Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche I: Acetylsalicylsäure

5 Kommentare

Acetylsalicylsäure
Aspirin, ASS, Acesal, Alka-Setzer

Anwendungsgebiet

– leichte bis mittelstarke Schmerzen und Fieber
– Gerinnungshemmung v.a. bei erhöhtem Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkten, verkalkten Gefäßen (Arteriosklerose), frisch implantierten Stents nach Herzinfarkt

Wirkung

ASS (Acetylsalicylsäure) wirkt
– gerinnungshemmend,
– antientzündlich,
– antirheumatisch,
– schmerzstillend
– fiebersenkend.

Mechanismus

ASS hemmt irreversibel Enzyme, die Stoffe bilden, die Gerinnung, Entzündung und Fieber hervorrufen (sog. Prostaglandine, die durch Cyclooxygenasen gebildet werden). Da diese Enzyme aber auch bei der Bildung von Magensäure eine Rolle spielen, kann es, v.a. in höheren Dosen und längerer Einnahme, zu Magenbeschwerden und Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Durch die irreversible Hemmung gibt es keine Möglichkeit der Anwendung eines Gegenmittels. Die Wirkdauer von ASS ist entsprechend lang und muss z.B. vor geplanten Operationen beachtet und das Medikament rechtzeitig abgesetzt/pausiert werden, um die Gefahr einer übermäßigen Blutung einzudämmen.

Nebenwirkungen

Bei analgetischer (schmerzstillender) Dosierung kann es zu Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen kommen. Bei Asthmatikern ist eine Provokation von Asthma-Anfällen beschrieben. Ebenso gibt es die ASS-Unverträglichkeit bei Asthmatikern (siehe „Samter-Trias„).

ASS kann (wegen der erwähnten Interaktion mit dem Gastrointestinaltrakt) zu Magenblutungen, „Magengeschwüren“ (Ulcera), Schleimhautreizungen führen. Sehr selten führt es zu schweren inneren Blutungen, Nasenbluten, Zahnfleischbluten u.a.. Interaktionen gibt es zwischen ASS und anderen gerinnungshemmenden Arzneistoffen (Marcumar, Heparin…), sodass bei gleichzeitiger Einnahme Vorsicht und besonderes Augenmerk auf die durch eine Blutprobe gewinnbaren Gerinnungsmarker gelegt werden sollte. Hohe Dosen ASS können zu einer Übersäurerung (metabolische Azidose) des Körpers mit Atemlähmung und Bewusstlosigkeit führen. Außerdem ist eine Schädigung des Innenohrs (Hörverlust und Ohrensausen („Tinnitus“)) möglich.

Gegenanzeigen

ASS soll nicht bei Kindern (und Jugendlichen) mit fiebrigen Erkrankungen gegeben werden, da es hierbei zum Auftreten des sog. Reye-Syndroms kommen kann.
In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten, da es insbesondere kurz vor der Geburt (3. Trimenon) zum Verschluss eines wichtigen Blutgefäßes am Herzen kommen kann. Dieses Blutgefäß („Ductus arteriosus“) gewährleistet den Blutkreislauf des Kindes an der Nabelschnur unter Umgehung der noch nicht entfalteten Lungen im Mutterleib.
ASS sollte nicht bei bekannten Allergien gegen den Wirkstoff, bei erhöhten Blutungsneigungen, bei Magen- oder Darmgeschwüren eingesetzt werden. Ebenso sollte es nicht bei Nieren- oder Leberschäden eingesetzt werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Orthopaedix

P.S: ich hoffe der erste Artikel in dieser neuen Kategorie war für nichtmedizinische Besucher verständlich geschrieben. Bei Fragen/Anmerkungen/Vorschlägen oder einem kurzen Feedback (Sinnhaftigkeit der Kategorie, Verständlichkeitsprobleme) bitte einen kurzen Kommentar unter den Artikel schreiben. Nächste Woche geht es weiter!

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

5 Kommentare zu “Arzneimittel der Woche I: Acetylsalicylsäure

  1. Super erklärt: ich hab alles verstanden! 🙂

  2. ASS bitte NICHT zur Schmerzstillung verwenden. Das Risiko/Nutzen-Profil ist grauenhaft schlecht!! Zur Schmerzstillung & Fiebersenkung Paracetamol, oder bei stärkeren Schmerzen Ibuprofen und Diclo.

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