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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Krankheit der Woche II: Diabetes mellitus Typ II

4 Kommentare

Krankheit der WocheDIABETES MELLITUS TYP II
Honigsüßer Durchfluss, Zuckerkrankheit

Was ist das?

In unserem Körper steuert das Hormon Insulin die Aufnahme und Verarbeitung von Zucker (Glucose). Beim Diabetes ist die Wirksamkeit oder die zur Verfügung stehende Menge an Insulin verringert. Der Zucker wird also nicht mehr richtig aus dem Blut in die Zellen aufgenommen, die ihn verarbeiten. Seine Konzentration im Blut steigt an (Hyperglycämie). Ein über längere Zeit erhöhter Zuckerspiegel im Blut führt im ganzen Körper zu einer Reihe von Veränderungen.

Wie entsteht es?

Es gibt zwei Mechanismen, wie diese Stoffwechselstörung entstehen kann. Entweder die Freisetzung von Insulin aus speziellen Zellen unserer Bauchspeicheldrüse ist verringert (Gestörte Insulinsekretion). Der genaue Grund für diese Fehlfunktion der Zellen ist bislang nicht sicher geklärt. Oder die Wirkung von Insulin an den zuckerverarbeitenden Zellen ist vermindert (Insulinresistenz). Hierfür gibt es verschiedene Ursachen. Zum Beispiel kann der Insulin-Rezeptor (das ist der Ort, an dem die Zelle das Insulin erkennt) kaputt sein oder einfach fehlen. Trotz ausreichender Menge an Insulin im Blut hat dies dann also keine Wirkung.

Was merkt man?

Das Problem ist, dass man zuerst meist gar nichts merkt. Der erhöhte Blutzuckerspiegel lässt sich zwar messen. Er führt aber zu keinerlei speziellen Beeinträchtigungen. Es kann z.B. zu Müdigkeit und Leistungsminderung kommen oder der Durst kann verstärkt sein.
Problematisch sind die Komplikationen, die sich so oft unbemerkt entwickeln können. Der Zucker im Blut führt zu Veränderungen der Gefäßwand mit einer zunehmenden Einengung der Gefäße. Die betrifft zum einen die großen Gefäße (Makroangiopathie) am Herzen (KHK), an den Beinen (pAVK) und im Gehirn (Schlaganfall) und verstärkt dort die natürliche Arteriosklerose. Typisch für den Diabetes ist außerdem eine Veränderung der feinen Endstrecken des Gefäßnetzes (Kapillaren) in bestimmten Organen (Mikroangiopathie). Dies betrifft die Nieren, deren Funktion immer weiter abnimmt bis der Patient zur Dialyse muss (Diabetische Nephropathie). Es betrifft die Augen und kann bis zur Erblindung führen (Diabetische Retinopathie). Und die kleinen Gefäße versorgen auch Nerven, deren Funktion zunehmend ausfällt. Es kommt zu Gefühlsstörungen (Diabetische Neuropathie).

Wie stelle ich es fest?

Man kann den Zucker im Blut leicht aus einem Tropfen Blut bestimmen. Um das Ausmaß der Störung erfassen zu können gibt es hierfür standardisierte Tests wie den Oralen Glucose Toleranz Test (oGTT), bei dem die Verarbeitung einer bestimmten Menge an aufgenommenem Zucker beurteilt werden kann.
Früher hat man auch den Zucker im Urin bestimmt, ganz zu Anfang durch einen Geschmackstest. Daher kommt auch der Name „Honigsüßer Durchfluss“.
Um Informationen darüber zu erhalten wie stark der Blutzucker innerhalb einer Zeitspanne von etwa 6 Wochen erhöht war, kann man einen weiteren Wert bestimmen. Das sog. HbA1c, ein Blutprotein, das bei erhöhtem Blutzuckerspiegel in veränderter Form vorliegt. Dieser Wert ist wichtig um den Erfolg einer Therapie abschätzen zu können.

Was kann man tun?

Die wichtigsten Maßnahmen sind Bewegung, Abnehmen und Diät. Sport und Gewichtsnormalisierung wirken auch vorbeugend. Die nächste Stufe sind sog. Orale Antidiabetika. Sie wirken entweder fördernd auf die Freisetzung von Insulin (z.B. Sulfonylharstoffe wie Glibenclamid/Euglucon) oder sie verbessern die Wirksamkeit des Insulins an den Körperzellen (z.B. Biguanide wie Metformin). Die genauen Wirkmechanismen sind hier oft nicht ganz geklärt. In der Spätphase, wenn sich die Insulinfreisetzung erschöpft hat, wird die Krankheit durch den Ersatz des fehlenden Insulins behandelt.
Wichtig ist eine frühe und konsequente Verringerung des Blutzuckerspiegels um Gefäßveränderungen zu verhindern und das Auftreten von Komplikationen möglichst lange hinauszuzögern.

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Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

War das verständlich? War es ausreichend detalliert oder eher zu genau? Gebt mir bitte Rückmeldung, wenn noch Fragen offen sind.

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

4 Kommentare zu “Krankheit der Woche II: Diabetes mellitus Typ II

  1. Pingback: Arzneimittel der Woche II: Metformin « Arzt an Bord

  2. Hey
    Fand den Blogpost gut, wenn ich auch mit PAVK nix anfangen kann, und KHK nur durch mein Pflegepraktikum kenne. Verstehe halt nicht ganz, wer die Zielgruppe sein soll. Interessant ist es auf jeden Fall.
    Verstehe aufgrund dieses Artikels nur noch nicht, wieso die Wundheilung bei DM Patienten verringert ist.
    Aber das ist ja eher ein Syptom

    • Danke für den Hinweis mit der pAVK. Eigentlich richtet sich der Artikel an Laien und soll einen kurzen Überblick geben, was wichtig ist. Deshalb versuche ich zwar Fachchinesisch zu vermeiden, aber manchmal rutscht halt dich was rein. Ich hab jetzt mal Wikipedia als Helfer engagiert.
      Die schlechtere Wundheilung hat verschiedene Ursachen. Zum einen führen die Gefäßveränderungen zu einer verschlechterten Durchblutung, v.a. an den Extremitäten. Ohne Sauerstoff arbeiten und proliferieren die Entzündungs- und Bindegewebszellen, die für die Abheilung nötig sind schlechter. Zudem werden sie schlechter stimuliert, da Diabetiker manche Wachstumsfaktoren, z.B. PDGF, vermindert bilden. Zuletzt spielt noch die reduzierte Sensibiliät durch die Nervenschädigungen eine Rolle. Kleine Verletzungen werden eher nicht bemerkt. Alles zusammen führt zur Entwicklung chronisch offener Wunden, typischerweise am Fuß: der sog. diabetische Fuß.
      Hat das fürs Verständnis geholfen?

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