Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Krankheit der Woche I: Pneumothorax

Ein Kommentar

Krankheit der WochePNEUMOTHORAX

Was ist das?

Unser Brustkorb (Thorax) ist nicht direkt mit der darin liegenden Lunge verbunden. Beide sind mit einer glatten dünnen Haut, der sog. Pleura, überzogen. Der Raum zwischen den beiden Schichten der Pleura ist flüssigkeitsgefüllt. Gerät Luft (Pneumo) in diesen sog. Pleuraspalt spricht man von einem Pneumothorax.

Wie entsteht es?

Die Luft kann von außen in den Pleuraspalt eindringen, wenn sich z.B. bei einem Unfall etwas durch den Brustkorb bohrt. Häufig sind das gebrochene Rippen. Manchmal auch Ärzte mit falsch platzierten Nadeln. Oder aber die Luft stammt aus der Lunge. Bei Vorerkrankungen kann schwaches Lungengewebe an der Oberfläche einreißen. Die darin befindliche Luft gelangt dann in den Pleuraspalt. Bei typischerweise jungen, schlanken Männern kann dies auch spontan und ohne sonstige Erkrankung geschehen.
Die Luft hebt den sonst im Pleuraspalt herrschenden Unterdruck auf. Jetzt gibt es nichts mehr, was die sehr elastische Lunge an die Brustwand zieht. Sie folgt ihrem steten Drang sich zusammenzuziehen und kollabiert. So kann sie beim Atmen nicht mehr mit Luft gefüllt werden.

Was merkt man?

Die Patienten klagen aufgrund des Fehlens der einen Lungenhälfte über Atemnot (Dyspnoe) und ihre Atemfrequenz steigt (Tachypnoe). Viele haben stechende Schmerzen auf der betroffenen Seite, die in die Umgebung ausstrahlen können.

Lebensbedrohlich ist ein sog. Spannungspneumothorax: Das Loch durch das die Luft in den Thorax gelangt wirkt wie ein Ventil, dass bei jeder Einatmung Luft anzieht, sie bei der Ausatmung jedoch nicht wieder entweichen lässt. Die Luftmenge im Pleuraspalt nimmt also kontinuierlich zu. Dadurch werden die anderen Organe im Brustraum verschoben und gequetscht. Das Herz kann so nicht mehr arbeiten und Körper und Hirn des Patienten werden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Er wird bewusstlos und kann versterben.

Wie stelle ich es fest?

Beim Abhören dämpft die zusätzliche Luftschicht das normale Atemgeräusch. Der Schall beim Klopfen ist dagegen deutlich heller als normal.
Entscheiden ist aber das Röntgenbild. Auf der betroffenen Seite ist die typische Lungenzeichnung nicht bis zur Brustwand sichtbar. Stattdessen zeigt sich die Luft als schwarze Fläche. Oft sieht man eine sog. Pneulinie: die Kontur der zusammengezogenen Lunge.

Was kann man tun?

Damit sich die Lunge wieder entfaltet braucht es wieder einen Unterdruck. Dazu legt man einen Schlauch in den Pleuraspalt (Thoraxdrainage) durch den die Luft entweichen kann. Dieser Schlauch wird dann für 24h an ein Sogsystem angeschlossen,  das den Unterdruck erzeugt. Wenn diese Therapie nicht ausreicht muss man zusätzlich mit einer Operation die Lunge wieder an der Brustwand fixieren. Hierzu sorgt man für eine Verwachsung der beiden Schichten der Pleura.

Bei einem Spannungspneumothorax muss eine notfallmäßige Entlastung erfolgen. Man schafft mit einer dicken Nadel ein zweites Loch und sorgt durch ein Ventil dafür, dass die Luft durch dieses nur aus dem Brustkorb gelangen kann. Dies geschieht oft noch außerhalb des Krankenhauses und man erzählt sich die abenteuerlichsten Geschichten mit welchen Hilfsmitteln dabei gearbeitet wird. Meine Lieblingsstory handelt von einem Arzt, der sich auf einem Transatlantikflug mit einer Kugelschreiberhülse und einem Luftballon ein solches Ventil bastelt.

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Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

Ein Kommentar zu “Krankheit der Woche I: Pneumothorax

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