Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

How to: Blutabnahme über einen Port

9 Kommentare

„Der Portkatheter (kurz: Port) ist ein subkutaner, dauerhafter Zugang zum venösen oder arteriellen Blutkreislauf oder in seltenen Fällen in die Bauchhöhle. Ein Port besteht aus einer Kammer mit einer dicken Silikonmembran sowie einem angeschlossenen oder anschließbaren Schlauch (dem Katheter) und ist eine Version eines zentralvenösen Zugangs (ZVK), dessen Ende kurz vor dem rechten Vorhof des Herzens platziert wird. Der Portkatheter wird im Rahmen eines operativen Eingriffs implantiert.“ (wikipedia)

Indikation für einen Port ist u.a. die Therapie mit Chemotherapeutika. Grund hierfür ist die Umgehung peripherer Gefäße, die durch die aggressiven Stoffe der Chemo unnötig belastet und angegriffen würden (incl. vermeidbarer lokaler Nebenwirkungen). Somit kann das Chemotherapeutikum direkt über den Port in Richtung Herz appliziert werden (ebenso z.B. auch Ernährungsflüssigkeit) und umgeht kleinere und gefährdete Gefäße an Arm, Hand und Bein.

Möglich ist natürlich auch die Entnahme von Blut. Für den Patienten insofern entspannt, weil das Pieksen im Arm wegfällt (denn der Port liegt ja schon schön da). Nur: die Gelegenheit hat man als Student, Famulant, PJ’ler eigentlich viel zu selten, um eine Routine entwickeln zu können. Man muss „das Glück“ haben an einen onkologischen Patienten (Krebspatienten) zu geraten, der aktuell einen liegenden Port hat und aus dem man Blut abnehmen soll. Kommt je nach Fachrichtung aber selten bis nie vor.

Um Neueinsteigern in der Klinik, Studenten am Anfang des Studiums beim ersten Einsatz auf Station, Famulanten und PJ’lern, die wie wir selten die Gelegenheit während des Studiums zur Blutentnahme via Port hatten, die Angst vor dieser Prozedure zu nehmen, will ich versuchen eine kurze Anleitung festzuhalten.

Deswegen hier der ultimative….

10 Schritte-HowTo-Guide zur Entnahme von Blut aus einem Port

1. Schritt: Vorstellung beim Patienten, Check ob die Blutentnahmeröhrchen zum Patienten passen (z.B. durch Abfrage von Namen und Geburtstag)

2. Schritt: Port überhaupt vorhanden und bereits angestochen? Läuft eine Infusion? Keine Entnahme von Blut aus dem Port, wenn Chemotherapeutikum, Heparin oder Antibiotikum gerade darüber läuft (kann Werte verfälschen). Handschuhe anziehen, alle benötigten Utensilien bereitstellen (oder ggf. erneut über den Flur wetzen und jedes vergessene Teilchen besorgen (dicker Minuspunkt in der Wertung für Professionalität)).

3. Schritt: 2x 10ml Spritze mit NaCl (Kochsalz) aufziehen. Ggf. eine weitere mit Heparin (wird von Station zu Station anders gehandhabt)

4. Schritt: Kontrolle, ob die Klemme des Ports geschlossen ist (Achtung: sollte dieser nach Abnahme der Verschlusskappe offen sein, kann es zum Einsog von Luft und schlimmstenfalls zur Luftembolie kommen –> Lebensgefahr!). Abnahme der Verschlusskappe am Ende eines der Lumina.

5. Schritt: Spülen mit NaCl aus einer der 10ml-Spritzen. Danach: Aufziehen von 10ml Blut aus dem Port, um Verdünnungseffekte durch das zuvor applizierte NaCl zu vermeiden. Schließen der Klemme vor Abziehen der Spritze. Diese Spritze wird verworfen – also weg damit in den Mülleimer.

