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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche IV: L-Thyroxin

7 Kommentare

L-Thyroxin
L-Thyroxin

Anwendungsgebiet

L-Thyroxin wird bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) verschrieben. Anwendung findet es zudem gemeinsam mit Iod bei der Behandlung eines Kropfes (Struma). Auch bei Schilddrüsen-Tumoren wird L-Thyroxin nach einer OP mit Schilddrüsen-Entfernung zur Substitution und Suppressionstherapie von Rezidiven eingesetzt.

Die Anwendung als Schlankheitspille (aufgrund der künstlich erzeugten Schilddrüsenüberfunktion und einhergehender erhöhter Verbrennung von Nahrung und Energie) ist nicht empfohlen; hierfür besteht weder eine Zulassung noch ein Wirknachweis.

Wirkung & Mechanismus

Von der Schilddrüsen werden zwei Hormone auf den Stimulus durch das Schilddrüsen-stimulierendes-Hormon (TSH) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet: Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Diese unterscheiden sich in einem Jod-Molekül (deswegen 3 bzw. 4). Trijodthyronin ist das wirksamere Schilddrüsenhormon, hat dafür aber eine kürzere Halbwertszeit im Blut (ca. 1 Tag versus ca. 7 Tage bei Thyroxin). Beide Hormone werden in der Schilddrüse gebildet, gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben (zu 90  – 95% in Form von Thyroxin). Im Blut schwimmen die Hormone entweder frei (der wesentlich kleinere, dafür aber wirksamere Teil) bzw. an drei möglichen Träger-Molekülen gebunden: an Thyroxin-bindendes-Globulin bzw. an Thyroxin bindendes Präalbumin und an Albumin. In die Zellen gelangen die Hormone mittels Transporter.

Schilddrüsenhormone regulieren primär den Energiestoffwechsel des Körpers. Dies beinhaltet im Kindesalter auch die Regulation von Wachstum und die Anregung der Tätigkeit der Körperzellen aller Organe. Im Erwachsenenalter verlieren Schilddrüsenhormone den Einfluss auf das Gehirn, die Milz, die Hoden – in allen anderen Geweben steigern sie den Energieumsatz (was zu erhöhter Verwertung von Nahrung und Energiereserven führt (–> angeblich schlank machend)). Zudem beeinflussen Schilddrüsenhormone andere Hormone: sie steigern die Abgabe von Wachstumshormonen (wichtig für das richtige Wachstum im Kindesalter), die Freisetzung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse und die Abgabe von Hormonen aus Nebennierenrinde und Nebenniere.

L-Thyroxin entspricht – von extern als Medikament zugeführt – dem regulären Hormon der Schilddrüse und wirkt im Körper wie eigenes freigesetztes Hormon; somit hat das Medikament die identischen Wirkungen (lediglich der Schritt der Regulation durch die Hirnanhangsdrüse als auch der Bildung durch die Schilddrüse wird übersprungen)

Nebenwirkungen

Überempfindlichkeitsreaktionen (Hautausschlag, Juckreiz), Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen, erhöhter Blutdruck, Schlaflosigkeit, Unruhe, Durchfall, Bauchkrämpfe, Kopfschmerzen, Haarausfall, Muskelschmerzen oder -krämpfe sind möglich. Ebenso kann es zu Krampfanfällen, Verminderung der Knochendichte mit erhöhtem Osteoporoserisiko, gesteigertem Appetit (aufgrund des erhöhten Energieverbrauchs), Hitzegefühl und Müdigkeit kommen.

Gegenanzeigen

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist die Gabe von L-Thyroxin kontraindiziert (da die Schilddrüse von sich aus schon viel zu viele Hormone produziert und nicht noch weitere von außen zugeführt werden sollen). Ebenso sollte bei einem frischen Herzinfarkt und einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse auf die Gabe verzichtet werden, denn L-Thyroxin kann sowohl das Herz (u.a. Steigerung der Herzfrequenz und somit erhöhter Sauerstoffbedarf und vermehrte Herzmuskelarbeit) als auch die Bauchspeicheldrüse (siehe Wirkung: Freisetzung von Insulin) stimulieren und unnötig unter Stress setzen.

Bei bekanntem Bluthochdruck, „Herzschmerz“ (Angina pectoris), Herzerkrankungen, Diabetes, erhöhtem Osteoporose-Risiko sollte die Anwendung gut überlegt und überwacht werden.

In der Schwangerschaft sollte L-Thyroxin konsequent gegeben werden (um Nebenwirkungen bei Schilddrüsenutnerfunktion, die sich auf das ungeborene Kind auswirken zu verhindern).

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Waren diese Ausführungen verständlich? Fremdwörter, die erklärt werden müssen? Wünsche für das nächste Arzneimittel?

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

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7 Kommentare zu “Arzneimittel der Woche IV: L-Thyroxin

  1. wie verständlich soll es denn sein? ich mein, ich versteh’s, aber: kontraindiziert, Substitution und Suppressionstherapie. im großen und ganzen find ich es zu „packungsbeilagen“-mäßig. sorry, wenn ich klugscheiße. ich wünsch mir sertralin als nächstes. den wirkungs-teil find ich gut. bei den nebenwirkungen sollte das bisschen differenzierter sein. also was ist wirklich richtig häufig? oder ist es allgemein ganz gut verträglich? (was l-thyroxin ja eigentlich ist).

    *klugscheißmodus off* 😉

    • danke für deinen Kommentar! Das ist ein sehr guter Einwand, gerade was solche Worte wie „Substitution, kontraindiziert und Suppression“ anbelangt, die uns Mediziner lockerflockig über die Lippen gehen und nicht medizinisch bewandten Menschen gar nix sagen. Ich versuche das zu beachten und werde deinen Vorschlag für kommende Woche aufgreifen.

      Das Problem bei Nebenwirkungen ist, dass man das mit „häufig“ und „selten“ nur grob angeben kann und ich in meinem aktuellen Ausbildungsstand ohne klinische Erfahrung noch nicht abschätzen kann, was denn nun wirklich oft vorkommt und was weniger oft ist.

      Aber: ich nehme mir deine Anmerkungen zu Herzen und werde versuchen sie zu beachten! 🙂

      • ich bin ja nur ein abgebrochener mediziner (und das ist schon so lang her, dass es schon nimmer wahr ist), deswegen weiß ich ja, dass fremdwörter irgendwann normaler wortschatz werden. geht mir manchmal noch heute so 😉

        mit den nebenwirkungen hast du recht – ohne klinische erfahrung kann man wenig sagen. da ziehe ich das argument mal gepflegt zurück 😉

        ansonsten: ich hoffe, ihr haltet durch und schreibt weiter 🙂 – in meiner blogroll seid ihr jedenfalls

        • wir geben unser Bestes – auch wenn bisher nicht alle Teammitglieder einen Artikel zustande gebracht haben (der Alltag in der Klinik schlaucht einfach zu sehr am Anfang 😉 )

          Wir (ich) freuen uns, dass wir es in deine Blogroll geschafft haben! Viel Spaß bei der weiteren Lektüre hier!

  2. Noch habe ich keine Schilddrüsenunterfunktion, aber ich habe zu viele Antikörper. Ohne die Einnahme von L-Thyroxin kann sich das wohl zum Hashimoto-Syndrom ausweiten. Der Schilddrüsenwert lag vor der Behandlung bei 3,62 bzw. bei 1,9 (die Werte stammen von unterschiedlichen Ärzten).
    Ich nehme die 50mg Variante seit knapp 6 Monaten, meine Werte haben sich gebessert und Nebenwirkungen sind mir noch nicht aufgefallen.

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