostik ist die Bestimmung von TSH, weil sie einfacher und günstiger ist als die Bestimmung der eigentlichen Schilddrüsenhormone. Da die TSH-Produktion jedoch von der Menge an T3 und T4 abhängt, liefert das bereits eine erste Aussage. Bei zu wenig Hormonproduktion wird die Schilddrüse verstärkt angeregt, das TSH ist also erhöht (mindestens > 2,6mU/l). Ob die Unterfunktion auch tatsächlich Auswirkung auf den Stoffwechsel (manifeste Hypothyreose) oder ob durch die vermehrte TSH-Stimulation das Problem noch überdeckt wird (latente Hypothyreose), lässt sich nur durch eine Bestimmung von T3 und T4 feststellen.
Bei Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoiditis kann man zusätzlich die typischen Antikörper (gegen die thyreoidale Peroxidase = TPO-Ak oder gegen Thyreoglobulin) im Blut nachweisen oder mit einer Nadel Gewebe aus der Schilddrüse gewinnen um unter dem Mikroskop die Abwehrzellen darzustellen.
Weitere Untersuchungsmethoden für die Schilddrüse sind der Ultraschall, der z.B. eine Verkleinerung des Schilddrüsengewebes zeigt, sowie die Szintigraphie, bei der sich die Funktion darstellen lässt. Bei einer Unterfunktion wird der für die Untersuchung verabreichte, radioaktive Jodersatz kaum von der Schilddrüse aufgenommen und gespeichert, genau wie das echte Jod eben auch.

Was kann man tun?

Die einzige Möglichkeit zur Behandlung ist ein lebenslanger Ersatz der Schilddrüsenhormone, genauer des T4. Das dafür verwendete L-Thyroxin, war unser letztes Arzneimittel der Woche. Je ausgepräger die Unterfunktion und somit der Mangel an Hormonen ist, umso langsamer muss man mit der Therapie beginnen, damit sich der Körper wieder an die Stoffwechsel-Stimulation gewöhnen kann.

Schmankerl: Low T3-/Low T4-Syndrom

Eine Erniedrigung von T3 und T4 kann es auch ohne eine Schilddrüsenunterfunktion geben. Bei schwerkranken Patienten, die eine Intensivtherapie benötigen sind beide Hormone oft vermindert. Allerdings ist das Reverse-T3 erhöht, ein biologisch unwirksames Stoffwechselprodukt das ebenfalls aus T4 entsteht. Das für die Bildung verantwortliche Enzym ist im Zustand schwerer Allgemeinerkrankung verstärkt aktiv. Obwohl das Reverse-T3 nicht wirksam ist, zeigen die Patienten nicht das Bild einer Hypothyreose und werden sehr selten mit L-Thyroxin behandelt.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

-Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

2 Kommentare zu “Krankheit der Woche V: Hypothyreose

  1. Wie wirkt es sich denn auf die Psyche aus?
    Kann dadurch nicht auch eine Depression entstehen?

  2. Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Einerseits sind Antriebslosigkeit, Verlangsamung, Desinteresse ganz typische Symptome für eine Hypothyreose. Andererseits sind es auch Warnzeichen für eine Depression. Was da genau die Ursache von was ist, lässt sich manchmal nicht genau auseinaderhalten. Vor allem ältere Menschen werden immer wieder fälschlich als depressiv abgestempelt, dafür liegt die Ursache der Symptome in der Schilddrüse.
    ABER: Ja, es gibt immer mehr Daten, dass eine Hypothyreose ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression ist. Die Schilddrüsenhormone wirken auf den Stoffwechsel im Gehirn und ein Fehlen führt in verschiedenen Tierexperimenten zu ähnlichen Veränderungen wie eine Depression. Auch in klinischen Studien zeigt sich bei bis zu 30% der Depressionspatienten eine Veränderung in der TSH-T3/T4- Achse. Außerdem zeigen Patienten mit einer Depression ein besseres Ansprechen auf eine Antidepressiva-Therapie, wenn zusätzlich Schilddrüsenhormone gegeben werden.
    Also, lange Rede, kurzer Sinn: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Schilddrüsenunterfunktion und veränderter mentaler Funktion. Neben der Depression, steht sie auch im Zusammenhang mit Demenz oder bipolaren Störungen. Wie genau der Zusammenhang aber aussieht, kann ich dir nicht beantworten.

    Hilft dir das weiter? Oder wirft das nur noch mehr Fragen auf?

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