6. Schritt: Anschluss von Adapter und Blutentnahme-Röhrchen an das Lumen des Ports (der die ganze Zeit in der Hand gehalten werden sollte, damit er keine Verunreinigung durch Bett oder Patient erfährt).

7. Schritt: Öffnen der Klemme. Füllen des Blutröhrchens, ggf. Wechsel auf weitere Röhren ohne Kontakt zwischen Lumen und Adapter zu verlieren (Luft!). Der Adapter verschließt das Lumen luftdicht, sodass hier bei Wechsel der Röhrchen die Klemme nicht jedes Mal neu verschlossen und geöffnet werden muss.

8. Schritt: Schluss der Klemme VOR Abzug des letzten Röhrchens samt des Adapters. (wegen der eingesogenen Luft, inzwischen klar, oder?) Danach kann beides entfernt werden.

9. Schritt: Anschluss der zweiten vorbereiteten 10ml NaCl-Spritze zum Durchspülen des Katheters, um Verstopfung durch gerinnendes Blut zu verhindern. Öffnen der Klemme und Spülen mit Kochsalz.

9b. Schritt: je nach Abteilung, Fachbereich, Klinik wird danach/davor der verwendete Port-Zugang mit Heparin gespült, um eine Verstopfung des Ports zu verhindern (Heparin hemmt die Gerinnung des Blutes zu einem Thrombus). Auf onkologischen Stationen, auf denen beinahe täglich Blut aus dem Port des Patienten entnommen wird oder ständig Flüssigkeit und Medikamente gegeben werden, würde eine Spülung mit Heparin bei jeder Entnahme eine nachweisbare Beeinträchtigung der Blutgerinnung des Patienten bewirken (ungut!). Deswegen wird hier teilweise auf eine Spülung mit Heparin bei jeder einzelnen Entnahme verzichtet.

10. Schritt: Vor Abzug der Spülspritze Verschluss der Klemme. Dann Entfernen der Spritze, Desinfektion der Lumenöffnung und Aufsetzen der Verschlusskappe (oder des vorher angeschlossenen Infusionsschlauches).

Fertig.

Ausdrucken, in die Kitteltasche heften und beim nächsten Patienten anwenden. Übung macht den Meister!

Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewährleistung übernommen.

– Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

9 Kommentare zu “How to: Blutabnahme über einen Port

  1. Wow! Eine sehr gute und ausführliche Erklärung. Wünschte, es hätte die schon vor nen Jahr gegeben, als ich selbst noch ganz ahnungslos in der Onko rumstand… 😉
    Es schadet übrigens auch nicht, alles vor bzw. nach Benutzung mit Desinfektionsmittel zu besprühen – obwohl sich diesbezüglich die Onkologen untereinander nicht völlig einig waren…

    Nur eins noch: Man muss keine Angst vor Ports haben, auch wenn eine gute Portion Respekt niemals schadet! 🙂

    • dem hab ich so gar nichts mehr hinzuzufügen. Ich dachte ich schreibe diese kleine Anleitung, weil ich auch wie ein Ochs vorm Wald stand, als ich das das erste Mal machen sollte. Man hat einfach nicht genug Übung, um es zu verinnerlichen und ein Schritt-für-Schritt-Plan ist einfach hilfreich, wenn man sich vorher darüber einlesen und den Prozess durchdenken kann 🙂

      Desinfektion ist immer als Addon sehr gut 🙂

      • Bitte beachten:
        10 ml Spülvolumen nach Blutabnahme ist zu wenig!
        Nach Füllung von Port-Katheter-Systemen mit Blut, sei es durch Blutabnahme oder Infusion, diese Port-Katheter-Systeme schnellstmöglich mit mindestens 2 x 10ml Kochsalz-Lösung spülen. Dabei intermittierende Technik anwenden (mit ca. alle 0,5 Sekunden gepulstem Spüldruck). Dies hilft, Ablagerungen in der Portkammer und/oder im Portkatheter zu vermeiden.

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