Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Erste Male.

Ein Kommentar

Im Laufe des PJs, aber auch schon während des Studiums und zahlreichen Famulaturen erlebt man fast täglich „erste Male“. Viele sind unspektakulär und man vergisst sie innerhalb von Minuten wieder. Manche aber bleiben für immer in Erinnerung, da sie einem das Gefühl geben, dem „Endziel Arzt“ wieder einen Schritt näher gekommen zu sein: das erste Mal Blut abnehmen, der erste Schnitt an einer Leiche, die erste mit zitternden Händen genähte Platzwunde, das erste Mal beide Hände blutig im Bauchraum eines Patienten, die erste Lumbalpunktion…für mich ist das mittlerweile eine fast endlose Liste, die ich diese Woche um einen Punkt erweitern konnte: das erste Mal einen zentralen Venenkatheter  (ZVK) legen.

Seit ich zwei Tage zuvor einem Arzt das erste Mal beim ZVK-Legen assistiert hatte (eines dieser unspektakulären ersten Male) und er meinte „So, und den nächsten machst du.“  bin ich mit einem leicht nervösen Gefühl über die Station gelaufen. Einerseits hatte ich mich wahnsinnig gefreut und hatte die ganze Zeit darauf gehofft, dass ein passender Patient aufgenommen wird, andererseits war ich auch leicht beunruhigt, schließlich hatte ich bisher ja genau einmal zugeschaut.

Nachdem am Morgen klar war, dass ich heute meine erste ZVK-Anlage durchführen würde, musste ich mir den Rest des Vormittags im Arztzimmer zahlreiche Horrorgeschichten über missglückte ZVK-Versuche anhören „Ich habe das erste Mal die A. carotis punktiert.“ „Lass um Gottes Willen NIE den Draht los, sonst geht er dir im Patienten verloren und der Patient muss zum Herzkatheter.“  Zu meiner Beruhigung hat das ehrlich gesagt nicht wirklich beigetragen.

Beim Legen selbst war ich dann aber erstaunlich entspannt, da die Freude, endlich einen invasiven Eingriff durchführen zu dürfen, die Panik dann doch bei Weitem überwogen hat. Leider habe ich das richtige Gefäß nicht gleich getroffen (aber immerhin auch die Arterie und sämtliche dort laufende Nerven nicht lädiert), so dass mir da ein bisschen geholfen werden musste. Vielleicht hätte ich doch ein wenig beherzter in den Hals der Patientin stechen sollen. Den Rest habe ich dann aber zum Glück alleine geschafft. Allerdings  habe ich mir noch nie so sehr gewünscht, ein Oktopus zu sein, da ich permanent das Gefühl hatte, viel zu wenig Hände für all die Dinge zu haben, die ich gleichzeitig hätte tun sollen. Schon ein zusätzlicher Arm wäre unglaublich praktisch gewesen, vor allem, weil ich ja die ganze Zeit krampfhaft diesen Draht festhalten musste. Aber  am Ende hat es dann, auch mit nur zwei Händen, irgendwie geklappt. Und so habe ich wieder eines dieser bedeutenden ersten Male hinter mich gebracht. Perfekt war es noch lange nicht, aber dafür gibt es schließlich zweite und dritte und vierte Male.

Ann Arbor

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Autor: Ann Arbor

"We're all stories in the end...just make it a good one! Because it was, you know, it was the best!" Doctor Who

Ein Kommentar zu “Erste Male.

  1. congrats :).. „Ich habe das erste Mal die A. carotis punktiert.“ „Lass um Gottes Willen NIE den Draht los, sonst geht er dir im Patienten verloren und der Patient muss zum Herzkatheter.“ – das erinnert mich ganz stark an emergency room (irgendeine der ersten staffeln), wo einem jungen dr. genau das passiert….

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